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ETFs als Innovationsmotor

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Der ETF-Experte Detlef Glow beleuchtet und kommentiert im EXtra-Magazin Entwicklungen der ETF-Branche. Er veröffentlicht regelmäßig in verschiedensten Medien ETF-Artikel und -Kommentare.

Detlef Glow

Während der letzten Jahre hat die ETF-Industrie immer wieder durch neuartige Produkte oder die Erschließung neuer Anlageklassen auf sich aufmerksam gemacht. Um dieses zu erreichen setzten die Produktentwickler auch klassische Portfoliomanagementinstrumente wie Swaps ein. Die innovative Nutzung dieser Instrumente sowie der Einsatz von Optimierungstechniken und der Wertpapierleihe führten dazu, dass die ETF-Industrie nach der Finanzkrise viel Kritik einstecken musste. Obwohl diese Techniken in der einen oder anderen Form auch von den meisten anderen Anbietern von Investmentfonds genutzt werden, ist die Kritik bis heute nicht ganz verstummt.

Dennoch hat die ETF-Industrie auch im vergangenen Jahr wieder viele neue Produkte auf den Markt gebracht, um den Investoren so weitere Anlagemöglichkeiten zu erschließen. Einige der neuen Strategien, wie zum Beispiel Equal Risk Contribution oder Risk Parity Modelle haben meiner Ansicht nach das Potential sich mittel- bis langfristig zu einem Megaseller zu entwickeln, sind aber derzeit, aufgrund des allgemein positiven Marktumfeldes, noch keine Verkaufsschlager.

Das verwaktete Vermögen gilt als Messlatte für den Erfolg

Das der Erfolg von Fonds im Allgemeinen und bei ETFs im Speziellen anhand des verwalteten Vermögens messbar ist, ist das Problem vieler Strategie-ETFs. Denn viele Produkte sind bereits vor längerer Zeit auf den Markt gebracht worden und waren bisher nicht in der Lage, Mittel in nennenswerter Höhe einzusammeln. Diese Situation lässt immer wieder Fragen nach der Sinnhaftigkeit der vielen Strategie-ETFs aufkommen. Bei der Beurteilung der Volumen muss man jedoch beachten, das einige dieser Produkte wie zum Beispiel Short-ETFs oder auch Leveraged-ETFs aufgrund ihrer Ausrichtung und ihrer Produktkonstruktion langfristig wahrscheinlich nie über ein hohes Volumen verfügen werden. Da Anleger mit diesen Produkten aber gezielt von Marktbewegungen oder –trends profitieren können, gibt es immer wieder Phasen in denen diese Produkte ein hohes Volumen sowie einen hohen Umsatz aufweisen.

Ob andere Strategien, wie zum Beispiel „Smart-Beta-Strategien“ in der Lage sein werden auf absehbare Zeit die Absatzziele der Anbieter zu erfüllen bleibt fraglich. Schließlich handelt es sich hierbei eher um sogenannte „Buy and Hold Strategien“, für deren Erfolg es darauf ankommen wird, ob diese Strategien ihren Index schlagen und ob die Anleger die Strategie hinter dem ETF wirklich verstehen. Denn nur dann werden Sie diese Produkte auch kaufen.

Innovationen als Wachstumsmotor

Auch wenn einige aktive Manager immer wieder in der Lage sind neue und innovative Produkte auf den Markt zu bringen, scheint die ETF-Industrie dennoch der Innovationsführer im Fondsmarkt zu sein. Denn die Produktdesigner schaffen es immer wieder neue Anlageklassen verfügbar zu machen oder Marktnischen zu erschließen, so dass insbesondere institutionelle Anleger ihre Marktmeinung mit diesen Produkten schnell und kostengünstig umsetzen können.

Die neuen Anforderungen an die Indizes, die als Basiswerte für ETFs genutzt werden dürfen, könnten zwar eine bremsende Wirkung auf die Innovationskraft der Anbieter haben, allerdings bin ich mir sicher das die Produktentwickler der ETF-Industrie gemeinsam mit den Indexanbietern Wege finden werden um auch im Bereich der Strategieindizes neue innovative Produkte kreieren zu können.

Um langfristig auch mit Strategie-ETFs erfolgreich sein zu können, müssen die Produktanbieter meiner Ansicht nach insbesondere darauf achten, dass die neuen Strategien nicht zu komplex sind. Schließlich war einer der Erfolgsfaktoren, der während und nach der Finanzkrise zu den hohen Mittelzuflüssen in ETFs führte, die einfache Gestaltung und hohe Transparenz der Produkte.

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