Start Interview Gold: 3 wesentliche Kräfte, die zu einem Goldpreisanstieg beitragen könnten

Gold: 3 wesentliche Kräfte, die zu einem Goldpreisanstieg beitragen könnten

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Evie Lamprou, Head of Distribution Europe des ETF-Anbieters China Post Global.

Der Goldpreis auf US-Dollarbasis legte in den vergangenen drei Monaten um 9,7 Prozent zu. Lohnt es sich also jetzt noch, in Gold einzusteigen. Das EXtra-Magazin sprach mit Evie Lamprou, Head of Distribution Europe von China Post Global, einem internationalen Asset Manager und Distributor einer Market Access-ETF-Produktpalette.

Politische Unsicherheiten nehmen zu, kurzzeitig profitierte dadurch der Goldpreis, doch danach ging es wieder abwärts. Wie sehen Sie angesichts dieser Situation die Entwicklung des Goldpreises bis Ende des Jahres?

Nach der Rede der Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed) Janet Yellen am 15. März, die für den Rest des Jahres eine etwas restriktivere Geldpolitik andeutete, erwarten wir einen moderaten Anstieg der Fed Rates, die 2017 jedoch insgesamt auf einem historisch niedrigen Stand verharren werden. Das heißt, die Opportunitätskosten bei Goldanlagen bleiben niedrig, was den Goldpreis weiter stützt. Auch erhöhte geopolitische Risiken weltweit sprechen für eine starke Nachfrage nach Gold. Im gegenwärtigen Szenarium, in dem sich die US-Handelspolitik negativ auf das Wachstum auswirkt, könnte die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen anziehen. Wir glauben, dass Goldminenunternehmen in diesem Fall eine ähnliche Rally wie in den ersten acht Monaten des Vorjahres erleben könnten. Mit einem steigenden Inflationsumfeld ist allerdings nicht zu rechnen. Falls der Haushaltsplan von US-Präsident Trump umgesetzt wird und dies die Inflationsrate nach oben treibt, könnte Gold aufgrund seiner inflationsabsichernden Eigenschaften eine attraktive Alternative sein.

Was spricht für eine Erholung des Goldkurses, was dagegen?

Wir beobachten insbesondere drei wesentliche Kräfte, die zu einem Anstieg der Goldpreise beitragen könnten. Zum einen könnte der Inflationsdruck in den USA infolge gestiegener Staatsausgaben und einer akkommodierenden Zinspolitik den Goldpreis nach oben treiben. Zum anderen könnten erhöhte politische und geopolitische Risiken weltweit die Goldnachfrage beeinflussen. Unseres Erachtens ist dies ein bedeutender Einflussfaktor von Goldpreisen, da Gold allgemein als vor solchen Risiken sicherer Hafen gilt. Denkbar ist auch, dass sich Trumps Handelspolitik als Wachstumsbremse erweist und das Vertrauen in die internationalen Märkte beschädigt. In diesem Szenarium könnte die Goldnachfrage erheblich anziehen. Zuletzt darf auch die Nachfrage nach Gold in China nicht außer Acht gelassen werden. Zwar hat in China die Nachfrage nach Schmuck aufgrund veränderter Verbrauchertrends nachgelassen. Der mit Gold hinterlegte ETP-Markt wächst jedoch ständig. Das Interesse an mit Gold hinterlegten börsengehandelten Produkten nimmt stetig zu, und die weitere Verbreitung dieser Produkte könnte zu einem Nachfrageschub beim Gold führen.

US-Notenbankchefin Janet Yellen kündigte für 2017 drei Zinserhöhungen an, damit verabschieden sich die USA allmählich von der ultralockeren Geldpolitik, Spricht dies nicht gegen eine Golderhöhung?

Die Fed Rates werden voraussichtlich auch 2017 auf einem historisch niedrigen Niveau bleiben. Auch bei steigenden Zinsen sind die Opportunitätskosten bei Anlagen in physisches Gold, das keinen Gewinn abwirft, niedrig. Divergenzen in der US-Politik gegenüber der Politik Europas – insbesondere die lockerere Fiskalpolitik und höhere Zinsen in den USA gegenüber knapperen Haushalten und der lockeren Geldpolitik in Europa – könnten zudem den Euro erheblich unter Druck bringen. Und auch das britische Pfund könnte durch die Brexit-Verhandlungen unter Druck geraten. In dieser Situation greifen Anleger außerhalb der USA möglicherweise auf Gold als Vermögensschutz zurück.

