Start Interview Die ETF-Branche muss zusammenstehen

Die ETF-Branche muss zusammenstehen

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Lyxor Chef Thomas Meyer zu Drewer

Thomas Meyer zu Drewer steigt in einen riesigen Safe ein oder plaudert an einem Kiosk vor der Börse über das Thema ETFs – in der neuen Video-Reihe „Nachgefragt“ greift der Deutschland-Chef von Lyxor Fragen rund um das Thema börsengehandelte Indexfonds auf und beantwortet diese in oft bildhafter Sprache. Im Interview erklärt er unter anderem, warum Lyxor in den Videos nur eine untergeordnete Rolle spielt, weshalb der Emittent kein „BRIC-Paket“ schnürt und welche Vorteile ETFs bringen, wenn in Brasilien die Börse schließt.

In unserer Titelstory blicken wir auf den schwarzen Kontinent. Afrika spielt auch in Ihrer Produktpalette eine wichtige Rolle. Weshalb haben Sie hierzu gleich zwei Produkte im Angebot?

Das Research unseres Mutterhauses sieht Emerging Markets insgesamt sehr positiv. Die Annahme ist, dass sich das Bruttosozialprodukt dieser Länder in den nächsten 10 bis 15 Jahren verdoppeln wird. Eine Beimischung aus diesem Bereich kann für das Depot der Anleger sehr lohnend sein. Ich persönlich denke, dass für Europa und speziell für Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 Südafrika in den Fokus rücken wird. Für diesen Markt, in dem es verglichen mit dem Rest des Kontinents die größten Firmen gibt, haben wir den Lyxor ETF South Africa (ISIN: FR0010464446) aufgelegt. Umfassender bildet der Lyxor ETF Pan Africa (ISIN: FR0010636464) den Kontinent ab.

Bleiben wir bei den Emerging Markets. Ein BRIC-Investment suchen Anleger vergebens bei Lyxor…

Obwohl manche Kunden das gerne hätten, haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Zwar konnten in den vergangenen Jahren alle vier Länder zulegen, jedoch möchten wir die Anleger dazu anhalten, sich mit den Märkten zu beschäftigen, in die sie investieren möchten. Und innerhalb der BRIC-Staaten gibt es eben doch gewaltige Unterschiede. Sieht ein Anleger beispielsweise eher das Potenzial im Rohstoff- Reichtum mancher Schwellenländer, sind Russland und Brasilien interessant. China dagegen tritt auf dem Markt eher als Importeur von Rohstoffen auf. Dieses Land rückt dagegen in den Fokus, wenn man mit einem Investment in Emerging Markets eher auf den demografischen Aspekt abzielen möchte. Gerade institutionelle Investoren schätzen es, wenn sie selbst die Gewichtung der einzelnen Länder übernehmen können. Daher bieten wir zwar ETFs auf alle vier BRIC-Staaten an, aber eben kein Paket, das alle enthält.

Emerging Markets haben mit 14,5 Prozent den drittgrößten Marktanteil gemessen am weltweiten Volumen, das in ETFs steckt? Welche Vorteile können Indexfonds in diesen Märkten ausspielen?

Die wenigsten Anleger verfügen über die Mittel, Märkte wie Brasilien selbst abzubilden. Mit Hilfe von ETFs können sie mit einem Knopfdruck ein ganzes Portfolio kaufen – und das auch noch preisgünstig. Bleiben wir beim Beispiel Brasilien, zeigt sich ein weiterer Vorteil: Gerade bei Schwellenländer-Investments ist es wichtig, schnell reagieren zu können, wenn eine überraschende Nachricht bekannt wird. Durch die Zeitverschiebung kann es aber sein, dass die Börse in Brasilien geschlossen ist, der ETF wird dagegen gehandelt.

Können Sie uns einen Ausblick darauf geben, welche ETF-Produkte in nächster Zeit aus Ihrem Haus zu erwarten sind?

Im Moment ist unsere Produktpalette schon sehr umfassend und ausreichend. Es stellt sich die berühmte Frage: Wer braucht den zehnten DAX-ETF? Aktuell sehen wir kaum Nachfrage nach neuen Produkten. Eine wichtige Rolle spielt hier auch der betriebswirtschaftliche Aspekt. Um aus dieser Sicht sinnvoll zu sein, muss der ETF ein bestimmtes Volumen erreichen. Deshalb beobachten wir derzeit zwar viele Märkte, haben aber keine konkreten Produkte in Planung.

Wie beurteilen Sie die Diskussion über das Risiko von Swap basierten ETFs in den Medien? Lyxor wendet diese Methode ja ebenfalls an.

Ich habe den Eindruck, dass diese Diskussion nachlässt. Das liegt zum einen daran, dass auch die Häuser, die aussschließlich auf Full Replication setzen, vielleicht nicht die Transparenz an den Tag legen, mit der sie werben. Zum anderen ist am Ende die Performance entscheidend. Indizes, die über DAX und DJ Euro STOXX 50 hinaus gehen, sind ohne den Einsatz von Swaps schwierig abzubilden. Und weil es sich bei ETFs immer noch um Sondervermögen handelt, ist auch die Sicherheit hoch.

Da für die Bankberater keine Provisionen fließen, spielen ETFs nur in relativ wenigen Depots von Privatanlegern eine Rolle. Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Retail-Geschäft zu stärken?

Das ist natürlich auch eine Frage des Budgets. Im Umfeld knapper Marketing-Mittel ist es noch schwieriger ETFs salonfähig zu machen. Ideal wäre ein Mischmodell, das am Bedarf der Kunden ausgerichtet ist, andererseits aber auch den Berater zufrieden stellt. Es ist ein Phänomen, dass für Finanzdienstleistung keiner zahlen möchte. Anleger sollten jedoch nicht darauf warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wer beispielsweise durch die Lehman-Pleite Geld verloren haben, wünscht sich im Nachhinein sicher, er hätte einen Honorarberater gehabt. Die „Geiz ist geil“-Mentalität bringt einen hier nicht weiter. Unsererseits können wir nur versuchen, alles zu tun, um ETFs auch den Privatanlegern näher zu bringen.

Dient auch Ihr neues TV-Format diesem Zweck?

Natürlich. Das TV-Format „Nachgefragt“ ist ein Zeichen dafür, dass wir Worten Taten folgen lassen. Denn ich betone seit Anfang an, dass wir den ETF-Markt nur voranbringen können, wenn die Branche zusammensteht. In unserem monatlichen Video sprechen wir bewusst den Namen „Lyxor“ nicht aus. Es geht nicht darum, nur für uns Werbung zu machen, sondern echte Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir erhalten zahlreiche Fragen, die wir in den kommenden Sendungen aufgreifen und nach bestem Wissen und Gewissen beantworten werden.

Das Interview ist dem AnalysisKompakt (Scope) Newsletter entnommen.

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