Dimitri Klymenko, Produktmanager bei VanEck.
Dimitri Klymenko, Produktmanager bei VanEck.

Viele Privatanleger stören sich in Welt-ETFs daran, dass die USA besonders stark gewichtet sind. Der Grund ist die Einstufung nach Marktkapitalisierung. Dimitri Klymenko, Produktmanager bei VanEck, stellt die Problematik dieser Herangehensweise dar und zeigt auf, was VanEck dagegenhält.

Herr Klymenko, Indizes sind in aller Regel nach Marktkapitalisierung gewichtet. Weshalb ist das aus Ihrer Sicht gegenwärtig ein Problem?

Die Aktien- und Indexkurse, allen voran in den Vereinigten Staaten, handeln trotz leichter Korrekturen weiter nahe ihren Höchstständen. Anleger, die in ETFs auf nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes investieren, kaufen die zugrundeliegenden Aktien damit zu im historischen Vergleich sehr hohen Kursen. Das muss nicht zwangsläufig ein Problem sein, sofern die Qualität der Unternehmen den Aufschlag rechtfertigt. Doch genau dieser Faktor wird in den entsprechenden Indizes vernachlässigt. Daher müssen Anleger in Kauf nehmen, dass sie auch überbewertete Aktien kaufen. Die jahrelange monetäre Lockerung der Notenbanken hat diese Gefahr verschärft, da sie die Preisbildungsdynamik am Markt durch billiges Geld potenziell verzerrt hat.

Wie reagieren Sie auf diese Problematik?

Indem wir auf intelligentere Indizes setzen, die nicht nur allein die Marktkapitalisierung der Unternehmen berücksichtigen oder diesen Faktor sogar vollkommen ignorieren.

Abhilfe für die geschilderte Problematik kann etwa ein Cap für Einzeltitel schaffen, was ein ausgewogeneres und diversifizierteres Exposure schafft und verhindern, dass große Unternehmen einen Index zu sehr dominieren. Eine besondere Variante ist das Equal Weighting, also das Gleichgewichten aller Titel in einem Index beziehungsweise Portfolio, wodurch insbesondere Titel mit kleinerer Marktkapitalisierung eine deutlich stärkere Gewichtung erhalten und die dominanten Titel entsprechend weniger gewichtet werden.

Letzteren Ansatz verfolgt auch der Morningstar® Wide Moat Focus Index™. Darüber hinaus berücksichtigt das Indexierungsmodell auch noch zwei weitere Faktoren: Nur Titel mit einem Morningstar® Economic Moat™ Rating von „Wide“ – also mit langfristigen nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen – kommen für den Index überhaupt zur Auswahl. Zusätzlich spielt dann auch noch der Preis eine Rolle – nur die 40 bis 80 Titel, deren aktueller Kurswert am weitesten unterhalb ihres langfristigen fairen Wertes liegt.

Sie bieten seit drei Jahren den VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF an. Welche Bilanz können Sie vorweisen und was dürfen Anleger künftig erwarten?

Per 30. September 2018 hat der VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF Anlegern seit Auflage eine annualisierte Performance von rund 18,1 Prozent beschert. Der zugrundeliegende Morningstar-Index hat den S&P 500 in diesem Zeitraum outperformt und wir haben bei der Indexabbildung unseres Produktes eine sehr hohe Qualität erreicht. Diese möchten wir natürlich auch weiterhin beibehalten. Auf Makroebene sehen wir für den US-Markt robuste Fundamentaldaten, die darauf hindeuten, dass die Rallye anhalten könnte.

In dem ETF ist der Begriff „Moat“ enthalten. Wofür steht er und können Sie uns den Moat-Analyseprozess skizzieren?

Der Begriff steht für „Economic Moats“, übersetzt „wirtschaftliche Burggräben“. Dabei handelt es sich um langfristige Wettbewerbsvorteile von Unternehmen, mit denen sie Gewinne und Marktanteile nachhaltig sicherstellen können. Je breiter der Graben, desto größer ihre strukturellen Vorteile gegenüber den Wettbewerbern.

Der mehrstufige Moat-Analyseprozess, der gleichzeitig einen Großteil des Indexierungsmodells des Morningstar® Wide Moat Focus Index™ bildet, ist vergleichsweise komplex: Die Analysten von Morningstar verleihen Unternehmen, deren Wettbewerbsvorteile diese voraussichtlich noch 20 Jahre oder mehr gegen die Konkurrenz schützen werden, ein Morningstar® Economic Moat™ Rating von „Wide“, was wiederum nur ein Aufnahmekriterium für den Morningstar® Wide Moat Focus Index™ darstellt. Bei diesen Wettbewerbsvorteilen kann es sich konkret um immaterielle Vermögensgegenstände, Kostenvorteile, hohe Wechselkosten, Netzwerkeffekte oder eine besonders effiziente Skalierung handeln.

Die Kunst des Moat-Investing besteht aber erst darin, Titel mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und gleichzeitig attraktiven Bewertungsniveau zu identifizieren. Morningstar ermittelt dafür den sogenannten Fair Value, eine Analyse über den fairen, inneren Wertes einer Aktie. Im Mittelpunkt der Analyse erstellt Morningstar zunächst vollständige Bilanzprognosen, einschließlich Schätzungen für Umsatz, Gewinnspannen, Steuersätze, Änderungen in den Working-Capital-Konten und Investitionsausgaben der kommenden fünf bis zehn Jahre. Gleichzeitig berücksichtigt ein Unsicherheits-Rating, wie zuverlässig sich Prognosen über zukünftige Cash-Flows treffen lassen. Der ermittelte Fair Value kann vom aktuellen Marktkurs der Aktie abweichen. Umso weiter eine Moat-Aktie unterhalb ihres fairen Wertes handelt, desto attraktiver ist sie langfristig.

Durch die Faktoren „Economic Moat“ und „Fair Value“ lassen sich somit potenzielle Anlagechancen identifizieren, die langfristig überdurchschnittlich hohe Erträge generieren können.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.