Start Interview „Bessere Zahlungsbilanzen oder Verschuldungsgrade relativ zum Volkseinkommen als entwickelte Staaten“

„Bessere Zahlungsbilanzen oder Verschuldungsgrade relativ zum Volkseinkommen als entwickelte Staaten“

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Axel Riedel klein

Vor wenigen Tagen legte State Street Global Advisors einen ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen der Emerging Markets auf. Das EXtra-Magazin sprach dazu mit Axel Riedel; verantwortlich für das Geschäft mit Finanzintermediären in Deutschland und Osterreich.

 

Axel Riedel
Leiter Finanzintermediäre bei
State Street Global Advisors

Mit hiesigen Anleihen sind nur Minimalzinsen zu erwirtschaften. Sind Schwellenländeranleihen, wie sie im SPDR BofA Merrill Lynch 0-5 Year EM USD Government Bond UCITS ETF vertreten sind, eine vernünftige Alternative dazu?

Die Renditen der Eurolandstaatsanleihen haben historische Tiefstände erreicht. Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit verzinsen sich derzeit mit weniger als 0.8 Prozent. Daraus ergeben sich nach Inflation die Perspektive einer negativen Realverzinsung. Schwellenländeranleihen bieten demgegenüber höhere Rendite, sofern die Vermögensklasse in das Risikobudget passt und die Anlagerichtlinien das zulassen. Wenn Anleihen in lokalen Währungen begeben sind, trägt der Investor das Währungs- und Zinsänderungsrisiko. Letzteres ist dabei umso größer, je länger die Anleihen laufen. Der SPDR BofA Merrill Lynch 0-5 Year EM USD Government Bond UCITS ETF bietet Investoren eine geringere Laufzeit (Duration) und eine damit einhergehende geringere Volatiltiät im Vergleich zu Standardindizes. Die Duration beträgt mit 2,5 Jahren nur rund 1/3 der üblichen Laufzeiten. Dadurch, dass die Anleihen bis zur Endfälligkeit gehalten werden, verringert sich die Umschlagshäufigkeit und das Porftolio behält seine diversifizierte Struktur bei.

Aus welchem Gesamtuniversum werden die Schwellenländeranleihen selektiert und wie erfolgt die Indexauswahl?

Der Index bildet die Wertentwicklung von auf US-Dollar lautenden Staatsanleihen aus Schwellenländern nach. Um für die Aufnahme in den Index qualifiziert zu sein, müssen Wertpapiere auf US-Dollar lauten, eine Restlaufzeit von nicht mehr als fünf Jahren und eine feste Verzinsung haben. Außerdem muss der Nennwert der im Umlauf befindlichen Wertpapiere mindestens 500 Millionen US-Dollar betragen. Der Index begrenzt das Länderrisiko auf maximal 10 Prozent pro Land und verteilt den übermäßigen Marktwert anteilsmäßig auf den gesamten Index. Berücksichtigt werden Wertpapiere von Regierungen, Behörden oder von Regierungen garantierten Emittenten aus folgenden Schwellenländern zusammen: Bahrain, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Ecuador, Ghana, Indien, Indonesien, Israel, Jordanien, Katar, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Libanon, Litauen, Malaysia, Mexiko, Mongolei, Nigeria, Pakistan, Peru, Philippinen, Polen, Republik Korea, Russische Föderation, Serbien, Singapur, Sri Lanka, Südafrika, Türkei, Ungarn, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela, Vietnam und Weißrussland. Wir bilden diesen Index mit einem repräsentativen (gesampelten) physischen Portfolio nacht.

In dem Index befinden sich zahlreiche Anleihen geringerer Kreditwürdigkeit wie zum Beispiel aus der Türkei oder Russland. Ist ein solches Investment nicht ziemlich risikant? Und wie hoch sollte der Anteil solcher Schwellenländeranleihen maximal im Gesamtdepot bzw. im Anleiheportfolio betragen?

Neben den Preisrisiken bei Zinsen und Währungen und Kreditrisiken sind Investoren von Schwellenländeranleihen erhöhten politischen Risiken ausgesetzt. Auf der anderen Seite haben eine Reihen von Schwellenländeranleihen bessere Zahlungsbilanzen oder Verschuldungsgrade realtiv zum Volkseinkommen als entwickelte Staaten. Derzeit sind 81 Prozent des Portfolios im Investmentgrade-Bereich angesiedelt und nur 19 Prozent darunter. Um das Risiko zu streuen und zu diversifizieren beträgt das maximale Länderrisiko besagte 10 Prozent.

An welche Zielgruppe richtet sich der ETF und wie ist der Anlagehorizont des Produktes?

Potentielle Investoren sind solche, die eine Anlage in lokalen Wärhungen vermeiden möchten oder die Laufzeit (Duration) und Volatilität ihre Schwellenländeranlage in Hartwährungen reduzieren möchten da die Duration mit 2,5 Jahren nur rund 1/3 der üblichen Laufzeiten beträgt. Investoren in kurzlaufenden US-Dollar Staatsanleihen können Ihre Rendite im Vergleich steigern.

Bitte lesen Sie dazu auch den Artikel mit allen darüber hinausgehenden wichtigen Infos über den Schwellenanleihen-ETF.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.