Start Interview Gerd Kommer: In fünf Schritten zum ETF Weltportfolio

Gerd Kommer: In fünf Schritten zum ETF Weltportfolio

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Gerd Kommer, Weltportfolio
Gerd Kommer, Erfolgsautor des Buches "Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs"

Der Deutsche Finanzbuchpreis ging in diesem Jahr an Gerd Kommer für sein Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“. Das EXtra-Magazin sprach mit dem Autor und erläutert dabei die Frage, wie Privatanleger sich ein eigenes krisenfestes ETF Weltportfolio aufbauen können. Mehr dazu lesen Sie auch in der September Ausgabe des EXtra-Magazins.

Auf dem deutschen Markt nimmt das Angebot an fertigen ETF-Anlagelösungen durch Banken, Vermögensverwalter und Robo-Advisor zu. Warum sollten sich Anleger die Mühe machen, sich selbst sein eigenes Weltportfolio zusammenzustellen?

Der Weltportfolio-Begriff, den ich 2001 in Deutschland eingeführt habe, bedeutet die Abbildung des globalen Weltaktienmarkts mittels kostengünstiger Indexfonds in Kombination mit einer ebenfalls kostengünstigen „risikofreien“ Anlage. Letztere dient zur anlegerspezifischen Risikosteuerung innerhalb des Weltportfolios. Das alles geschieht auf Buy-and-Hold-Basis, um renditeschädliche Kosten- und die typischerweise negativen Auswirkungen von Performance-Chasing zu minimieren, sowie einen bestimmten steuerlichen Barwertvorteil zu maximieren. Die Basisvariante des Weltportfolios hat einen Tilt in Richtung einiger gut belegter Faktorprämien, wie Small, Value und Political Risk. Konkret zu Ihrer Frage: Es gibt mehrere Gründe dafür sein eigenes Weltportfolio zu bauen, statt auf eines der inzwischen erfreulich zahlreichen Fertigmodelle zurückzugreifen. Zu diesen Gründen gehören: (a) Eigenbau ist meistens kostengünstiger. (b) Eigenbau gibt dem Anleger mehr Einfluss auf die Feinabstimmung der Asset-Allokation und die Vermeidung einzelner negativer Eigenschaften, die manche Fertigmodelle haben und (c) Freude am Selbertun.

Gerd Kommer: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen.
Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnenGanz normale Sparer haben kaum noch Möglichkeiten, ihren Spargroschen zu vermehren. Es sei denn, sie investieren in Indexfonds und ETFs, den neuen Trend für smarte Anleger! Seit 15 Jahren berät Gerd Kommer private Investoren mit großem Erfolg bei der Anlage in Indexfonds und ETFs.

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Der erste Schritt zur Erstellung eines Weltportfolios ist die Ermittlung der persönlichen Asset-Allokation anhand der
eigenen Risikokapazität. Worauf sollte man dabei besonders achten?

Hierzu muss man noch vorab sagen, dass erwartete Rendite primär eine Kompensation für erwartetes Risiko ist. Wer also einen erwarteten Risikolevel wählt, wählt damit auch eine erwartete Rendite. Die persönliche Risikotragekapazität resultiert aus subjektiven und objektiven Umständen des Anlegerhaushaltes. Diese Umstände festzustellen ist nicht allzu kompliziert aber man braucht, dafür mehr als die sprichwörtlichen fünf Minuten. Ich versuch’s mal etwas abgekürzt: Zu den objektiven Umständen des Haushaltes gehören (a) sein Startvermögen, (b) sein laufendes Nettoeinkommen nach Lebenshaltungskosten, (c) dessen Stabilität, (d) der Restanlagehorizont, (e) der Liquiditätsbedarf jetzt und später, sowie (f) das Zielvermögen, wenn die Portfolioaufbauphase endet, z. B. bei Eintritt in den Ruhestand. Zu den subjektiven Umständen gehört (g) die nervlich-emotionale Bereitschaft und tatsächliche Fähigkeit verlustbedingten Stress auszuhalten. Allerdings führt die „Erforschung“ der genannten Einflussfaktoren natürlich nicht zu einem unmittelbar „ablesbaren“ Risikotragekapazitätslevel. Das Buch nennt jedoch eine einfache Regel, wie aus diesen Informationen die Risikotragekapazität abgeleitet werden kann. Normalerweise ändert sich dieser Wert bei einem Haushalt im Zeitablauf langsam – wie viele wichtigen Dinge in unserem Leben.

