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Eine Branche in Bewegung

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Detlef Glow

Der ETF-Experte Detlef Glow beleuchtet und kommentiert im EXtra-Magazin Entwicklungen der ETF-Branche. Er veröffentlicht regelmäßig in verschiedensten Medien ETF-Artikel und -Kommentare.

In den letzten Monaten war die Berichterstattung über die ETF-Industrie von der Übernahme der CS-ETF durch iShares und den Spekulationen über eine mögliche Konsolidierung der Branche geprägt. Die Übernahme war sicherlich ein wichtiges Ereignis, das die Branche stark verändert hat, aber dennoch sind meiner Ansicht nach, neben diesen schlagzeilenträchtigen Geschehnissen viele andere Themen in den Hintergrund gerutscht.

Zum einen hat es im Personalbereich viele Veränderungen gegeben, zum anderen haben die ETF-Anbieter auf europäischer Ebene begonnen ihre Vertriebsmodelle zu verändern. Der Auf- und Abbau sowie der Austausch von Personal ist sicherlich ein Zeichen für die Reife der ETF-Industrie. Aber dennoch können diese Veränderungen großen Einfluss auf die Zukunft einzelner Anbieter haben. So hat Lyxor im Verlauf des letzten Jahres viele Führungskräfte aus den Bereichen Vertrieb und Produktentwicklung verloren, was sich auf deren Positionierung und in der Folge auch auf den zukünftigen Marktanteil auswirken könnte. Auch sind die Folgen der Restrukturierung des Fondsgeschäfts bei der Deutschen Bank derzeit noch nicht absehbar. Zudem wird die Veränderung der Vertriebsmodelle zu weiteren personellen Veränderungen führen.

Neue Vertriebskanäle

Einer der Anbieter, die sich mit dem herkömmlichen Vertriebsmodell nicht zufrieden zu geben scheint ist Vanguard. Diese hat in den letzten Wochen Vertriebsvereinbarungen mit den großen englischen Fondsplattformen getroffen, ein Beleg dafür, dass Privatkunden immer stärker in den Fokus der ETF-Anbieter rutschen. Aus meiner Sicht ist dieser Schritt von Vanguard nicht allein auf die veränderte Gesetzgebung, dem sogenannten „Retail Distribution Review“ (RDR), im Vereinten Königreich zurückzuführen, sondern stellt auch eine logische Weiterentwicklung der Branche dar. Denn schließlich können die ETF-Anbieter potentielle Anleger und deren Berater nur dann erreichen, wenn ihre Produkte auch für diese verfügbar sind. Dementsprechend glaube ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die anderen Anbieter nachziehen. Ebenso ist dieser Schritt meiner Ansicht nach nur der Anfang eines neuen Trends. Damit werden die Produkte nicht nur über die Börse, sondern auch über freie Finanzdienstleister erhältlich.

Nachhaltigkeit als Antrieb

Ein weiterer Punkt ist die Diskussion über Spekulationen mit Lebensmitteln. Denn während einige Banken, wie zum Beispiel die Deutsche Bank keine Marktverzerrungen durch Investitionen in Terminkontrakte erkennen können und somit dieses Geschäft weiter fortführen, haben andere Banken, wie zum Beispiel die französische BNP, beschlossen keine Geschäfte mehr in diesem Bereich zu tätigen und ihr Produktangebot entsprechend zu verändern. Diese Änderungen der Geschäftspolitik einiger Banken erscheinen auf den ersten Blick als eher unwichtig, sind aber doch eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die öffentliche Diskussion das Verhalten von Produktanbietern verändert. Auch zeigen die Reaktionen der verschiedenen Produktanbieter inwieweit sich diese dem Gedanken der nachhaltigen Kapitalanlage verpflichtet fühlen. Dies wird auf der einen Seite zu Fondsschließungen führen und auf der anderen Seite neue Produkte in den Markt bringen.

Selbst wenn diese Punkte auf den ersten Blick eher unwichtig erscheinen mögen, können sie doch das zukünftige Gesicht der ETF-Industrie nachhaltig verändern. Denn die Attraktivität eines ETF-Anbieters hängt neben der Qualität seiner Produkte auch von den Fähigkeiten und dem Ansehen der handelnden Personen sowie den im Unternehmen gelebten Grundsätzen ab. Somit sollten Marktteilnehmer den Einfluss von diesen sogenannten weichen Faktoren auf den geschäftlichen Erfolg einer Gesellschaft nicht unterschätzen. Zudem scheint es so dass die öffentliche Diskussion über verschiedene Anlagethemen die Produktanbieter mehr und mehr beeinflusst und sich der gesellschaftliche Konsens somit auch auf die Produktangebote auswirkt. Zudem wird die weitere Regulierung der Fondsbranche auch vor den ETF-Anbietern nicht halt machen und die Industrie weiter verändern.

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