Start Interview „Ein großer Teil der Value-Investoren nutzt lokale und regionale Märkte“

„Ein großer Teil der Value-Investoren nutzt lokale und regionale Märkte“

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Axel Riedel klein

State Street Global Advisors legte vor wenigen Tagen vier Advanced Beta Equity ETFs auf. Die Gewichtung erfolgt dabei nach dem Kriterium Value. Das EXtra-Magazin sprach dazu mit Axel Riedelbei State Street Global Advisors verantwortlich für SPDR ETFs in Deutschland und Österreich.

Aktienfaktoren-ETFs sind zurzeit bei den Emittenten gerade in Mode. Was macht diese aus Ihrer Sicht über den Trend hinweg für den Anleger so interessant?

Axel Riedel: Advanced Beta, stößt zunehmend auf Interesse bei Investoren. Diese Konzepte sind jedoch nicht neu und gehen u.a. auf die akademischen Ergebnisse von Ross (1970s) und den Nobelpreisträgern Eugen Fama und Kenneth French zurück. Diese kommen im Ergebnis dazu, daß die Wertentwicklung von Aktien und deren Sensitivität von und gegenüber bestimmten (Risiko-) Faktoren wie z.B. Value, Kapitalisierung, Volatilität, Momentum und Qualität abhängt. Dabei sind einige Aktien abhängiger oder sensitiver gegenüber bestimmte Faktoren als andere. Die Faktoren verhalten und entwickeln sich über einen Investment- oder Konjunkturzyklus unterschiedlich. Mit ETFs auf einzelne dieser Faktoren erhalten Investoren die Möglichkeit in diese Risikoprämien zu investieren.

Während andere Emittenten eher Value-Strategien auf globale Blue-Chips auflegten, entdeckten Sie nun mit zwei ihren neuen Produkten die einzelnen Anlageregionen Europa und USA. Wie sehen die Wachstumschancen für Value-Werte in den entsprechenden Anlageregionen aus Sicht Ihrer Analysten aus

Axel Redel: Value-Strategien sind zuletzt sowohl global als auch reginal hinter der breiten Marktentwicklung zurück geblieben. Gleichzeitig ist es einer der von Anlegern präferierte, weil intuitive, Anlagestil.

Neben einem einer globalen Abdeckung nutzt ein großer Teil der Investoren lokale und regionale Märkte im Rahmen der Asset Allocation. Mit unseren vier Neuauflagen erweitern wir die Anlagemöglichkeit für Kunden in den Bereichen europäische und amerikanische groß- und kleinkapitalisierte Unternehmen, die eine vergleichsweise geringere Bewertung aufweisen. Derzeit weisen europäische Value-Aktien – gemessen am MSCI Europa Value Weighted Index – ein Kurs-/Gewinnverhältnis von 14 auf verglichen mit 16 des MSCI Welt. Das Preis-/Buchwertverhältnis spricht mit 1.3 zu 2.1 zu Gunsten der der Value Titel. Für amerikansiche Value-Titel ist dieses nahezu gleich. Das Kursgewinnverhältnis ist mit 15 leicht besser.

Die Kriterien für die Auswahl als Value-Wert sind bei den zwei Value-ETFs für Small Cap-Werte sicher gleich. Aber welche Voraussetzungen müssen die Unternehmen hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung als Small-Cap-Wert zur Aufnahme in den jeweils zugrundeliegenden Index erfüllen. Und handelt es sich dabei tatsächlich um reine Small-Caps oder vielleicht schon eher Mid-Caps?

Axel Riedel: Alle vier SPDR ETFs nutzen die MSCI Value Weighted Indices. Ausgehend vom größtmöglichen Anlageuniversum MSCI Global Investable Market Index modifizieren die Value Weighted Indices die Gewichtung zu Gunsten der Titel, die eine vergleichweise geringere Bewertung aufweisen. Dazu werden die Titelgewichte anhand von vier gleichgewichteten Finanzkennzahlen – Umsatz, Buchwert, Gewinn und Cash Earnings – angepasst. Aufgrund der Verwendung dieser Messgrößen sind die Indizes auf die Aktien mit den niedrigsten Bewertungseigenschaften ausgerichtet. Für die Titel des SPDR MSCI Europe Small Cap Value Weighted UCITS ETF beträgt die durchschnittliche Marktkapitalisierung 2 Mrd. USD, während Sie für den Standardindex MSCI Europa 67 Mrd.  USD beträgt. Bei den Titel des SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted UCITS ETF beträgt diese 3 Mrd. USD verglichen mit 122 Mrd. US im MSCI USA Index.

Small Caps als auch Mid Caps gelten in der Regel als schwankungsintensiver. Gibt es aus Erfahrungen der historischen Betrachtung oder aus Studien eine Richtzahl, um wieviel Prozent sie stärker als Blue Chips schwanken?

Axel Riedel: Legt man den Schwerpunkt auschließlich auf die Volatiltät, stimmt das über dem Zeitraum von ein, drei und fünf Jahren. Während beispielsweise für kleinkapitalisierte Unternehmen im MSCI USA Small Cap Index in annualisierte Volatiltät über die vergangenen fünf Jahre 17 Prozent betrug, schwankten die großkapitalisierten Unternehmen des Vergleichsindex nur um 13 Prozent. Über den gleichen Zeitraum schwankten die großkapitalisierten Titel in Europa um 12 Prozent und die kleinkapitalisierten um 14 Prozent. Dies ist aber eine eindimensionale Betrachtung. Investoren betrachten die Vermögensklassen eher im Gesamtkontext und beurteilen, wie diese in das das Risiko-/Renditeprofil des Gesamtportfolios passen.

State Street verfügt über ein breites ETF-Angebot auf herkömmliche marktkapitalisierungsgewichtete Indizes als auch Smart Beta-Indizes. Wann sollten aus Ihrer Sicht eher marktkapitalisierungsgewichtete und wann Smart-Beta-ETFs eingesetzt werden?

Axel Riedel: Dies hängt im Wesentlichen von dem Anlageziel, den Anlagebedinungen und Beschränkungen eines Investors ab und ob dieser möglicherweise ein Risiko-Overlay mit Hilfe von Derivaten betreibt. Smart oder Advance Beta ETFs bieten Investoren bestimmten Risikoprämien, die deren Anlageüberlegungen nachhaltig oder taktisch entsprechen. Bei State Street Global Advisors gehen wir davon aus, dass es ein Nebeneinander von ETFs  auf tradionell marktkapitalisierende und alternativgewichteten Indizes gibt. Trotz des gestiegenen Popularität von Advanced Beta-Strategien bleiben marktkapitalisierte Indizes die Norm für die meisten passiven Anlegern und die hinter ihnen stehenden Anlagegremien und Akteure. Dies liegt unter anderem daran, dass sie einfach zu verstehen und intuitiv sind: Wenn der Unternehmswert steigt, steigt die Gewichtung im Index. Zudem ist die Auswahl an diesen Indizes größer. Aus Kostenüberlegung sind marktkapitalisierte Konzepte günstiger und haben eine geringere Umschlagshäufigkeit. Ein wichtiger Aspekt ist zudem, daß die liquidesten (Aktien-)Derivate auf marktkapitalisierten Indizes basieren.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.