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Es wird lediglich Cash in ein marodes System gepumpt

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Dr_Alexander_Seibold

Interview von Herrn Dr. Alexander Seibold zum Thema „Clever investieren in Zeiten der Schuldenkrisen!“

Was halten Sie von dem vereinbarten Rettungsschirm für die Euro-Staaten?

Ich stehe diesem Rettungsschirm sehr skeptisch gegenüber. Denn damit wird lediglich Cash in ein marodes System gepumpt. Der „Virus“, an dem das System erkrankt ist, wird mit dem Rettungsschirm jedoch nicht entfernt.

Sehen Sie Parallelen zwischen der Schuldenkrise und der Bankenkrise?

Ja, die sehe ich durchaus. Vor zwei Jahren dachten die meisten Marktteilnehmer, dass große US-Finanzinstitute nicht in die Insolvenz schlittern könnten. Dies hat sich als Irrtum erwiesen. Derzeit erleben wir in Europa ein Szenario, das mit der Bankenkrise vergleichbar ist, aber dessen Dimension wesentlich größer ist. Fakt ist, dass auch Länder pleitegehen können.

Wie wird sich der Euro Stoxx 50 Ihrer Meinung nach kurz- bis mittelfristig entwickeln?

Derzeit ist ein Kauf eines ETF auf den Euro Stoxx 50 nicht empfehlenswert. Denn die jüngst durch die Vereinbarung des Europa-Rettungsschirms entfachte Euphorie der Anleger ist bereits verblasst. Darüber hinaus ist der Euro Stoxx 50 auf dem aktuellen Niveau relativ hoch bewertet. Last but not least sind aus meiner Sicht in der nächsten Zeit keine positiven Impulse zu erwarten, die den Aktienmarkt nachhaltig nach oben treiben könnten. Es ist sogar so, dass es bald erneut zu einer deutlichen Korrektur kommen dürfte – und diese könnte den bankenlastigen Euro Stoxx 50 wesentlich stärker als andere Aktien-Indizes nach unten reißen.

Vor diesem Hintergrund wäre doch der Kauf eines Short-ETF sinnvoll.

Ja, dies ist aus meiner Sicht eine vielversprechende Vorgehensweise, zumal es zahlreiche gute Short-ETFs auf den Euro Stoxx 50 mit einer hohen Liquidität gibt. Anleger, die ihr Verlustrisiko minimieren wollen, können zusätzlich einen Rohstoff-ETF ordern, um mit zwei Produkten eine marktneutrale Strategie umzusetzen.

Gibt es europäische Länder-Indizes, die sich von der Abwärtsbewegung abkoppeln könnten?

Wahrscheinlich werden die Indizes der skandinavischen Länder in den kommenden Wochen nicht so stark korrigieren wie der Euro Stoxx 50. Aber Verluste verbuchen werden diese Länder-Indizes im Zuge eines Abwärtstrends am Aktienmarkt auf jeden Fall. Deshalb drängt sich der Kauf entsprechender ETFs derzeit nicht auf.

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