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Diskussion aktive versus passive Anlageprodukte zielt am Kern vorbei

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Aktiv oder passiv? Diese Frage stellt sich vielen Anlegern. Aber lässt sie sich überhaupt eindeutig beantworten? Macht es Sinn, sich für das eine und gegen das andere Investment-Konzept zu entscheiden? Führt nicht erst die Kombination beider Ansätze zu einem optimalen Chance-Risiko- Verhältnis? Sasa Perovic, Leiter „Indexprodukte“ bei Scope Analysis, erklärt, was es bei der Wahl der richtigen Anlagestrategie zu beachten gilt.

Passive Indexfonds gewinnen immer mehr Marktanteile. Was zeichnet ETFs aus?

Es gibt zahlreiche Gründe, die für eine Investition in Exchange Traded Funds oder Indexzertifikate sprechen. Zum einen sind das sicherlich die niedrigeren Kosten gegenüber aktiven Fonds. In der Regel beträgt die Managementgebühr weniger als ein Prozent. Anleger sparen außerdem die Performance Fee. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil sind darüber hinaus die fehlenden Managerrisiken. Anleger müssen nicht blind auf die Fertigkeiten eines Dritten vertrauen, sondern können sich auf ihr eigenes Gespür verlassen. Dies setzt natürlich Kenntnisse in den entsprechenden Märkten und Assetklassen voraus.

Es gibt also nur Vorteile?

Nein. Der Nachteil liegt auf der Hand: Ohne aktive Komponenten lässt sich keine Outperformance herausarbeiten. Die Aufgabe von aktiven Fondsmanagern ist es nun einmal, Chancen auf den Märkten zu suchen, mit denen sie eine Outperformance erzielen können, die im besten Fall über den Kosten liegt. Bilden sie nur den jeweiligen Index ab, entgehen ihnen diese Opportunitäten. Es sei denn, die aktive Komponente wird auf eine höhere Stufe gehoben, nämlich auf die der Asset Allocation.

Was bedeutet das konkret?

Das Thema ist nicht so einfach, wie es scheint. Die aktuelle Diskussion „aktive versus passive Anlageprodukte“ zielt jedenfalls am Kern vorbei. Es geht nicht darum, sich für das eine oder andere Vehikel zu entscheiden, sondern die Vorteile beider Investmentansätze zu nutzen, um Risiken gering zu halten und eine bestmögliche Performance zu erzielen. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Einfache Kernmärkte mit passiven und komplexere Nischenmärkte mit aktiven Produkten abbilden – ist das die Lösung?

Im Prinzip ist genau das die absolut richtige Lösung. Allerdings bestätigen auch hier manchmal Ausnahmen die Regel – und diese Ausnahmen hängen zum Beispiel von der Marktphase ab sowie von der Länge des gewählten Zeitraums. In Einzelfällen kann es sogar sinnvoll sein, ein aktives Fondsmanagement für Kernmärkte zu wählen. In diesem Zusammenhang ist eine repräsentative Scope-Auswertung aktiver Aktien- und Rentenfonds zu folgendem Ergebnis gelangt: Auf Dreijahressicht haben rund 25 Prozent der Aktienfonds aus den Emerging Markets ihren Vergleichsindex geschlagen, von den europäischen Aktienfonds gelang dies hingegen über 50 Prozent. Bei aktiven Fonds mit deutschen Aktien war die Quote sogar noch beeindruckender. Hier schnitten etwa 70 Prozent besser ab als die Benchmark.

Wie könnte denn ein sinnvolles und ausgewogenes Konzept aussehen?

Grundsätzlich muss ja festgestellt werden, dass jedes Konzept seine Daseinsberichtigung hat. Entscheidend ist vielmehr, die unterschiedlichen Strategien sinnvoll einzusetzen und klug miteinander zu kombinieren. Das oben beschriebene Konzept, das auch Core/Satellite-Ansatz genannt wird, ist eine gute Basis; es reicht jedoch nicht aus. 80 bis 90 Prozent der Anlagefehler entstehen auf der Ebene der Asset-Allocation, nur zehn bis 20 Prozent auf der Ebene der Produktauswahl. Dies verdeutlicht, dass tiefergehende Konzepte nötig sind. Es gibt ja bereits Ideen am Markt, beide Konzepte miteinander zu verbinden.

Der Arero Weltfonds sowie die Dach-ETFs von Veritas zum Beispiel versprechen aktive Vermögensverteilung auf Basis passiver Instrumente. Was genau kann man hier unter aktivem Management verstehen?

Das sind zwei interessante Produkte. Der Arero Weltfonds vereint die Assetklassen „Aktien“, „Rohstoffe“ und „Renten“ zu einer Struktur – mit regelmäßiger Adjustierung der Anteile. Die einzelnen Strukturen werden über Sub-Indizes abgebildet und zu einem einzigen Index zusammengefügt, der dann repliziert wird. Einen Schritt weiter geht das Produkt von Veritas. Im Gegensatz zum Arero-Fonds allokiert bei diesem Mischfonds der Manager auf der Portfolio-Ebene aktiv zwischen Aktien und Renten. Lediglich die Zielfonds-Auswahl auf der zweiten Ebene findet innerhalb passiver Produkte statt. Bei solchen Produkten muss aber immer auch die Kostenstruktur beachtet werden. Aktives Management gerade in Mischfonds kostet nun mal Geld und hat somit direkt Auswirkung auf die Performance.

Ist in Zukunft mit weiteren Produkten am Markt zu rechnen, die gegensätzliche Strategien vereinen?

Dies beobachten wir schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Fonds mit vermögensverwaltendem Charakter haben anscheinend Hochkonjunktur. Das ist prinzipiell positiv zu werten. Ein Vorteil liegt sicherlich in der steuerlichen Behandlung. Jedoch muss die Managementleistung auf Ebene der Asset Allocation gut sein, da so ein Produkt ansonsten keinen Sinn macht. Eine solche Beurteilung dürfte Anlegern schwer fallen. Auch ist die Kostenseite zu berücksichtigen. Oft sind solche Produkte mit einer Performance- Fee versehen. Da muss der Anleger genau hinschauen, wie diese konstruiert ist.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 11 von Scope entnommen.

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