Start Interview „Gerade in volatilen Zeiten zeichnet sich die Qualität eines Market Makers aus“

„Gerade in volatilen Zeiten zeichnet sich die Qualität eines Market Makers aus“

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Frank Mohr klein

Der Preiskampf unter den ETF-Anbietern bei Core-ETFs ist in vollem Gange. Immer wichtiger wird dabei die Wahl des geeigneten Marketmakers. Das EXtra-Magazin sprach vor diesem Hintergrund mit Frank Mohr, Head of ETF Sales Trading der Commerzbank ( Zum Testbericht)

Die Commerzbank entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten europäischen Market Maker im Bereich ETF. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Exchange Traded Funds kommen ursprünglich aus den USA. Sie haben sich dort gegen Ende der 90er bei privaten und institutionellen Anlegern etabliert und gewinnen auch in Europa zunehmend an Bedeutung. Das war ein guter Grund für uns in diesen Wachstumsmarkt einzusteigen. Wichtig ist uns eine erstklassige technische Trading-Plattform, die wir eigenständig entwickelt haben. Hinzu kommen unsere erfahrenen Teamkollegen, Teamplay sowie der Spaß am Thema ETFs. Diese Voraussetzungen haben sicher zum Erfolg beigetragen.

Was ist die eigentliche Aufgabe eines Market Makers bei ETFs?

Wir tragen dazu bei, dass ETF-Märkte Liquide sind, und zwar börslich wie außerbörslich. Heute sind wir „Designated Sponsor für mehr als 2000 ETFs. So erhalten Anleger von uns beispielsweise verbindliche Quotierungen an verschiedenen europäischen Börsen und Handelsplätzen. Gleiches gilt für den asiatischen Raum.

Wie entstehen die Preise bei ETFs im Rahmen des Creation Redemption-Prozesses?

Das ist vergleichbar mit einem konventionellen Investmentfonds. Es gibt einen Nettoinventarwert (NAV), der durch den Quotient vom gesamten Investitionsvolumen und den ausgegebenen Anteilen abgebildet wird. Ein Authorised Participant (AP) kann ETF Anteile zum Nettoinventarwert an die Fondsgesellschaft verkaufen oder von der Fondsgesellschaft kaufen. Zusätzlich kommen externe Kosten oder Steuern, die dem Authorised Participant in Rechnung gestellt werden.

Gibt es da unterschiedliche Herangehensweisen bei der Berechnung unterschiedlicher Anlageklassen?

Das oben beschriebene Grundprinzip ist immer gleich, kann jedoch in der Ausprägung je Assetklasse unterschiedlich sein. Da es bei der Bewertung von Bonds keine offiziellen Schlusskurse gibt, werden die Fixed Income ETFs stets mit einem Spread auf das Primärmarkt-Underlying gehandelt.

Wie gewährleistet ein Market Maker die Preise auch in sehr volatilen Zeiten?

Als Designated Sponsor von ETFs an allen großen europäischen Börsen haben wir uns verpflichtet jederzeit während der Börsenöffnungszeiten zu quotieren. Gerade in volatilen Zeiten zeichnet sich die Qualität eines Market Makers aus. Wesentlich dazu bei tragen unsere stabile Trading-Plattform und unser erfahrenes Trading- Team.

Auf den Spread wirken verschiedene Parameter. Welche sind das und welchen Einfluss haben diese?

Primär ist der Spread des Underlyings maßgebend für den Spread des ETFs. Letzterer wird zudem durch weitere Kosten, wie Brokergebühren, Steuern, Fremdwährungsgebühren sowie Creation oder Redemption Kosten beeinflusst.

Risikopreise werden auch außerhalb der Börsenöffnungszeiten berechnet. Wie geschieht das?

Wenn der Markt des Underlyings geschlossen ist, werden Preise mit Hilfe von analytischen Verfahren bestimmt. Das kann beispielsweise auf Basis der prozentualen Veränderung eines Futures im Vergleich zum Schlusskurs des jeweiligen Underlyings erfolgen oder eben durch Korrelationsmodelle zur Preisbildung.

Die Preise können auch im Verlaufe eines Börsentages sehr schwanken. Wann sind ETFs vom Anleger am günstigsten zu handeln und was sind dafür die Gründe?

Grundsätzlich lassen sich alle ETFs sehr gut kaufen und verkaufen, insbesondere während der Handelszeiten an den Börsen. Die Liquidität erhöht sich zudem, wenn die unterliegenden Märkte des ETFs ebenfalls geöffnet sind. Das erleichtert einem Market Maker ein schnelles Hedging einzelner Positionen.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.