Vortrag von Dr. Gerd Kommer auf dem Kapital-Gipfel 2017

Innerhalb des risikobehafteten Anteils im Depot empfehlen Sie eine Übergewichtung von Value-, Small-Cap- sowie Emerging-Markets-Werten. Was ist der Hintergrund?

Das erwartete Risiko einer bestimmten Weltportfolio-Allokation wird in erster Linie durch das Mischungsverhältnis zwischen dem risikobehafteten Portfolioteil (Aktienteil) und dem „risikofreien“ Portfolioteil bestimmt. Auf Small Cap-Aktien und Schwellenländer-Aktien zu verzichten wäre eine kontraproduktive Verschmähung möglichen Diversifikationspotentials. Korrekte Diversifikation ist die einzige Form der Risikoeindämmung, für die man keine erwartete Rendite opfern muss. Dass Small Caps und Emerging Market-Aktien höhere erwartete Renditen haben als ein marktkapitalisierungsgewichtetes Portfolio aus dem Aktienmarkt ohne diese Teilsegmente, ist ja bekannt.

Innerhalb des „risikofreien“ Anteils empfehlen Sie vor allem Staatsanleihen. Manche Kritiker, z.B. Dirk Müller, fassen Anleihen „nicht mit der Kneifzange“ an, da ein weltweiter Anleihen-Crash befürchtet wird. Sind bonitätsstarke Anleihen tatsächlich „risikofrei“ oder ist Gold nicht die bessere Alternative dazu?

In der im Januar 2009 erschienenen Auflage seines Buches „Crashkurs“ sagte Herr Müller „Aktien- und Aktienfonds gehören in diesen unsicheren Zeiten schlicht nicht ins Depot.“ In den 12 Monaten ab Februar 2009 legte der Dax 27 Prozent zu, in den 24 Monaten ab Februar 2009 über 60 Prozent. Auch deutsche Staatsanleihen rentierten über diese 12 und 24 Monate überdurchschnittlich. Rechnet man von Anfang 2009 bis heute waren Aktienrenditen im historischen Vergleich geradezu phänomenal und die Anleihenrenditen leicht überdurchschnittlich. Vielleicht hat Herr Mueller zudem kurzzeitig vergessen, dass sich die Zinsen von Unternehmensanleihen aus dem gleichen Cash-Flow speisen wie die Dividenden von Aktien. Andererseits: Wenn man glaubt, die Zukunft vorhersagen zu können, wie das aktive Anleger tun, dann braucht man logischerweise kein „risikofreies“ Asset. Man investiert dann immer in das momentan höchstrentierliche Asset. Sobald das seinen Peak erreicht hat, schichtet man in das nun höchstrentierliche Asset um. Très simple.

Doch schieben wir den Sarkasmus über Herrn Müllers frühere Prognosen und unkonventionelle Investmentlogik mal beiseite: Was die Frage angeht, ob bonitätsstarke Anleihen tatsächlich „risikofrei“ sind, ist vermutlich inzwischen allen klar, dass es keine „risikofreien“ Investments gibt. „Risikofreies Asset“ heißt aus der Sicht der Wissenschaft einfach „das Asset mit dem niedrigsten erwarteten Risiko und der höchsten Liquidität unter den verfügbaren Assets oder Asset-Klassen“. Besser wäre an sich die Bezeichnung „risikoärmstes“ Investment oder Asset-Klasse. „Risikofrei“ geht schon allein deswegen nicht, weil ein Dutzend verschiedene Risikokennzahlen existieren, die oft stark abweichende Ergebnisse für ein gegebenes Investment liefern und weil Renditen eine Kompensation für erwartetes Risiko sind. Was kein Risiko hat, kann auch keine erwartete (Real-)Rendite haben. Auf alle Fälle sind kurzfristige Staatsanleihen mit AA oder AAA Rating in der Heimatwährung des Anlegers die auf kurze und mittlere Frist risikoärmsten Investments im Sinne von Volatilität und Drawdown.

