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Es gibt attraktive Anlagemöglichkeiten

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Im Rahmen eines Pressegesprächs der Börse Stuttgart wagten fünf Finanzexperten Prognosen bezüglich der Entwicklung der Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkte. Ihre Ansichten waren zum Teil unterschiedlich, aber in einem Punkt waren sie sich einig:

Es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, um Privatanleger für renditestarke Investments zu begeistern.

Am 1. Februar 2013 fand in den Räumen der Börse Stuttgart ein Pressegespräch statt. Moderiert wurde die Diskussion von dem ehemaligen n-tv-Moderator Andreas Franik. Anschließend bat er die fünf anwesenden Experten, sich vorzustellen und ihre Fachgebiete zu nennen.

Fachleute standen Rede und Antwort

Als Gründer der Zantke & Cie. Asset Management GmbH hat sich Dietmar Zantke auf Unternehmensanleihen, High-Yield- Bonds und Fremdwährungsanleihen spezialisiert. Mathias Metzger berät im Auftrag der Berenberg Bank (Schweiz) AG institutionelle Kunden und verfügt über Produkt- Know-how in allen Assetklassen – schwerpunktmäßig befasst er sich jedoch mit den Emerging Markets. Ebenfalls auf institutionelle Investoren fokussiert ist Thomas Metzger vom Stuttgarter Bankhaus Bauer. Er setzt als Asset Manager Multi-Assetund Absolute-Return-Strategien um. David Erichlandwehr ist bei Goldman Sachs Asset Management für den Fondsvertrieb in Deutschland und der Schweiz verantwortlich und verfügt über hervorragende Kenntnisse in den Themenbereichen BRIC- und Next-11-Länder. Markus Mezger hat 2005 gemeinsam mit Christoph Eibl das Rohstoffhaus Tiberius Asset Management gegründet, das aktiv gemanagte Rohstoff- Investments anbietet.

Analysten äußerten sich sehr zuversichtlich hinsichtlich der diesjährigen Entwicklung an den Finanzmärkten. Herr Metzger, glauben Sie, dass es zuletzt zu viel Optimismus gab?

Thomas Metzger: Seit November ist der DAX deutlich gestiegen. Viele Anleger sind bereits investiert, aber unabhängig davon könnte die positive Grundstimmung den Markt weiter nach oben treiben. Die Stimmung ist meines Erachtens noch nicht euphorisch, was ich immer als deutliches Warnsignal sehe. Dennoch gehe ich davon aus, dass 2013 ein holpriges Börsenjahr wird. Anleger sollten daher bei einem DAX-Stand von etwa 8.200 Punkten auch einmal Gewinne mitnehmen oder ihr Portfolio gegen eine Korrektur am deutschen Aktienmarkt absichern.

David Erichlandwehr: Die Volatilität bei den deutschen Standardwerten ist in den vergangenen Monaten sehr stark zurückgegangen und könnte mittelfristig wieder steigen, daher brauchen Anleger ein starkes Durchhaltevermögen. Sie sollten zudem nicht nur auf Deutschland setzen, sondern auch auf Staaten, deren Wirtschaft langfristig wächst und damit den privaten Konsum und die jeweiligen Aktienmärkte mitzieht. Dazu zählen ohne Zweifel die Wachstums- und Schwellenländer. Märkte wie Mexiko und China sollten davon unter anderem profitieren.

Mathias Metzger: Nicht vergessen sollte man jedoch, dass Anleger mit chinesischen Aktien in den zurückliegenden vier bis fünf Jahren nichts verdient haben, obwohl Chinas Wirtschaftsleistung im selben Zeitraum jährlich zweistellig gewachsen ist. Die jüngsten Makrozahlen deuten auf eine Konjunkturstabilisierung im Reich der Mitte hin. Von einer Erholung der Weltwirtschaft wird China zusätzlich profitieren.

Herr Mezger, welche Entwicklung erwarten Sie im Rohstoffsektor?

Markus Mezger: Die Preise von Industriemetallen dürften langsam steigen. Viele dieser Rohstoffe sind zurzeit unter fundamentalen Aspekten unterbewertet. In den vergangenen Monaten ist vor allem Geld in den Aktienmarkt geflossen. In Rohstoffe wurde relativ wenig investiert, weshalb deren Preise derzeit ziemlich niedrig sind. Gute Chancen auf Preiszuwächse sehe ich unter anderem bei Blei und Zinn. Auch die Edelmetalle Platin und Palladium dürften sich aufgrund eines knappen Angebots verteuern. Wenig Potenzial nach oben sehe ich jedoch beim Goldpreis. Denn künftig dürfte es schwieriger werden, den weltweiten Angebotsüberschuss von etwa 1.500 Tonnen Gold pro Jahr an den Mann zu bringen. Erneut deutlich steigen würde der Goldpreis nur dann, wenn es einen inflationären Schock geben würde. Ein solches Szenario ist aber nicht zu erwarten.

Herr Zantke, welche Segmente des Anleihenmarktes sind attraktiv?

Dietmar Zantke: Privatanleger können bei High-Yield-Bonds und Unternehmensanleihen zugreifen. Damit lässt sich auch unter Berücksichtigung der Inflation eine positive Rendite erzielen. Als Depotbeimischung eignen sich auch Fonds, die in Unternehmensanleihen in Fremdwährungen investieren. Allerdings müssen Anleger bei diesen Produkten das Währungsrisiko berücksichtigen.

China spielt eine wichtige Rolle bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft. Herr Erichlandwehr, wie beurteilen Sie die Perspektiven Chinas?

