Michael Huber, Head of PowerShares Distribution. Deutschland und Österreich.

Vor einigen Wochen legte Invesco PowerShares einen ETF auf US Fallen Angels auf. Das EXtra-Magazin sprach zu den Details und Hintergründen mit Michael Huber, Head of PowerShares Distribution für Deutschland und Österreich.

Invesco PowerShares legte jetzt einen ETF auf US Fallen Angels auf. Inwieweit ist ein solcher ETF eine Alternative zu anderen Anleihen im Niedrigzinsumfeld?

Klassische Anleihen-ETFs sind auf die Vereinnahmung von Kuponerträgen ausgerichtet und haben angesichts des niedrigen Zinsniveaus z.T.  Schwierigkeiten, attraktive Renditen zu erwirtschaften. Mit Fallen Angels setzen Anleger in erster Linie darauf, Preisineffizienzen im Markt zu nutzen. Der Weg eines „Fallen Angel“ vom Investment Grade in den High Yield Bereich ist in der Regel von einem hohen Verkaufsdruck gekennzeichnet, der mit deutlichen Kursabschlägen einhergeht. Potentielle Kursaufholungseffekte in den Monaten nach der Herabstufung können zu Erträgen führen, die nicht von der absoluten Höhe des Zinsniveaus abhängig sind.

Wie groß, sprich wie liquide ist der Markt für Fallen Angels in den USA?

Fallen Angels sind ein Sub-Segment des breiten High Yield Marktes. Die Größe dieses  Segments hängt jedoch weniger von der Größe des High Yield Marktes als vielmehr von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bzw. den erfolgten Downgrades ab. Das gesamte Marktvolumen für US Fallen Angels beträgt derzeit rund 110 Mrd. USD.

Machen US-Anleihen angesichts steigender Zinsen für den Anleger überhaupt Sinn. Schließlich sinken bei steigenden Zinsen die Anleihekurse?

Steigen die Zinsen an, so beeinflusst dies den Kurs von Anleihen negativ. Dieser Effekt ist umso stärker, je länger die Restlaufzeit einer Anleihe. Das Fallen Angels Portfolio weist eine Duration von etwa 5,5 Jahren auf und ist damit in einem mittelfristigen Laufzeitenband positioniert. Auch wenn die potentiellen Kursaufholungseffekte von Fallen Angels einen gewissen Puffer gegenüber negativen Zinseffekten bedeuten können, sollten sich  Anleger dem bestehenden Zinsänderungsrisiko bewusst sein.  

Wie erfolgt die Auswahl und inwieweit wird der Index jeweils aktuell angepasst?

Der Index investiert in sämtliche USD Anleihen aus den USA oder Kanada, die in den letzten 60 Monaten vom Investment Grade in den High Yield Bereich herabgestuft wurden und die Qualitätsanforderungen erfüllen. Um die entstehenden Preisineffizienzen bestmöglich zu nutzen, werden die Anleihen zeitabhängig gewichtet. Erst kürzlich herabgestufte Titel erhalten dadurch das höchste Gewicht. Die Indexanpassung erfolgt zum Ende eines jeden Monats, wenn tendenziell der höchste Verkaufsdruck bzw. das höchste Angebot besteht.

Wie viele Anleihen sind darin aktuell enthalten, gibt es Gewichtungsobergrenzen und welche Branchen sind hierbei übergewichtet?

Aktuell umfasst der Index rund 190 Anleihen von 55 unterschiedlichen Schuldnern. Um Konzentrationsrisiken zu vermeiden, ist das Gewicht pro Schuldner auf maximal 5 Prozent begrenzt. Hinsichtlich der Branchenverteilung waren in der Vergangenheit regelmäßig Übergewichtungen in einzelnen Bereichen zu verzeichnen. Derzeit hat der Energiesektor einen hohen Anteil am Portfolio, da hier kürzlich Herabstufungen auf breiter Front zu verzeichnen waren.

Anleihen, welche herabgestuft wurden, weisen nicht nur ein erhöhtes Kurserholungs-Potential sondern auch ein höheres Ausfallrisiko auf Wie beurteilen Sie das Verlustrisiko bei einem solchen Fallen Angels-ETF?

Im Vergleich zum klassischen High Yield handelt es sich bei Fallen Angels in der Regel um Unternehmen mit einem höheren Bekanntheitsgrad und einer besseren Bonität. In den vergangenen 30 Jahren lagen die Ausfallraten von Fallen Angels mit durchschnittlich 3,5 Prozent deutlich unterhalb der Ausfallraten von klassischen High Yield Anleihen mit 4,5 Prozent.

Für welche Zinsphasen eignet sich dieser Anleihe-ETF besonders?

Fallen Angels bieten die Chance, Preisanomalien im Rentenmarkt zu nutzen, die auf erzwungene Verkäufe zurückzuführen sind. Auch in Phasen niedriger Zinsen bieten sie dadurch eine Möglichkeit, attraktive Renditen im Rentenmarkt zu erwirtschaften.

Sie möchten mehr zum Thema Fallen Angels wissen. Am Donnerstag, den 1. Dezember von 10 bis 11 Uhr findet zu diesem Thema mit Michael Huber ein Webinar statt. Melden Sie sich hier an.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.