Zu Ihrer Frage zu Gold: Am 21. Januar 1980 betrug der Goldpreis pro Unze 850 US-Dollar. Aufinflationiert in heutigem Geld sind das 2550 Dollar. Heute am 15. Juli liegt der Goldpreis bei 1340 Dollar, also real etwa 40 Prozent tiefer als vor rund 36 Jahren. Hhmm… Mitte 1971 hob die US-Regierung die bis dahin bestehende Quasi-Goldbindung des Dollars auf und machte Gold damit – jedenfalls im Prinzip – wieder zu einem normalen Investment-Asset. Von 1971 bis heute hat Gold eine um etwa zwei Prozentpunkte niedrigere Rendite produziert als ein globales Aktienportfolio, kombiniert mit einem höheren Risiko. Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang gerne vergessen wird: Erst Ende 1974 legalisierte die US-Regierung privaten Goldbesitz nach einem seit 1934 bestehenden 40-jährigen Verbot. Mehrjährige oder jahrzehntelange Verbote von privatem Goldbesitz ereigneten sich im 20. Jahrhundert in fast allen westlichen Ländern einschließlich natürlich Deutschland und allen kommunistischen Staaten. Wie immer man Gold als Investment sieht, ein Ersatz für die „risikofreie“ Komponente im Portfolio ist es gewiss nicht.

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Bei der Indexauswahl empfehlen sie physische Replikation vor synthetischer, thesaurierende vor ausschüttenden Varianten und natürlich den Blick auf die Gebühren. Bei der Auswahl des Fondsdomizils könne es sich aus quellensteuerlichen Gründen zudem lohnen, ETFs mit Fondsdomizil Irland zu wählen. Wann macht es Sinn, als Fondsdomizil Deutschland und wann Irland zu wählen?

Physische Replikation betrachte ich als marginal risikoärmer als synthetische Replikation. Da es – soweit ich das beurteilen kann – keine klare Evidenz oder Garantie dafür gibt, dass ETF-Provider den Betriebskostenvorteil, den Swap-ETFs gegenüber physischen ETFs zweifellos besitzen, auch konsistent und vollumfänglich an den Anleger weitergeben, spricht dieser Punkt eher gegen die Nutzung von Swap-ETFs.

Thesaurierende ETFs haben den wichtigen Vorteil, dass keine Kosten für die Wiederanlage der laufenden Erträge anfallen. Außerdem verhindern sie tendenziell, dass Privatanleger diese laufenden Erträge für Konsum verballern. Die angebliche steuerliche Komplexität thesaurierender Fonds mit Auslandsdomizil ist bei genauerer Betrachtung ein schwaches Argument. In meinem Buch „Die Optimierung von Quellensteuerbelastungen bei Aktienindexfonds“ werden quellensteuerliche Aspekte von Dividenden detailliert beschrieben. Allerdings muss ich ein wenig warnen: Das Buch ist eine akademische Untersuchung. Es eignet sich weniger als Strandlektüre. Generell haben in Irland domizilierte Aktien-ETFs einen leichten quellensteuerlichen Vorteil gegenüber ETFs mit Domizil in Luxembourg, Frankreich oder Deutschland, den in Europa anderen, häufigsten Fondsdomizilen. In Deutschland domizilierte Aktien-ETFs machen aus quellensteuerlicher Sicht (nur) dann Sinn, wenn der ETF einen rein deutschen Aktienindex repliziert, z. B. den Dax, den Mdax oder den MSCI Germany. Länderspezifischen Wetten interessieren mich persönlich allerdings nicht, weil sie eine Form aktiven Investierens sind.

Sie möchten mehr dazu wissen? Das EXtra-Magazin behandelt in seiner aktuellen Ausgabe ausführlich den Aufbau eines Weltportfolios nach den Vorgaben von Dr. Gerd Kommer. Zudem erfahren Sie viele weitere Infos zum Thema „ETF-Anlagelösungen“.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.