ETF-Roundtable Diskussion

Die ETF-Branche wird erwachsen. Mit bisher etwa 500 ETFs decken die Anbieter vor allem die wichtigsten Aktienindizes ab und suchen Wachstum in anderen Anlagesegmenten. Einer gemeinsamen Einladung von Der Aktionär und des EXtra-Magazins sind Vertreter der ETF-Branche und den Börsen gefolgt.

In Frankfurt haben sich Simon Klein, db x-trackers, Thomas Pohlmann, ETFlab, Marc Bubeck, iShares, Thomas Meyer zu Drewer, Lyxor ETF, Ralph Stemper, ComStage, Ralph Danielski, Börse Stuttgart, und Michael Krogmann von der Deutschen Börse AG den Fragen der beiden Moderatoren Farshid Tremel und Markus Jordan gestellt. Die Teilnehmer sprachen unter anderem über Themen wie die Rolle der Indexfonds in Depots von Privatanlegern und die Zukunft der ETFs.

ETFs sind die neuen Verkaufsschlager der Finanzindustrie. Warum sind die Indexfonds so beliebt?

SIMON KLEIN: ETFs stehen für Effi zienz, Transparenz und Flexibilität. Anleger erhalten transparenten Zugang zu verschiedenen Asset-Klassen, und das fl exibel und ohne lange Kündigungsfristen. Das macht ETFs so erfolgreich.

Bisher setzten aber vor allem institutionelle Investoren auf ETFs. Sind die Indexfonds auch für Privatanleger geeignet?

THOMAS POHLMANN: Etwa 10 bis 15 Prozent des Anlagevolumens stammten von privaten Anlegern. Das ist auf den ersten Blick nicht viel, aber man muss bedenken, dass institutionelle Anleger deutlich größere Summen bewegen. ETFs eignen sich für Privatanleger, die sich mit ihrer Geldanlage gut auskennen, keine Beratung benötigen und in der Lage sind, ihre Depot-Zusammensetzung selbst in die Hand zu nehmen. Denn Beratung bekommt der Anleger bei den kostengünstigen ETFs nicht. Deshalb sind ETFs für Selbstentscheider geeignet und unter Privatanlegern noch nicht so sehr verbreitet.

Wie wollen Sie die Privatanleger besser erreichen?

RALPH STEMPER: Klassische Absatzkanäle, beispielsweise über Bankberater, kommen für ETFs nicht in Frage, da der Bankberater bei den geringen Gebühren keine Provision erhält. ETFs werden jedoch stark in der Honorarberatung eingesetzt. Seit einigen Monaten bieten auch Direktbanken wie die Comdirect ( Zum Testbericht) Beratung gegen Honorar an. Die Honorarberatung wird in Zukunft ein wichtiger Vertriebsweg für Indexfonds sein.

Welche Vorzüge haben ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds?

THOMAS MEYER ZU DREWER: Mit ETFs wird das Management- Risiko ausgeschaltet. Wenn Sie beispielsweise der Meinung sind, dass der DAX steigt, dann bekommen Sie mit einem DAX-ETF auch genau die DAX-Performance, und das wesentlich kostengünstiger als bei aktiv gemanagten Fonds. Seit

Beginn der Hausse im März konnten aber einige aktiveAktienfondsmanager wieder ihre Vergleichsindizes schlagen.

MARC BUBECK: Sie wissen vorher aber nicht, ob Sie genau diese Outperformer auswählen, die den Index später schlagen können. Bei einem ETF trägt der Anleger das Marktrisiko, bei einem aktiv gemanagten Fonds kommt zusätzlich das Managerrisiko hinzu.

SIMON KLEIN: Mit ETFs erhält man Zugang zu verschiedenen Anlageklassen und kann daraus eine Allokationsentscheidung treffen und damit einen Mehrwert erzielen.

RALPH DANIELSKI: Anleger, die auf Blue Chips setzen wollen, können mit einer einzigen Transaktion kostengünstig den ganzen Markt abdecken. Sobald Anleger jedoch in die Tiefe gehen wollen und auf Nebenwerte setzen, sind sie unter Umständen mit anderen Anlageprodukten wie aktiv gemanagten Fonds und Zertifi katen besser bedient.

