Start Interview "Einheitliche und konsistente Indexsystematik"

"Einheitliche und konsistente Indexsystematik"

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Axel Riedel
Axel Riedel, bei State Street Global Advisors verantwortlich für SPDR ETFs in Deutschland und Österreich

Vor einigen Wochen legte State Street eine ganze Reihe verschiedener Anleihen-ETFs auf. Das EXtra-Magazn sprach mit Axel Riedel, bei State Street Global Advisors verantwortlich für SPDR ETFs in Deutschland und Österreich.

State Street legte vor einigen Wochen gleich eine ganze Tranche mit elf verschiedenen ETF auf Staats- und Unternehmensanleihen der Regionen USA sowie die Eurozone mit unterschiedlichen Laufzeiten auf. Was veranlasste Sie zu dem Schritt?

Die neu aufgelegten ETFs vervollständingen unser Angebot von Staats- und Unternehmensanleihe ETF in Euro und US-Dollar. Investoren haben damit die Gelegenheit entweder über das gesamte Laufzeitspektrum oder gezielt in einen bestimmten Teil der Renditestrukturkurve zu investieren. Dadurch können Kunden ihre Zinsbindung gezielter steuern oder von bestimmten Renditeaufschlägen entlang der Staats- und Unternehmensanleihenkurve profitieren.

Was zeichnet die SPDR Barclays-Bond-Indizes besonders aus und wie erfolgt die Auswahl?

Wir verwenden sowohl bei den Staats- als auch Unternehmensanliehen eine einheitliche und konsistente Indexsystematik. Dies gilt ebenso für die übergeordneten, beide Segmente umfassenden so genannten Aggregate-Indizes, aus denen sich die neuen ETFs als Teilmenge („carve out“) ableiten. Dadurch kommte es zu keinen Überschneidung zwischen den Segemente, z.B. bei Laufzeiten, Ratings, Kupons oder Währungen. Im Ergebnis ist eine Anleihe immer einem Index und damit einem SPDR ETF zugeordnet. Wie alles SPDR ETFs investieren die neuaufgelegten Renten ETFs unmittelbar in die Indextitel. Verwaltet werden die ETFs von unseren Portfoliomanagern und Rentenhändlern in London und Boston. Insgesamt besteht dieses Team aus 60 Rentenexperten und verwaltet 332 Mrd. USD in den unterschiedlichen Investmentvehikeln. (Quelle: Stand 2015)

Erst jetzt senkte die Europäische Zentralbank weiter den Leitzins, ein Großteil europäischer Anleihen erzielt inzwischen Negativzinsen. Warum sollten Anleger trotzdem in Anleihen investieren?

Trotz des niedrigen Zinsumfelds und harten Realität, dass ein großer Teil des weltweiten Staatsanleiheuniversums eine negative Rendite erwirtschaften, bleiben Anleihen das größte Anlagesegment. In der aktuellen Diskussion darf nicht übersehen werden, daß sich viele Anleger in einem rechtlichen Umfeld bewegen in dem weiterhin Anleihen einen Großteil Ihre Kapitalanlage. So haben laut Tower Watson (2016) die deutschen Pensionseinrichtungen im Schnitt 63% in Renten, 29% in Aktien und 8% in alternative Anlageklasse oder Immobilien angeegt. Derzeit führen wir viele Gespräche, die sich am kurzen Ende der Zinskurve oder der Liquiditätssteuerung mit der Minimierung des Negativzins beschäftigen. Demgegenüber stehen die Überlegungen und Erfordernisse, über Diversifikation und Nutzung zusätzlicher Rentensegemente einen Renditeaufschlag zu erzielen.

Mittlerweile ist bereits seit Auflage der ETFs ein Monat vergangen. Welcher dieser ETFs stieß bisher im aktuellen Marktumfeld auf das größte Interesse bei Ihren Kunden?

Die Entscheidung der europäischen Zentralbank am 10.3., ihr Ankaufprogramm auf 80 Mrd. EUR monatlich aufzustocken und nunmehr auch auf Euro lautende Investmentgrade-Anleihen von Nichtbanken aus der Eurozone zu erwerben, haben die Nachfrage nach diesen Segementen erhöht. Nach Bekanntgabe der EZB hatten wir Zuflüsse sowohl bei längerlaufenden EUR-Unternehmensanleihen aber auch bei hochverzinlichen Anleihen auf EUR. Daneben haben wir auch wieder Zuflüsse bei lokalen Schwellenländeranleihen gehabt.

ETF-Zuflüsse-State-Street

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