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ETF-Boom hat noch nicht angefangen

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Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer vn ETFlab

EXtra-Magazin im Gespräch mit Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer ETFlab, über neue Trends, Vorteile für Anleger und dem Ziel, Innovationen im ETF-Bereich anzustoßen.

Herr Fehrenbach, der ETF-Markt in Deutschland wächst. Wo steht die Branche?

Der ETF-Boom hat noch gar nicht angefangen!  In Deutschland werden nur 2,5 Prozent  der verwalteten Gelder passiv gemanagt. In den USA variiert die Quote – je nach Quelle  – zwischen 30 und 40 Prozent. Wir erwarten bis 2012 ein Wachstum von 30 Prozent, im Durchschnitt pro Jahr wohlgemerkt. Und das ist eine vorsichtige Schätzung.

Welche Bedeutung haben derzeit Privatanleger für die ETF-Anbieter?

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass den institutionellen Investoren der überwiegende  Teil der Anlagevolumina in ETFs zuzurechnen ist. Allerdings sind die Grenzen zwischen institutionellen und privaten Investorengeldern  fließend, da viele institutionelle Anleger die Mittel ja auch im Auftrag ihrer Kunden anlegen. Hohe Transparenz, niedrige  Kosten und große Liquidität: die grundsätzlichen Vorteile von ETFs gelten eben  auch für private Anleger. Außerdem beginnt  sich etwas in der Vermögensverwaltung zu  ändern. Viele Verwalter nutzen zunehmend  ETFs. Die Kreditinstitute werden vermehrt  standardisierte Verwaltungen gegen Honorar mit ETFs anbieten. Da eröffnet sich ein ganz neuer Trend, und der bringt besonders dem  Privatanleger große Vorteile.

Jüngst kamen zunehmend komplexere ETFs auf den Markt. Widerspricht das nicht der ETF-Philosophie?

Als einer der Pioniere der ETF Branche in  Deutschland habe ich die Entwicklung von  Anfang an intensiv begleitet. Die Möglichkeiten, die sich durch und mit Hilfe von ETFs  bieten sind schier unbegrenzt. Und genau hier liegt ein möglicher Konfliktpunkt mit der „ursprünglichen“ ETF-Philosophie. ETFs sollen  einfach, transparent und flexibel sein, andererseits gilt es, die komplexen und sich  weiter entwickelnden Anlegerbedürfnisse  möglichst effizient abzubilden Meine Überzeugung  ist, dass nur die ETFs von Dauer  sein werden, die der Anleger wirklich braucht.

In welchen Bereichen will ETFlab weiter wachsen?

Im ersten Schritt wollen wir unsere Produktpalette vervollständigen und bis Ende des Jahres eine umfassende Auswahl an ETFs anbieten. Kein Zweifel, die Mitbewerber machen  hier bereits einen guten Job. Aber wir  fokussieren uns speziell auf die Interessen  deutscher Investoren – mit Produkten, die  eine optimierte Nachsteuerrendite bieten. Wir setzen also voll auf „Made in Germany“. Das können vor allem ausländische Konkurrenten, die ganz Europa berücksichtigen, naturgemäß  nicht in diesem Umfang leisten. Im  nächsten Schritt werden wir uns daran machen, so manche Innovation im ETF-Markt anzustoßen. Das kann ich Ihnen versprechen.

Thema Replizieren. Welche Methode favorisieren Sie und warum?

Die Art der Indexabbildung ist eine Frage der  Philosophie und besonders der Machbarkeit.  Die am meisten verbreiteten Methoden, vollständige  und synthetische Replizierung, haben  beide ihre Daseinsberechtigung. Einerseits  lassen sich durch die Abbildung mittels  Swaps einige Märkte und Themen mit ETFs  darstellen, die Anlegern andernfalls verwehrt  blieben, andererseits kann die Replizierung  mit Originalwertpapieren deutliche Vorteile auf  der Risiko-, Kosten- und Performanceseite  bringen. Ich bin der festen Überzeugung,  dass die Performanceverantwortung wo immer  möglich bei der Fondsgesellschaft (KAG)  liegen sollte. Das ist zwar die anspruchsvollere  Variante, allerdings sind wir hier in der  komfortablen Position, ausnahmslos Spezialisten  mit jahrelanger ETF-Erfahrung an Bord  zu haben, die die besonderen Herausforderungen  im Indextracking bestens kennen.

Welche Bedeutung haben Honorarberater oder generell Berater beziehungsweise Finanzvertriebe für die Branche?

Dem Finanzvertrieb kommt auch bei ETFs  eine Schlüsselrolle zu, denn er stellt das primäre  Bindeglied zwischen Anbietern und Anlegern dar. Das bedeutet große Verantwortung  gegenüber dem Kunden und die besondere  Herausforderung, mit dem grundsätzlich unterstellten Interessenskonflikt zwischen  Gewinnmaximierung und Kundennutzen umzugehen. Honorarberater haben durch das  alternative Geschäftsmodell eine Möglichkeit  gefunden, diesen Konflikt zu umgehen. Wie  gesagt, da eröffnet sich ein ganz neuer Trend mit bedeutenden Vorteilen für die Anleger.

Zusammenfassend: Was macht für Sie den Charme von ETFs aus?

Exchange Traded Funds sind eine echte Revolution. Sie vereinen die Vorteile von Fonds, Futures und Aktien, sparen aber die jeweiligen Nachteile aus. Ich schätze sie ganz besonders  wegen ihrer hohen Liquidität, den geringen Kosten sowie der Möglichkeit, einen ganzen Markt leicht abzubilden. Genau das  macht diese Produkte so charmant.