Start Interview „Eine vernünftige Diversifikation ist das A und O einer Anlagestrategie“

„Eine vernünftige Diversifikation ist das A und O einer Anlagestrategie“

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Prof Dr. Dr. h.c. Martin Weber
Entwickler und Manager des ARERO-Konzeptes

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber ist Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim. Das EXtra-Magazin spricht mit dem Finanzexperten über die Vorteile des passiven Investierens und den von ihm entwickelten Investmentansatz (ARERO).

Herr Professor Weber, was sind die wichtigsten Vorteile einer passiven Anlagestrategie?

Eine solche Strategie zeichnet sich vor allem durch ihre geringen Kosten aus. Schließlich liegt die jährliche Verwaltungsgebühr der meisten ETFs unter 0,5 Prozent. Bei aktiv gemanagten Fonds beträgt diese Gebühr in der Regel 1,5 Prozent und Anleger müssen zudem beim Kauf von Anteilen einen Ausgabeaufschlag bezahlen. Hinzu kommt, dass die Performance aktiv gemanagter Fonds durch Handelskosten geschmälert wird, die anfallen, weil die Zusammensetzung ihrer Portfolios fortlaufend verändert wird. Meistens lohnt es sich nicht, diese hohen Kosten in Kauf zu nehmen, da sehr viele aktiv gemanagte Fonds ihren Vergleichsindex nicht schlagen. Unabhängig davon wissen Anleger im Voraus nie, ob ein Fondsmanager dank Stock-Picking und geschicktem Timing künftig eine über der jeweiligen Benchmark liegende Performance erzielen wird. Bei ETFs können sie dagegen mit einer Wertentwicklung rechnen, die der des zugrunde liegenden Indexes entspricht.

Aber es gibt doch auch Fondsmanager, die eine Outperformance gegenüber dem Index erzielen.

Diese kann es geben, wir kennen sie jedoch nur im Nachhinein. Häufig ist es allerdings so, dass sich ein Fonds gut entwickelt, weil dessen Manager zufällig gute Handelsentscheidungen trifft. Über diesen Sachverhalt machen sich viele Anleger keine Gedanken, da sie davon überzeugt sind, dass eine hervorragende Wertentwicklung eines Fonds stets auf das Können seines Managers zurückzuführen ist.

Erklären Sie bitte den von Ihnen entwickelten Investmentansatz des AR ERO-Fonds.

Der Fonds bildet die Wertentwicklung eines Portfolios ab, mit dem zu 60 Prozent auf Aktien, zu 25 Prozent auf Staatsanleihen und zu 15 Prozent auf Rohstoffe gesetzt wird. Mit dem Aktienanteil des Fonds werden Nordamerika, Europa, mehrere Schwellenländer und der Pazifik-Bereich abgedeckt. Die Gewichtung dieser Regionen erfolgt entsprechend ihrer Anteile an der Weltwirtschaftsleistung und wird einmal pro Jahr geändert.

Was hat Sie dazu gebracht, diese Anlagestrategie zu entwickeln?

Ich habe mir vor einigen Jahren Gedanken darüber gemacht, wie ich mein Geld anlegen möchte. Dabei bin ich zu dem Fazit gekommen, dass ich großen Wert auf eine leicht nachvollziehbare und kostengünstige Strategie lege, mit der sich langfristig eine hohe Rendite erzielen lässt. Bei der Entwicklung des Investmentansatzes habe ich dann die bereits erwähnte Portfoliostruktur als optimale Anlagemischung ermittelt.

Was spricht für die Diversifikation der AR EROStrategie?

Dafür spricht vor allem die bisherige Wertentwicklung des Fonds. Seit er am 20. Oktober 2008 mitten in der Krise zu einem Preis von 100 Euro pro Anteil auf den Markt gebracht wurde, hat er eine sehr gute Performance erzielt. Derzeit notiert der Fonds bei 125,92 Euro (Stand: 23. Juli 2010), was einem Wertzuwachs von 25,92 Prozent seit Auflegung entspricht. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat sich ein Fondsanteil um 17,27 Prozent verteuert.

Warum deckt Ihre Strategie nicht den Immobilienmarkt ab?

Das hängt damit zusammen, dass ich bislang keinen Immobilien-Index gefunden habe, dessen Zusammensetzung mich überzeugt. Ein solcher Index müsste „die rauchenden Schornsteine der Welt“ abbilden, damit er für den ARERO-Fonds infrage kommt. Allerdings ist es aus meiner Sicht kein großes Manko, dass der Fonds die Assetklasse Immobilien nicht abdeckt, da heutzutage viele Anleger eine Immobilie besitzen.

Würden Sie sagen, dass die Höhe der Rendite, die ein Anleger erzielt, eher von der Diversifikation als vom Timing abhängt?

Ja, so sehe ich das. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Entwicklung der Finanzmärkte nicht vorhersagen lässt. Deshalb müssen Anleger mit der Unsicherheit leben, nicht zu wissen, wie sich diese Märkte entwickeln werden. Das ist aber nicht schlimm, weil sie mit einer vernünftigen Diversifikation, die das A und O einer Anlagestrategie ist, langfristig auf jeden Fall eine attraktive Rendite erzielen können.

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