Start Interview "Generierung eines laufenden Ertrags bei verringerten Kursschwankungen"

"Generierung eines laufenden Ertrags bei verringerten Kursschwankungen"

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Michael Huber InvescoPowershares
Michael Huber, Leiter von Invesco PowerShares in Deutschland und Österreich

Mitte Februar legte Invesco Powershares einen ETF auf schwankungsarme Titel mit geringer Wertschwankung auf. Das EXtra-Magazin sprach mit Michael Huber, Leiter von Invesco PowerShares in Deutschland und Österreich. 

Sie haben kürzlich einen Strategie-ETF aufgelegt, mit dem Anleger an schwankungsarmen Dividenden-Titeln der Eurozone partizipieren können. Warum die Verknüpfung dieser beiden Strategien?

Angesichts fehlender Erträge auf der Zinsseite suchen Anleger nach alternativen Einkommensquellen. Häufig fällt die Wahl dabei auf dividendenstarke Aktien. Investoren auf der Suche nach kontinuierlichem Dividendeneinkommen wünschen sich jedoch zugleich stabile Portfolios mit möglichst geringen Kursschwankungen, also genau diejenige Verknüpfung, die wir in unserem ETF anbieten.

Die Dividenden-Saison hat gerade begonnen. Wie sind Ihre Voraussagen für europäische Dividenden-Aktien in diesem Jahr?

Trotz einiger Unsicherheitsfaktoren befindet sich Europa auf einem stabilen Kurs und Unternehmen können hohe Gewinne verbuchen. Für 2016 werden in Europa Dividendenausschüttungen in Rekordhöhe erwartet. Die ersten Wochen des Jahres brachten einige Turbulenzen mit sich und Anleger werden sich auf ein etwas unruhigeres Fahrwasser einstellen müssen. Gerade in diesen Zeiten sind dividendenstarke Titel ein interessanter Baustein um Ruhe ins Portfolio zu bringen, also Aktien von Unternehmen, die sich durch eine stabile Ertragslage sowie eine hohe Leistungsfähigkeit auszeichnen.

Wichtig bei ETFs auf Dividendenwerte ist die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen und die Ausschüttungsquote. Inwieweit werden diese Kriterien bei der Auswahl berücksichtigt?

Mit Blick auf die Dividendenrendite scheinen Aktien meist dann besonders attraktiv, wenn ihr Kurs stark eingebüßt hat. Aber nicht selten sind solche Phasen auch von einer erhöhten Unsicherheit hinsichtlich künftiger Dividendenzahlungen und einem stärker schwankenden Aktienkurs geprägt. Bekannt ist dieser Umstand unter dem Stichwort „Dividendenfalle“. Um diese zu vermeiden, also „nachhaltige“ Dividendenzahler zu identifizieren, setzen klassische Dividendenindizes meist eine lange Dividendenhistorie voraus. Je höher jedoch die historischen Anforderungen sind, desto geringer ist die Dividendenrendite des Indexportfolios. Der neue PowerShares EURO STOXX High Dividend Low Volatility UCITS ETF hingegen soll eine möglichst hohe Dividendenrendite liefern. Er setzt auf Volatilität als innovativen Qualitätsfilter und kann dadurch die Anforderungen an die Dividendenhistorie sehr gering halten.

Wie wird im Auswahlprozesses neben der Dividende auch die Volatilität berücksichtigt?

Die Volatilität kommt in Form eines Qualitätsfilters zum Einsatz. Ausgangsuniversum sind alle Aktien des STOXX Europe 600 Index aus der Euro-Zone. Im ersten Schritt werden die 75 Titel ausgewählt, die über die vergangenen 12 Monate die höchste Dividendenrendite aufweisen, bei maximal 10 Aktien pro Land. Anschließend werden daraus die 25 Aktien mit der höchsten Volatilität eliminiert. Dieser zweite Schritt beschreibt den Qualitätsfilter, der sowohl der Vermeidung der Dividendenfalle dient, als auch der Verringerung des Portfoliorisikos. Die Gewichtung der verbleibenden 50 Titel erfolgt auf Basis der Dividendenrendite, die damit in zweifacher Hinsicht zum Einsatz kommt und den dominierenden Faktor darstellt.

Schwankungsarme Dividenden-Aktien eignen sich gerade in unsicheren Börsenzeiten. Aber wie sieht es in Aufwärtsphasen aus, hinken sie da nicht den Wachstumsaktien hinterher?

Es ist richtig, dass schwankungsarme Dividendentitel in starken Aufwärtsphasen historisch weniger Rendite erwirtschaftet haben als aggressivere Aktien. Dieser Effekt wurde jedoch in den darauf folgenden Abwärtsphasen durch geringere Kursrückgänge überkompensiert, sodass sich langfristig eine deutliche Outperformance ergab. Gerade turbulente Marktphasen erlauben es schwankungsarmen Dividendenaktien, ihre Stärken auszuspielen indem sie maßgeblich zur Stabilität des Gesamtportfolios beitragen.

Was sollten Anleger beim Kauf beachten und für welche Anlegergruppe ist der ETF geeignet?

Der ETF verfolgt eine konservative Anlagepolitik, indem er voll replizierend auf schwankungsarme Aktien mit hoher Dividendenrendite setzt. Ziel ist die Generierung eines laufenden Ertrags bei verringerten Kursschwankungen. Nichts desto trotz sollten sich Anleger stets vor Augen halten, dass es sich bei Dividendenstrategien um Aktienanlagen handelt, die nicht unerhebliche Kursrisiken mit sich bringen können.

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