Start Interview DAB BNP Paribas: Für Privatanleger bedeutet die Digitalisierung vor allem Demokratisierung

DAB BNP Paribas: Für Privatanleger bedeutet die Digitalisierung vor allem Demokratisierung

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Robert Fuchsgruber, Leiter des B2B-Geschäfts von DAB BNP Paribas

Die DAB BNP Paribas setzt verstärkt auf die Digitalisierung ihres Geschäfts. Das EXtra-Magazin sprach über den aktuellen Stand sowie die weiteren Ziele der Direktbank mit Robert Fuchsgruber, Leiter des B2B-Geschäfts von DAB BNP Paribas.

Die DAB BNP Paribas legte vor kurzer Zeit eine App auf. Was kann sie und für wen ist sie besonders geeignet?

Sie ist für die Endkunden der Vermögensverwalter gedacht. Diese können mit der App Informationen über ihr Depot abrufen. Das Besondere der App ist, dass wir neben der DAB-Version auch eine White-Label-Alternative anbieten. Die Vermögensverwalter können die App mit ihrem eigenen Logo und Namen versehen. Im App Store erscheint sie dann als eigene App des Intermediärs. Auch weitere digitale Angebote sind in den letzten Wochen live gegangen, so die digitale, papierlose Kontoeröffnung mit Videolegitimation, mit der ein Depot innerhalb von 24 Stunden bereit gestellt werden kann. Mit dem automatischen Strategieabgleich können die Vermögensverwalter Termine hinterlegen, an denen die Depots automatisch angepasst werden – inklusive automatischer Anlage bei Geldeingängen oder Überweisung auf das Referenzkonto bei Verkäufen.

Angekündigt wurde auf dem zurückliegenden Investmentkongress auch das Projekt RESI. Was ist darunter zu verstehen und wie sieht dabei der Zeitplan aus?

RESI steht für „Responsive Efficient Straight Interface“. Es geht also um moderne und leistungsfähige Schnittstellen, die im Zeitalter der Digitalisierung extrem wichtig sind. Es ist wichtiger denn je, dass Daten reibungslos zwischen DAB und Vermögensverwaltern übertragen werden können. Wir werden unsere bestehenden Schnittstellen also zur RESI ausbauen, sodass unabhängig von den genutzten Systemen eine noch schnellere, bruchlosere und intelligentere Kommunikation möglich wird. Ein anderes Projekt, an dem wir gerade arbeiten und das 2018 marktreif sein soll, ist eine digitale Plattform, auf der sich Anleger über Investment-Strategien von Vermögensverwaltern informieren und in diese investieren können.

Was bedeutet die weitere Digitalisierung einerseits für Privatanleger, was für Berater und Vermögensverwalter?

Für Privatanleger bedeutet die Digitalisierung vor allem Demokratisierung. Sie wird zum einen die Transparenz an den Finanzmärkten deutlich erhöhen und zum anderen Private Banking für jedermann möglich machen. Über innovative Plattformen werden sich Anleger, unabhängig von der Höhe ihres Vermögens, neue Möglichkeiten erschließen, ihr Geld zu investieren. Vermögensverwalter können sich im Gegenzug über Onlinekanäle neue Kundengruppen erschließen. Außerdem haben sie die Chance, ihre Prozesse noch einfacher zu gestalten. Andererseits stellt die Entwicklung aber auch eine Herausforderung dar, da das Geschäft der Finanzportfolioverwalter vor allem auf persönlichen Beziehungen beruht und es bei manchen Marktteilnehmern noch Vorbehalte gibt, ob die Digitalisierung nicht zu einer Entfremdung zwischen Kunden und Berater führen wird. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass die Digitalisierung dabei unterstützen kann, die Kundenbeziehung noch individueller und persönlicher zu gestalten. Und gleichzeitig haben wir jetzt eine einmalige Chance, deutlich mehr Menschen auf das sehr gute Modell der unabhängigen Vermögensverwaltung aufmerksam zu machen.

Die Übernahme der DAB durch BNP Paribas ist mittlerweile vollzogen. Wie ist die Bilanz, was hat sich für den Anleger verändert?

Wir haben die beiden Marken Consorsbank ( Zum Testbericht) und DAB klarer positioniert. Die Consorsbank ( Zum Testbericht) steht ausschließlich für das Direktbankgeschäft mit Privatkunden, die DAB BNP Paribas exklusiv für das Geschäft mit Finanzintermediären und institutionellen Kunden. Für einige der Kunden erforderte dies einen Wechsel auf eine neue Plattform: Die Privatkunden der DAB Bank sind seit November 2016 bei der Consorsbank, und Anfang November 2017 haben wir im Gegenzug die Kunden von Consorsbank Professional Partners auf die DAB migriert. Die Migrationen verliefen technisch einwandfrei. Natürlich müssen sich die migrierten Kunden an die neuen Welten gewöhnen und es gibt Unterschiede, was Angebot oder Handling betrifft, aber insgesamt ist das Feedback positiv.

Das ETF-Geschäft sowie ETF-Sparpläne sind seit längerer Zeit ein wichtiger Teil des Geschäfts. Wie hat sich dieser Bereich im Jahr 2017 entwickelt?

Unabhängige Vermögensverwalter setzen traditionell auf gemanagte Fonds. Wie schon im Privatkundengeschäft gewinnen ETFs in den vergangenen Jahren aber auch im B2B-Bereich eine immer stärkere Dynamik. So erwarten wir für 2017 45 Prozent mehr ETF-Transaktionen als im Vorjahr. Ein anderer Faktor ist der Boom bei Robo-Advisorn und Fintechs. Wir arbeiten in letzter Zeit verstärkt mit solchen Anbietern zusammen und führen beispielsweise die Depots für die digitale Vermögensverwaltung von Ginmon ( Zum Testbericht), die auf ETFs beruht. Auch aufgrund dieses Trends wird der Anteil von ETFs in den Portfolios weiter ansteigen.

Das Jahr neigt sich dem Ende. Was sind die Ziele der DAB BNP Paribas für das kommende Jahr?

Wir möchten natürlich weiter an Kunden und Assets zulegen. Aktuell verwaltet die DAB für ihre Kunden 31,5 Milliarden Euro. Bei den unabhängigen Vermögensverwaltern sind wir klarer Marktführer und wollen diese Stellung 2018 ausbauen. Dazu arbeiten wir weiter an unserer Digitalisierungsstrategie. Darüber hinaus werden wir unseren Kundenkreis um weitere Fintechs erweitern, indem wir in Technologien investieren, die eine noch bessere digitale Vernetzung mit diesen Marktteilnehmern ermöglichen.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.