Thomas Neumann ist Geschäftsführer der bestadvice Private Vermögen GmbH in München

Fundamental spricht sehr vieles für einen Silberpreisanstieg. Anleger müssen sich aber im Klaren sein, dass es starke Kursschwankungen in beide Richtungen geben kann. Das EXtra-Magazin spricht mit Thomas Neumann über die Zukunft des Silberpreises.

Wie wird sich der Silberpreis in den kommenden 12 Monaten entwickeln?

Fundamental spricht sehr vieles für einen Silberpreisanstieg. Zudem ist der Silberpreis immer noch weit von seinen Höchstkursen entfernt und müsste sich bis zum Allzeithoch aus April 2011 fast verdreifachen. Zum Vergleich beim Goldkurs sind es lediglich noch 33 Prozent bis zum Rekordhoch aus dem Jahr 2011. Aber die letzten Jahre haben leider gezeigt, dass die Edelmetallmärkte dermaßen manipuliert werden, womit keine seriöse Prognose möglich ist, auch wenn fundamental und aufgrund der weltweiten desaströsen Geldpolitik alles für weiter steigende Edelmetallkurse spricht. Es besteht also neben einer Chance, dass die Silberhausse weitergeht, eine genauso große Gefahr, dass der Silberpreis aufgrund von Markteingriffen wieder zurückfällt. Gold und Silber sind die natürlichen Feinde des Papiergeldes und der Nationalbanken!

Was könnte zu einem Silberpreisanstieg führen, was zu Rückschlägen führen?

Edelmetalle sind Krisen-Investments und dienen der Wertebewahrung. Je stärker die Krisen im Bewusstsein der Investoren sind, desto größer die Kurschancen nach oben. Allerdings sind auch viele Großinvestoren mit sehr unterschiedlichen Interessen im Markt, die den Preis bestimmen – nicht nur aus der Finanzbranche, sondern auch Notenbanken und Staaten, die ihre Vorräte ausbauen. Bei Silber als Industriemetall kommt die Nachfrage aus dem industriellen Bereich hinzu. Die ist natürlich auch konjunkturabhängig. Anleger müssen sich im Klaren sein, dass es immer wieder starke Kursschwankungen in beide Richtungen geben kann.

Sollte man als Privatanleger lieber Gold statt Silber im Bestand haben?

Grundsätzlich sollte man in beides investieren. Das mindert die Risiken. Im Umfeld der derzeitigen Krisenszenarien sollte man mindestens 15 bis 20 Prozent und je nach persönlicher Risikoaversion auch bis zu einem Drittel seines Gesamtvermögens in Gold und Silber investieren. Davon empfehlen wir normalerweise drei Viertel in Gold und ein Viertel in Silber anzulegen. Das ist wie eine Versicherung gegen alle möglichen Krisen und deren Auswirkungen – insbesondere auch gegen eine weitere Entwertung unseres Papiergeldes und einen möglichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Aktuell ist das Aufholpotenzial von Silber im Vergleich zum Gold natürlich enorm. Darum spricht aktuell einiges für einen etwas höheren Anteil von Silber im Edelmetallportfolio.

Wie kann ich als Privatanleger in Silber am besten investieren?

Das kommt ganz auf das Investitionsziel an. Die Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen nur physische Investments wie Silbermünzen oder –barren, die im Vergleich zu Gold natürlich mit deutlich mehr Platzbedarf und Gewicht verbunden sind. Dabei sollte man darauf achten, dass auf Silberbarren 19 Prozent Mehrwertsteuer zu zahlen ist, deshalb sind differenzbesteuerte Anlagemünzen zu bevorzugen. Zur Spekulation eignen sich beispielsweise auch ETFs auf physisches Silber oder aber direkt Minenwerte, die von steigenden Silberpreisen überproportional profitieren. Damit konnte man in den vergangenen Wochen und Monaten sehr gut verdienen. Aber die Risiken sind natürlich ebenso hoch.

Thomas Neumann ist Geschäftsführer der bestadvice Private Vermögen GmbH in München.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.