Start Interview „ETFs haben sich auch in diesem Stressszenario bewiesen“

„ETFs haben sich auch in diesem Stressszenario bewiesen“

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Michael Gruener iShares

Seitdem Ben Bernanke Ende Mai eine langsame Reduzierung der Anleihekäufe der FED angekündigt hat, ziehen Anleger aus allen Anlageklassen massiv Gelder ab. Im Gespräch mit Michael Grüner, Leiter Vertrieb iShares in Deutschland, Österreich und Osteuropa, beleuchtet das EXtra-Magazin die Auswirkungen auf den ETF-Markt.

Herr Grüner, wie haben ETF-Anleger auf Ben Bernankes Signale reagiert?

Die Ankündigungen des US-Notenbankpräsidenten Ben Bernanke im Mai und Juni dahingehend, dass die Fed ihre Anleihekäufe in den kommenden Monaten zurückfahren könnte, haben Investoren verunsichert. Die Folge war, dass Anleger sich aus zahlreichen Asset-Klassen zurückgezogen haben. Dies hat sich auch am Markt für börsennotierte Indexfonds (ETFs) und andere Exchange Traded Products (ETPs) bemerkbar gemacht: Im Juni verzeichnete der Markt weltweit Mittelabflüsse in Höhe von 8,2 Milliarden Dollar. Das war das erste Mal seit November 2011, dass Anleger mehr Geld aus ETFs abgezogen als sie neu investiert haben.

Die Emerging-Markets Rentenmärkte haben mit einer heftigen Korrektur reagiert. Hat der Handel von EM-Renten zu jeder Zeit funktioniert?

Ja, ETFs haben sich auch in diesem Stressszenario als äußerst liquide Finanzinstrumente erwiesen. Aus börsennotierten Indexfonds auf Schwellenländer-Anleihen haben Investoren im Juni weltweit 1,85 Milliarden Dollar abgezogen. Dieser hohe Abfluss zeigt ja gerade, dass Investoren ETFs in hohem Maße nutzen, um schnell und effizient Marktexposure auf- oder – wie in diesem Falle – abzubauen.

Wie haben sich die Spreads ihrer EM Renten-ETFs verhalten?

Mir sind keine außergewöhnlichen Veränderungen bekannt. Hätten sich die Spreads signifikant ausgeweitet, wäre der Handel sicher nicht so lebhaft gewesen wie beschrieben.

Lohnt sich auf den aktuellen Rendite-Niveaus wieder ein Einstieg in Schwellenländer-Anleihen?

Angesichts des Marktumfeldes mit niedrigen Zinsen sind Investoren nach wie vor auf höher rentierliche Anlageklassen wie Schwellenländer-Anleihen angewiesen. Daher könnten sich auf den aktuellen Niveaus Einstiegsgelegenheiten bieten. Anleger sollten aber bedenken, dass Schwellenländer-Anleihen ebenso wie andere risikoreichere Anlageklassen Gegenwind zu spüren bekommen könnten – sei es durch eine schwächere Wachstumsdynamik, einen stärkeren Dollar oder Volatilität am US-Zinsmarkt.

Auch die EM-Aktien-ETFs haben seit Monaten mit massiven Kapitalabflüssen zu kämpfen, woran liegt das?

Der Grund dafür dürften die schwächeren Konjunkturdaten sein. Gleichzeitig wollen China und Brasilien ihre Geldpolitik straffen, anstatt das Wachstum durch expansive Geldpolitik anzukurbeln. Vor diesem Hintergrund haben sich die Aktienmärkte der Schwellenländer insgesamt betrachtet in den vergangenen Monaten schwächer entwickelt als die der Industriestaaten. Es gibt aber nach wie vor einzelne Schwellenländer, die aufgrund ihrer starken Binnennachfrage attraktiv erscheinen. Dazu gehören Mexiko und die elf ASEAN-Staaten in Südostasien.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.