David Wenicker, Leiter Wealth and Retail Sales für Deutschland bei iShares.

Vor kurzer Zeit legte die BlackRock-Tochter iShares 4 Faktor-ETFs auf den MSCI USA auf. Das EXtra-Magazin sprach mit David Wenicker, Leiter Wealth and Retail Sales für Deutschland bei iShares über die Hintergründe.

Was ist Hintergrund der Auflage dieser 4 Faktoren-ETFs auf den MSCI USA?

Wir beobachten eine stetig steigende Nachfrage nach Faktor ETFs und wollen Anlegern den Zugang zu faktorbasierenden Strategien auf einem der größten und wichtigsten Märkte, dem US-Aktienmarkt, ermöglichen. Der europäische Markt für so genannte Smart-Beta-ETFs ist inzwischen größer als 30 Milliarden Dollar und alleine in diesem Jahr gegenüber 2015 um mehr als 40 Prozent gewachsen. Da ist ein deutliches Indiz für das wachsende Interesse nach einer Produktkategorie, die die Vorteile von niedrigen Kosten und Transparenz der passiven Verwaltung mit den Renditechancen von aktiven Strategien kombiniert.

Wie ist der Auswahlprozess und wie oft findet die jeweilige Anpassung statt?

Die ETFs bilden verschiedene Faktor-Indizes des Indexanbieter MSCI ab und zwar: Value, Size, Quality und Momentum. Jeder Faktor-Index hat zum Ziel, eine systematische risikobereinigte Zusatzrendite zu erbringen, in dem die Positionen in den entsprechenden Zielfaktoren übergewichtet werden. Die Indexmethodik ist sehr transparent und basiert auf einem exakt festgelegten Auswahlprozess. Beispielsweise wählt die Value-Strategie Aktien aus einem Grunduniversum aus, die relativ günstig bewertet sind auf Basis von Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinnverhältnis und Dividenden. Die Anpassung des Index erfolgt hierbei in einem halbjährlichen Rhythmus.

Häufig sind Faktor-ETFs einen Tick teurer als herkömmliche ETFs, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Bei einer Gesamtkostenquote von nur 0,20 Prozent kann man dies allerdings nicht sagen. Was ist das Geheimnis für die niedrigen Kosten?

Gebühren sind ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Anlageprodukten. Passiv gemanagte Produkte wie ETFs haben hier einen klaren Kostenvorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds. Wie auch klassisch kapitalmarktgewichtete Indizes so sind Faktor Indizes regelbasiert und daher effizient darstellbar. Mit dem US-Markt bilden wir zudem einen der effizientesten und liquidesten Aktienmärkte überhaupt ab. Die Kosten für den Handel von Aktien sind hierbei relativ gering. Diesen Vorteil können wir im Rahmen der ETFs dann an Investoren weitergeben.

Jeder Faktor funktioniert in bestimmten Marktphasen. Könnten Sie dem Privatanleger eine Art Bedienungsanleitung an die Hand geben, zu welchem Zeitpunkt die jeweiligen ETFs besonders funktionieren und wann es Zeit ist, auszusteigen bzw. umzusteigen auf einen anderen Faktor?

Smart-Beta-ETFs können helfen das Renditeprofil eines Portfolios zu optimieren, Risiken zu minimieren und die Diversifikation zu erhöhen – das belegen wissenschaftliche Studien und auch empirische Ergebnisse. Investments in bestimmte Faktoren haben sich historisch betrachtet langfristig ausgezahlt. Gleichzeitig sind Faktoren jedoch keineswegs immun gegen marktzyklisch bedingte Änderungen. Die Rendite eines einzelnen Faktors kann in einem bestimmten Monat oder Jahr positiv oder negativ sein. Über einen ausreichend langen Zeitraum profitieren langfristig orientierte Anleger in der Regel jedoch von Faktor-Investments. Sogenannte Minimum Volatility ETFs können beispielsweise in stark volatilen Marktphasen helfen, Risiken zu minimieren aber gleichzeitig am Markt investiert zu bleiben.

iShares hat nun bereits eine Vielzahl an Faktor-ETFs. Welches der Produkte ist derzeit bei der aktuellen Marktsituation das beliebteste?

Das erste Halbjahr in 2016 war von großer Unsicherheit und Volatilität an den Aktienmärkten geprägt. Wir haben entsprechend starke Zuflüsse in unsere MinVol ETFs beobachten können. Die Nachfrage nach unseren Multi-Faktor-ETFs, die die Faktoren Value, Momentum, Size und Quality in einer einzigen Strategie miteinander kombiniert, erfreut sich aber ebenso wachsender Beliebtheit.  In ruhigen, positiven Marktphasen beobachten wir aber auch ein größeres Interesse für den Faktor Momentum.

iShares scheint sich immer mehr zum Smart-Beta-Spezialisten zu wandeln. Arbeiten Sie bereits an Faktor-ETF auch für anderes Anlageregionen?

Wir werden unser Angebot sukzessive weiter ausbauen und erachten das Smart-Beta-Segment als ein strategisches Wachstumsfeld. Entsprechend wollen wir hier weiterhin der führende Anbieter sein und innovative Produktkonzepte auf den Markt bringen um Investoren in die Lage zu versetzen, Ihre Marktmeinung mit ETFs zum Ausdruck zu bringen.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.