Start Interview „Europäische Anleger können nun in US-Sektoren investieren“

„Europäische Anleger können nun in US-Sektoren investieren“

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Axel Riedel klein

Vor einigen Tagen legte State Street neun US-Branchen-Indizes auf. Das EXtra-Magazin sprach mit Axel Riedelbei State Street Global Advisors verantwortlich für SPDR ETFs in Deutschland und Österreich.

Erstmals ist es nun auch für deutsche Anleger möglich, in die verschiedensten Branchen-Indizes des S&P 500 zu investieren? Was war der Grund, gerade jetzt diese ETFs aufzulegen?

In den USA haben sich diese Fonds als erfolgreich erwiesen. Deutsche und europäische Kunden haben uns immer wieder signalisiert, daß Sie Interesse an diesen Sektoren ETFs haben, aber europäische OGAW-/UCITS-richtlinienkonforme Produkte wünschen. Da die Märkte von einer ersten US-Zinserhöhung im Konjunkturzyklus im weiteren Jahresverlauf ausgehen, können diese US-Sektoren-ETFs den Anlegern dabei helfen, das Risiko- und Renditeprofil Ihres Portfolios ausgewogener zu gestalten.

Eigentlich ist es ja naheliegend, auch im Zuge einer Sektor-Rotation-Strategie in die einzelnen Branchen der weltweit größten Volkswirtschaft investieren zu können. Gab es hierbei bestimmte Hürden zu überwinden, weil erst jetzt solche ETFs aufgelegt wurden?

Die verwendeten Indizes entsprechen den Anforderungen für die Umsetzung in einem europäischen Fonds. Hürden gab es aus dieser Sicht nicht zu überwinden. Mit den neuen OGAW-/UCIT-richtlinienkonformes Fonds haben jetzt auch europäische Investoren Zugang zuden gleichen Referenzindizes und der gleichen Gesamtkostenquote wie ihre in den USA aufgelegten Pendants.

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit den neuen ETFs besonders an?

Die ETFs decken die Sektoren Basis- und Nichtbasiskonsumgüter, Energie, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Industriegüter, Grundstoffe, Technologie und Versorger des S&P 500 Index ab. Interessant können diese für Kunden sein, die Ihre taktische, eher fundamentalen oder am Konjunkturzyklus orientierte Überlegung mit einer der Sektoreninvestition umsetzen möchten oder ihre bestehende Allokation graduell anpassen möchten. Klassische Verwendung finden Sektoren ETFs darüber hinaus auch in quantitativen, z.B. momentum- getriebenen Sektorenrotationsmodellen.

Branchen-ETFs erhöhen in der Regel das Anlagerisiko durch die Reduzierung des Portfolios auf nur bestimmte Sektoren. Inwieweit machen Branchen-ETFs trotzdem auch für den Privatanleger Sinn und was gilt es bei deren Einsatz aufgrund des höheren Risikos zu beachten?

Da die Sektoren jeweils aus dem S&P 500 abgeleitet sind, enthalten Sie eine geringere Titelanzahl. Das heißt, die Diversifikation wird geringer und das titelspezifische Risiko steigt. Gleichzeitig weisen aber die Sektoren deutlicher voneinander abweichende Risiko-/Renditeprofile aus. Betrachtet man beispielsweie über den Zeitraum 12/1998-5/2015 die Sektoren mit dem besten und schlechtesten Verhältnis von Rendite und Volatilität, haben Gesundheitswerte mit einer annualisierten Rendite von neun Prozent bei einer Volatilität von 14 Prozent deutlich besser abgeschnitten als Technologiewerte, die bei einer annualisierten Rendite von vier Prozent eine Volatiltiät von 25 Prozent aufweisen. Im Vergleich: Der S&P 500 erzielte eine Rendite von 5 Prozent bei einer Volatilität von 15 Prozent. Jeder Anleger, d.h. insititutionelle wie auch private, sollten daher im Hinblick auf das Anlageziel und die Risikotragfähigkeit überlegen, wie sich eine Anlageentscheidung auswirken kann.

Schaut man sich Listen an, welche Branche alljährlich zu den Gewinner- und Verlierern zählt, sieht man starke Schwankungen. Welche Branchen, die nun investierbar sind, sind angesichts der aktuellen Marktlage und bevorstehenden Zinswende aus Sicht Ihrer Research-Abteilung besonders attraktiv bzw. werden von Anlegern derzeit besonders nachgefragt?

Der aktuelle Zyklus der US Wirtschaft stellt eine nunmehr sechsjährige Erholung aus der größten Rezession der letzten 80 Jahre da. Dies wird maßgeblich beieinflußt durch eine expansive Geldpolitik der US Notenbank. Nach dem Auslauf des Programms zur weiteren expansiven Geldpolitik im Oktober 2014 hat die FED im Juni den Eindruck erweckt, in einem zweiten Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik die Zinsen zu erhöhen. Die Wachstumserwartung gehen von 2,5 Prozent des Volkseinkommens in diesem Jahr und 3 Prozent im nächsten Jahr aus. Im ersten Quartal diesen Jahres wurden die Erwartungen jedoch entäuscht. Gleichzeitig geben die andere Indikatioren wie die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft oder die privaten Hauskäufe positive Signale. Es ist daher nicht ganz klar ob man sich in einem frühen, mittleren oder späten Stadium der Erholung befindet und welche Sektoren in der kommenden Zeit davon profitieren sollten. Mit den neuen ETFs können Investoren auf ein sich klärendes Bild reagieren.