Start Interview „Förderung von Kapitaleffizienz und Transparenz“

„Förderung von Kapitaleffizienz und Transparenz“

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Bettina MAY-klein

Amundi legte vor kurzer Zeit einen ETF auf den JPX Nikkei 400 auf. Das EXtra-Magazin befragte dazu Bettina May, Senior Client Relationship Manager ETF & Indexing bei Amundi.

Amundi legte vor kurzer Zeit einen ETF auf den japanischen Index JPX Nikkei 400 TR auf. Was macht ein Investment auf diesen Index so interessant?

Bettina May: Der JPX-Nikkei 400 ist ein innovativer Index, der 400 große und mittelgroße börsengehandelte japanische Unternehmen umfasst. Um sich für den Index zu qualifizieren, müssen die Unternehmen globale Corporate-Governance-Standards einhalten und ihr Kapital effizient nutzen. Viele japanische Unternehmen haben nämlich in der jüngeren Vergangenheit relativ hohe Liquiditätsbestände angesammelt anstatt das Kapital renditebringend zu investieren. Entsprechend können Anleger mit diesem Index von den Chancen, die von der aktuellen japanischen Wirtschaftspolitik, der so genannten „Abenomics“ , profitieren. Dieses Programm ist darauf ausgerichtet, die grassierende Deflation durch wachstumsfördernde Reformen zu bekämpfen.

Der AMUNDI ETF JPX-NIKKEI 400 UCITS ETF, der im November 2014 in Frankreich an den Markt gebracht und anschließend an den wichtigsten europäischen Märkten registriert beziehungsweise gelistet wurde, ist jetzt auch auf Xetra handelbar. Mit einer TER von nur 0,18 Prozent ist er der günstigste ETF auf diesen Index.

Wie ist der Auswahlprozess dabei genau?

Bettina May: Der ETF bildet den Yen-denominierten JPX-Nikkei 400 TNR Index ab, bei dem die Nettodividenden reinvestiert werden. Die Index-Titel werden mit Hilfe folgender quantitativer und qualitativer Kriterien ausgewählt: durchschnittliche Dreijahres-Eigenkapitalrendite, kumulierter operativer Gewinn während der letzten drei Jahre, Marktkapitalisierung und Corporate Governance. Die 400 Aktien, die hinsichtlich dieser Kriterien am besten abschneiden, qualifizieren sich für den Index, wobei die Gewichtung nach Streubesitz-Marktkapitalisierung erfolgt. Durch diese Kriterien soll im Interesse der Investoren die Kapitaleffizienz japanischer Unternehmen sowie deren Transparenz gefördert werden.

Welche Sektoren und Firmen sind dabei überproportional gewichtet?

Bettina May: Zum Jahresende 2014 lagen Industriegüter, zyklische Konsum und Finanztitel annähernd gleichauf. Etwas geringer waren IT und Verbrauchsgüter gewichtet. Zzu den Top-Unternehmen gehören KDDI Corporation, Toyota Motor und Mitsubishi.

Wie unterscheidet er sich hinsichtlich der historischen Rendite und Volatilität vom Leitindex Nikkei 225 und wie sehen sie die Chancen diesbezüglich für die Zukunft aus?

Bettina May: Der Nikkei 225 ist ein Preis-Index und umfasst die größten 225 Unternehmen, die an der Tokyo Stock Exchange , gelistet sind. Demgegenüber ist der JPX-Nikkei 400 ein Qualitäts-Index, dessen Methode zur Titelauswahl sich vom Nikkei 225 maßgeblich unterscheidet. Folglich sind die beiden Indizes kaum miteinander zu vergleichen. Während der Nikkei 225 in vier der letzten fünf Jahre eine bessere Wertentwicklung aufwies, war die Volatilität des Nikkei 225 im gleichen Zeitraum mit 18.37 Prozent höher als die des JPX-Nikkei 400 mit 16,89 Prozent.

Bereits jetzt nutzen die Bank of Japan und der staatliche Pensionsfonds GPIF den JPX Nikkei 400 als Referenz für ihre Index-Investments. Wie ist das Interesse anderer Finanzinstitute abseits des staatlichen Sektors an diesem Index?

Bettina May: In Japan ist der JPX-Nikkei 400 heute ein führender Index für passive Investment-Allokationen. Künftig sollten private Pensionsfonds sowie Versicherer dem staatlichen Pensionsfonds folgen und sich stärker in japanischen Aktien engagieren. Zudem hat die Bank of Japan bereits ihre jährlichen ETF-Investments auf 26 Milliarden US-Dollar verdreifacht. Und auch in Europa verbuchte der relativ neue Index bereits vielversprechende Mittelzuflüsse. Entsprechend ist durchaus damit zu rechnen, dass sich der JPX-Nikkei 400 als neuer Referenzindex für den japanischen Aktienmarkt etablieren wird. Last but not least flossen auch dem Amundi ETF JPX-Nikkei 400 UCITS ETF seit der Auflegung mehr als 173 Millionen Euro zu.

Welchen Anlagehorizont sollten Anleger bei diesem ETF zugrunde legen?

Bettina May: Der ETF hat einen Anlagehorizont von fünf Jahren und ist ein Baustein für Anleger, die sich im japanischen Aktienmarkt engagieren möchten. Die Lancierung dieses neuen ETFs belegt erneut unsere Strategie, unsere Position als fünftgrößter ETF-Anbieter in Europa zu stärken und unsere Erfolgsfaktoren – Kosteneffizienz, Innovationen und Replikationsqualität – weiter auszubauen.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.