David Erichlandwehr: Wir haben im Reich der Mitte bisher weder ein „hard landing“ noch ein „soft landing“ gesehen, sondern gehen davon aus, dass China weiterhin solide wächst. Chinas Regierung hat einen großen Anteil daran und das Land bisher gut durch die Krise hindurch manövriert. Dies ist für deutsche Unternehmen von großer Bedeutung, zumal diese in den vergangenen Jahren mehr und mehr Güter in die BRIC-Staaten exportierten, womit diese Frankreich als wichtigstem Handelspartner Deutschlands nach und nach den Rang ablaufen.

Thomas Metzger: Den Anteil von Emerging- Markets-Aktien in unseren Multi-Asset-Portfolios haben wir in den vergangenen Monaten nicht weiter erhöht. Vielmehr gewichten wir derzeit aus taktischen Gründen amerikanische und europäische Titel relativ hoch. Weiter steigende Kurse würden wir nutzen, diese Gewichtung zu reduzieren, um eventuell verstärkt in Rohstoffe und auch wieder in Schwellenländer-Aktien zu investieren.

Die Notenbanken in Amerika, Europa und Japan setzen eine expansive Geldpolitik um. Was halten Sie davon, Herr Erichlandwehr?

David Erichlandwehr: Nach allem was wir bisher sehen, gehen wir nicht davon, dass ein großer Teil des Geldes, das die Zentralbanken zur Verfügung stellen, in der Realwirtschaft ankommen wird. Sprich die Gefahr einer Inflation halten wir, zumindest kurzfristig, für äußerst gering. In Japan stellt sich die Situation etwas anders dar. Die Notenbank hat offiziell das erste Mal ein Inflationsziel von zwei Prozent ausgegeben, um damit auch das Wachstum zu unterstützen. Wir glauben zwar nicht, dass dieses Ziel schnell erreicht werden kann, aber es hilft der japanischen Wirtschaft sicherlich, etwas an Fahrt zu gewinnen.

Wie beurteilen Sie die Geldflut der Zentralbanken, Herr Zantke?

Dietmar Zantke: Das Problem ist, dass die Banken nur einen kleinen Teil des Notenbankgeldes in Form von Krediten an Unternehmen und Konsumenten weiterreichen. Die Wirtschaft profitiert so gut wie gar nicht von der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, aber es wird von den Fehlern abgelenkt, die Politiker und Regierungen in der Euro- Zone gemacht haben. Meiner Meinung nach ist die Politik der EZB aus dem Ruder gelaufen – zum Schaden künftiger Generationen.

Mathias Metzger: Über die Strategie der EZB kann man sich natürlich streiten. Und so dringlich die Probleme nahe vor der eigenen Haustür sind, so sollte man nicht übersehen, dass es Länder gibt, die nicht unter einer außer Kontrolle geratenen Verschuldung leiden und die eine auf Geldwertstabilität ausgerichtete Politik verfolgen. Dies sind nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten die entwickelten Länder – vielmehr bestechen heute oftmals die Emerging Markets durch finanzielle Solidität.

Markus Mezger: Ich erwarte langfristig einen Paradigmenwechsel in der Geldpolitik der Notenbanken – insbesondere in Amerika. Schließlich kann Ben Bernanke keine Jobs schaffen, indem er Geld druckt.

Worauf sollten Anleger derzeit bei der Geldanlage achten?

Dietmar Zantke: Wichtig ist, das Kapital breit gestreut in Aktien, Anleihen und Rohstoffe zu investieren. Denn die Konjunkturperspektiven sind vor allem in der Euro-Zone unsicher.

Mathias Metzger: Auch ich halte eine Diversifikation über verschiedene Asset-Klassen für sinnvoll. Auf der festverzinslichen Seite sollte man sich Renminbi-Anleihen anschauen, da sie auf aktuellem Niveau eine attraktive Verzinsung bieten. Die Besitzer dieser Bonds können zudem von einer Aufwertung des Renminbi profitieren.

Thomas Metzger: Wichtig ist meiner Meinung nach, nicht nur über Asset-Klassen, sondern auch über verschiedene Strategien zu streuen. Während der Finanzkrise war zu beobachten, dass sich viele Anlagekategorien in einem starken Gleichlauf bewegt haben. Es gab – überspitzt formuliert – auf der einen Seite risikobehaftete Assets und auf der anderen Seite Bundesanleihen. Somit war es schwer, ein Portfolio rein über eine Mischung verschiedener Asset-Klassen robust zu machen. Vielmehr bedarf es einer zweiten, aus unterschiedlichen Strategien bestehenden Diversifikationsebene. Das können zum Beispiel Absolute-Return-Strategien sein oder derivative Strukturen wie ein einfaches Discount- Zertifikat auf einen Aktienindex.

David Erichlandwehr: Die klassische Allokation vieler Privatanleger konzentriert sich auf Sparprodukte, die unter steigenden Zinsen besonders leiden dürften. Gleichzeitig kann eine internationale Streuung der Anlagen helfen, die Auswirkungen regionaler Einbrüche im eigenen Depot zu mindern.

Markus Mezger: Im Rohstoffsektor haben sich rein Index-orientierte Long-only-Produkte nicht bewährt. Deshalb sollten Anleger auf aktiv gemanagte Rohstoff-Fonds setzen. Zudem sollten Anleger bedenken, dass Gold ein teurer Inflationsschutz ist und andere Inflationsabsicherungen wie zum Beispiel der US-Immobilienmarkt deutlich attraktiver bewertet sind.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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