Marc Preißler über physische Replikation und Gebühren
"Wir gehen davon aus, dass diese Gebührensenkung bei kostenbewussten und qualitätsorientierten Investoren auf eine entsprechende Resonanz stoßen wird" - Marc Preußer

HSBC Global AM senkte für einige ETFs die Gebühren. Wir sprachen dazu mit Marc Preußer, Direktor Wholesale bei HSBC über die Hintergründe.

Herr Preußer, HSBC hat Mitte März bei sechs ETFs die TER gesenkt. Was ist der Hintergrund dieser Gebührensenkung?

In der Tat haben wir die Gebühren für ausgewählte ETFs deutlich gesenkt – um bis zu 80 Prozent. Die Reduzierung bezieht sich auf sechs Aktien-ETFs mit Exposure zu den globalen Industrie- und Schwellenländern, zur Eurozone sowie zu Großbritannien und Japan. Die Gesamtkostenquoten (TER) dieser ETFs wurden auf bis zu 0,05 Prozent p. a. reduziert; diese TER gilt nun für den HSBC Euro Stoxx 50 UCITS ETF. Seit Auflage der ersten HSBC-ETFs im Jahre 2009 hat HSBC den Fokus auf Qualität und Kosteneffizienz gerichtet. Mit dieser Initiative wollen wir in Bezug auf Kosteneffizienz noch einmal ein deutliches Signal setzen.

Mit 25 in Deutschland handelbaren ETFs zählen Sie in Deutschland bisher zu den kleineren ETF-Anbietern. Möchten Sie das mit dieser Gebührenreduzierung nun ändern?

Wir gehen davon aus, dass diese Gebührensenkung bei kostenbewussten und qualitätsorientierten Investoren auf eine entsprechende Resonanz stoßen wird. Dasselbe dürfte für die weiteren innovativen Änderungen bei den HSBC ETFs gelten, die wir im Jahresverlauf noch planen.

Was machen Sie bei Ihrer Produktpalette anders als Ihre Mitbewerber?

Seit Auflage des ersten HSBC-ETFs legen wir großen Wert darauf, physisch replizierte ETFs anzubieten; auch gegenwärtig liegt unser Schwerpunkt darauf. Wir halten die physische Replizierung für die beste Indexierungsstrategie, da sie vollständige Transparenz bietet und kein Kontrahenten-Ausfallrisiko besteht. Alle HSBC-ETFs mit physischer Replizierung sind übrigens UCITS-IV-konform. Ist eine volle Indexreplizierung nicht möglich oder unter Kostenaspekten nicht sinnvoll, optimieren wir das Portfolio. Bei der Optimierung wird nur ein Teil der Wertpapiere im Index erworben. Das ist bei Indizes mit vielen Titeln sinnvoll; ein Beispiel hierfür ist der MSCI World. Des Weiteren nutzt HSBC Global Asset Management diverse Tools, um Risiken kontinuierlich zu überwachen und zu managen. Auf Wertpapierleihe wird vollständig verzichtet. Hierin unterscheiden wir uns von den anderen ETF-Anbietern in Deutschland. Zu den einzelnen Produktsegmenten: Neben den europäischen Produkten, die bei uns einen hohen Stellenwert einnehmen, ist unser Fokus auf Schwellenländer (mit ETFs auf einzelne Länder und auf Regionen) erwähnenswert. Vor allem unsere ETFs in Asien – ausschließlich physisch repliziert – heben uns von der Konkurrenz ab. HSBC engagiert sich seit langem in den asiatischen Märkten und hat eine dementsprechend gute Expertise, was auch unseren ETFs zugutekommt.

Inwiefern wirkt sich denn Ihre Expertise in den Emerging Markets und insbesondere in Asien konkret auf ETFs aus?

Zunächst schlägt sich dies in der Anzahl und breit gestreuten Auswahl an ETFs aus diesen Regionen nieder. Ferner fällt es uns offensichtlich leichter als der Konkurrenz, für bestimmte Schwellenländer physisch replizierte ETFs anzubieten. So war HSBC der erste Emittent eines physisch replizierten Russland-ETFs in Europa mit Zugang zu lokalen russischen Aktien. Ferner konnten wir als erster physisch replizierte ETFs auf den MSCI Malaysia und den MSCI Indonesien auf den Markt bringen. Dank unserer Emerging-Markets-Expertise ist es uns zudem möglich, die ETFs als UCITS-Fonds aufzulegen. Darüber hinaus ist unsere langjährige Expertise in den Schwellenländern hilfreich, um in unterschiedlichen Marktphasen die optimalen Replikationsstrategien entwerfen zu können. Und sie verschafft uns Preisvorteile im Handel. Unsere Emerging-Markets- Expertise kann dazu beitragen, den Tracking Error zu verringern.

Ihr MSCI Emerging Markets ETFs ist mit einer TER von 0,40 Prozent nun recht günstig. Wird das von den Investoren schon mit Mittelzuflüssen honoriert?

Wir konnten bereits einen sehr schönen Mittelzufluss von rund 30 Mio. Dollar im HSBC ETF EM verzeichnen. Zudem haben wir schon nach wenigen Wochen sehr positive Rückmeldungen seitens der Anlegerschaft erhalten – von Privatkunden ebenso wie von Institutionellen.

Bisher ist HSBC mit seinen ETFs eher passiv am Markt aufgetreten. Soll sich das in diesem Jahr ändern?

Unsere Produktpalette orientiert sich immer an den Bedürfnissen unserer Kunden und wird dementsprechend konsequent weiterentwickelt. Wir planen innovative Modifikationen rund um das Thema HSBC ETF.

Wird es in Zukunft einen weiteren Ausbau Ihrer Produktpalette geben?

Die HSBC-Gruppe befasst sich vermehrt mit dem Thema Nachhaltigkeit und hat einen starken Schwerpunkt auf Klimawechsel gelegt. Das wird sich auch in unserem ETF-Angebot widerspiegeln.

Marc Preußer, Direktor Wholesale Business, HSBC Global Asset Management (Deutschland) GmbH. Stand Mai 2016.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.