Frank Mella, Vater des DAX

Vor 30 Jahren, am 1. Juli 1988, ging der Deutsche Aktienindex, der DAX, erstmals an den Start. Frank Mella, ehemaliger Redakteur der „Börsen-Zeitung“ gilt als Vater des DAX. Das EXtra-Magazin sprach mit ihm über die Hintergründe:

Sie sind der Erfinder des DAX. Wie kam es dazu?

Die Börse wollte 1987 einen Laufindex für den deutschen Aktienmarkt. Dazu hatte ich schon 1981 ein Konzept für die Börsen-Zeitung (BZ) entwickelt. Der BZ-Index wurde eingestellt und nahtlos im DAX fortgesetzt.

Was waren die Schwierigkeiten bei der Konzeption und Umsetzung?

Zu meiner Verwunderung hat man im DAX-Arbeitskreis keine 14 Sekunden über die Indexformel gesprochen. Dagegen hat es 14 Jahre gedauert, die Gewichtung auf den Streubesitz umzustellen. Ein juristisches Problem hatten die ersten Indexfonds. Nach damals geltendem Recht durften sie höchstens zehn Prozent eines Sondervermögens in Titeln desselben Ausstellers anlegen. Zu dieser Zeit war allerdings Daimler schon mit 12 bzw. Allianz mit 11 Prozent im DAX vertreten.

Was geht Ihnen alles durch den Kopf, wenn Sie inzwischen auf eine 30-jährige Geschichte des deutschen Leitindizes zurückblicken?

Kind, wie bist du groß geworden! Der Performance-Index hat sich in den 30 Jahren mehr als verzwölffacht, der Kursindex versechsfacht. Beeindruckend auch, wie viele Anlage- und Hebelinstrumente auf den DAX heute in Umlauf sind. Und die Terminbörse gibt das Kontraktvolumen des DAX-Jahresumsatzes in Billionen Euro an. Gut, dass ich damals nicht gewettet habe; ich hätte um einige Zehnerstellen danebengelegen. Nicht die Trends haben mich überrascht, aber ihr Ausmaß.

Der DAX konkurrierte bei Antritt im Jahr 1988 mit zehn verschiedenen deutschen Aktienindizes. Was war das Erfolgsgeheimnis, dass sich ausgerechnet der DAX als deutscher Leitindex durchsetzte?

Das fängt schon beim Namen an. Alle anderen Indizes waren nach ihrem Urheber benannt, gewöhnlich also einer Bank oder einer Zeitung. Der Deutsche Aktienindex ist dagegen völlig neutral und verrät nicht einmal, wer ihn berechnet. Außerdem war der DAX 1988 der einzige Laufindex für deutsche Aktien. Seine Konkurrenten wurden dagegen nur einmal am Tag nach Börsenschluss berechnet – damit ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Da traf es sich glücklich, dass kurz vor dem DAX-Start das Börsenfernsehen auf Sendung gegangen war: Der Laufindex zum Live-Bericht….

Das klingt ja wie eine Maßanfertigung fürs Fernsehen …

… war aber keine. Und schließlich wurde der DAX 1990/91 Grundlage für Futures und Optionen an der Deutschen Terminbörse (heute Eurex). Hier passt Ihr Wort von der Maßanfertigung.

Sie haben sich selbst mal als „sehr betucht“ bezeichnet. Einen Anteil an den üppigen DAX-Lizenzen haben Sie wohl bekannterweise nicht erhalten, haben Sie vielleicht selbst stark in den DAX investiert, oder waren es eher Einzelaktien oder Derivate?

Mitte der 80-er Jahre hatte ich eine sehr erfreuliche Performance mit Zinsoptionsscheinen, Ende der 90-er dann mit Aktien des Neuen Markts. Bemerkenswerter ist wohl, dass ich als Kolumnist einer Zeitung auf dem Höhepunkt der Hausse zum Ausstieg geraten habe (DIE WELT 14.2.2000). Solche Spekulationen verkneift man sich in meinem Alter. In Einzelaktien investiere ich überhaupt nicht mehr. In meinem Depot finden Sie ausschließlich Index-ETFs; keine Anleihen, nichts Alternatives. Dazu eine gehörige Portion Kasse.

Es werden laut der Index Industry Association weltweit 3,14 Millionen Aktien-Indizes berechnet, dabei gibt es nur 43.192 Aktien global. Wie muss ein Index beschaffen sein, damit er sich aus der Masse heraushebt?

Im Durchschnitt berechnet also jeder Provider knapp 225.000 Aktienindizes. Ich hätte selber gern mal gewusst, was da alles addiert worden ist. Aber Vielfalt ist ein Merkmal der Marktwirtschaft – Variatio delectat. Hinter jedem Index steckt mindestens ein Anlage- oder Hebelprodukt, also kommerzieller Bedarf. Ich selber bevorzuge die bekannten Barometer, die mir das Fernsehen aktuell auf dem Laufband oder einer Textseite liefert.

Welchen Rat geben Sie als altgedienter Investor einem jetzt noch jungen Anleger?

Erkenne dich selbst! Erkenne deine Mitspieler! Begrenze die Verluste und lasse die Gewinne laufen! Und spekuliere niemals gegen Notenbanken!

Wie sieht Ihre DAX-Prognose aus, lohnt es sich aus Ihrer Sicht angesichts derzeit hoher Bewertungen, auch die kommenden Jahre als Investor auf den DAX zu setzen?

Sie hätten Herrn Anders Celsius nicht fragen dürfen, wie das Wetter morgen wird. Er hätte geantwortet: Woher soll ich das wissen – ich habe nur das Thermometer entwickelt.

Zur Person:

Frank Mella (68) entwickelte als Redakteur der „Börsen-Zeitung“ im Jahr 1987 das Konzept des Deutschen Aktienindex (DAX). Der Diplom-Volkswirt arbeitete dann von 1988 bis 1990 als stellvertretender Chefredakteur für die Zeitschrift „Das Wertpapier“ und war Kolumnist der Tageszeitung „Die Welt“. Der gebürtige Rheinländer (Bonn) wurde zur „Fondspersönlichkeit 2013“ gekürt und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er bekleidet verschiedene Aufsichtsratsmandate.

Über die detaillierte Geschichte des DAX und wie Sie mittels ETF in den Deutschen Aktienindex investieren können, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des EXtra-Magazins.

Zusätzliche Informationen erhalten Sie auch in unserem Artikel „30 Jahre DAX – Rendite deutscher Aktien wird unterschätzt“

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.