ETF-Roundtable Diskussion MICHAEL KROGMANN: Darüber hinaus ist natürlich entscheidend, dass ETFs nach Abzug aller Kosten eine sehr gute Performance vorweisen können. Unter Berücksichtigung aller enthaltenen Kosten und der Handelskosten gibt es derzeit wahrscheinlich kein Anlageprodukt, das man an der Börse kostengünstiger handeln kann, als ETFs.

Die Flut der neuen ETFs erschwert die Auswahl. Wohin steuert die Branche?

RALPH STEMPER: Der Privatanleger muss schon etwas Zeit für die Produktauswahl einplanen. Aber so viele ETFs gibt es ja nun auch nicht. Auf die großen Indizes wie EURO STOXX 50 gibt es mittlerweile zwölf Produkte in Europa. Die Auswahl sorgt ja auch für mehr Wettbewerb und kommt somit letztendlich dem Anleger zugute.

MARC BUBECK: Von einer ETF-Flut kann bei etwa 500 Produkten nicht die Rede sein, wenn man das ETF-Angebot mit über 250.000 Zertifi katen und Tausenden von aktiv gemanagten Fonds vergleicht. In den letzten 24 Monaten ist der Markt aber deutlich gewachsen.

SIMON KLEIN: Die Aufl age von ETFs ist mit hohen Kosten verbunden, sodass sich die Emittenten genau überlegen werden, wo sich ein neuer ETF lohnt.

Worauf müssen Anleger beim ETF-Handel achten?

MICHAEL KROGMANN: Bei der Wahl des Börsenplatzes ist die Ausführungsqualität entscheidend: Wie schnell, zu welchen Kosten und welcher Preisqualität wird die Order ausgeführt? Hier ist Xetra in allen Punkten führend, denn über Xetra werden rund 95 Prozent des Umsatzes in ETFs gehandelt. Darüber hinaus berechnen wir und die meisten Banken bei mehreren Teilausführungen einer Order nur einmal die Xetra-Gebühr.

RALPH DANIELSKI: Wir haben unseren Fokus klar auf Privatanlegern. Qualität und Liquidität sind für uns von entscheidender Bedeutung.

Welchen Stellenwert hat das zuletzt viel diskutierte Swap-Risiko noch?

THOMAS POHLMANN: Bei unseren Investoren ist es weiterhin noch ein großes Thema. Unsere Anleger informieren sich bei uns, was passiert, wenn der Emittent ausfällt. Entscheidend ist aber vor allem, dass es sich bei allen ETFs um insolvenzgeschützte Sondervermögen handelt. Für den Privatanleger spielt es nicht die große Rolle, ob es sich um einen voll replizierenden oder Swap-basierten ETF handelt.

SIMON KLEIN: Viele Anlageklassen lassen sich in einem ETF ohne Swaps gar nicht darstellen. Natürlich kann ich den DAX voll replizierend anbieten, aber bei Commodity-ETFs beispielsweise komme ich um Swaps nicht herum. Solange der ETF die Performance des Index abbildet, ist es völlig egal, ob ein Swap im ETF eingebaut ist.

Welche neuen Produkte können Anleger im nächsten Jahr erwarten?

SIMON KLEIN: Ich glaube, es wird viele neue Indexfonds auf Asset-Klassen außerhalb des Aktiensegments geben. So sind bisher beispielsweise Renten-ETFs weit unterrepräsentiert. Auch die Short-Seite ist bei Renten-ETFs nur spärlich abgedeckt.

THOMAS POHLMANN: Im Rentenbereich ist noch Bedarf für neue ETFs. Bei deutschen Anleihen sind die verschiedenen Laufzeiten nicht mit ETFs abgedeckt. Kunden fragen danach, um damit die Duration steuern zu können. Es ist aber eine Herausforderung für ETF-Anbieter, die Rentenmärkte abzudecken, da dort der Handel vor allem außerbörslich stattfi ndet. Für ETFs auf neue Aktienindizes sehe ich aber kaum noch Potenzial. Ich glaube, es ist wichtig, dass man wieder zurück zu einfachen und transparenten ETFs fi ndet.

THOMAS MEYER ZU DREWER: Ich glaube, es wird ein höheres und nachhaltiges Interesse für den Kontinent Afrika geben, insbesondere mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

RALPH STEMPER: Ich fürchte, die ETFs werden komplizierter. Es wird auch Indexfonds mit Garantie und Höchststandssicherung geben. Unsere Pfl icht ist es aber, weiterhin die ETFs so einfach wie möglich zu halten.

Interview aus DER AKTIONÄR und dem EXtra-Magazin von November 2009.

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