In was sollten Anleger investieren, eher in physisches Gold oder in Aktien von Goldminen?

Physisches Gold und mit Gold hinterlegte Wertpapiere können nicht in Form von UCITS ETF angeboten werden – der sowohl bei institutionellen Anlegern als auch Kleinanlegern in Europa bevorzugten Form. Auch ETNs und ETCs bieten in punkto Anlegerschutz, Risikoüberwachung und Transparenz nicht dieselben Standards wie UCITS ETFs. Goldminenaktien sind eine attraktive Alternative zu physischem Gold und ETNs/ETCs – ein Goldminen-Indexfonds kann als UCITS ETF angeboten werden. Goldminenaktien weisen einen hohen Gleichlauf (Korrelation) zum Goldpreis auf. Dies gilt insbesondere für Goldminenunternehmen, die ihre kurzfristige Produktion nicht absichern. Ein diversifizierter Index aus Goldminentiteln, die ihre kurzfristige Produktion nicht absichern, bietet daher eine attraktive Möglichkeit für den Einstieg in Gold mit dem zusätzlichen Vorteil des UCITS-Anlegerschutzes. Ein weiterer Grund, warum Anleger Goldminenunternehmen physischem Gold vorziehen, ist die Tatsache, dass physisches Gold bei anziehenden Aktienmärkten an Attraktivität verliert und ins Hintertreffen gerät. Eine Anlage in Goldminenunternehmen ist hingegen eine Anlage in Aktien. Goldminenunternehmen könnten somit von einem Aktienmarkt-Run profitieren. Und natürlich schütten Goldminenunternehmen – insbesondere große – in der Regel Dividenden aus, d.h., die Anleger müssen nicht auf Ertragspotenzial verzichten.

Aktien von Goldminenbetreibern litten lange Zeit unter dem Goldpreisverfall, kurzzeitig konnten sie sich erholen, inzwischen ist ein Teil der Gewinne schon wieder dahin. Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Goldminenunternehmen könnten derzeit als attraktive Anlageform betrachtet werden. In dem Niedrigpreisumfeld bei Gold der letzten Jahre haben sie die Kosten gesenkt und ihr Kreditprofil und ihre Produktionsleistung verbessert. Aufgrund dessen konnten sich diese Unternehmen 2016, als die Goldpreise anzogen, rasch erholen. Mit nachhaltiger finanzieller Disziplin haben mehrere große Goldminenunternehmen ihren Cashflow und ihre Ergebnisse erheblich optimiert. Für ihre Rentabilität in den nächsten Jahren sowie ihre Fähigkeit, Dividenden zu zahlen, ist dies von sehr großer Bedeutung. Da Treibstoffkosten zu den bedeutenderen variablen Kosten der Goldminenunternehmen gehören, profitieren sie nach wie vor zudem von den niedrigen Ölpreisen. Niedrige Ölpreise wirken sich somit auch günstig auf die Höhe der Gewinnmargen aus.

Mit dem Market Acccess NYSE Arca Gold BUGS Index UCITS ETF partizipiert der Anleger an Goldminenbetreibern. Was zeichnet diesen ETF aus, was unterscheidet ihn von anderen Goldminen-ETFs?

Der Market Access NYSE Arca Gold BUGS Index UCITS ETF zeigt die Performance des NYSE Arca Gold BUGS Index, ein modifiziert gleichgewichteter Index, der in Goldminenunternehmen investiert, welche ihre Goldproduktion über 1,5 Jahre hinaus nicht absichern. Als solche korrelieren der ETF und der zugrundeliegende Index stark mit dem Kassagoldpreis. Der NYSE Arca Gold BUGS ist ein führender Vergleichsindex und einer der meistbeachteten Goldindizes auf dem Markt. Der Index enthält 15 der größten und am weitesten verbreiteten börsennotierten Goldproduktionsgesellschaften. Der NYSE Arca Gold BUGS Index enthält im Gegensatz zu einigen anderen Vergleichsindizes keine Silberminenunternehmen und bietet den Anlegern damit Zugang zu „purem Gold“. Der NYSE Arca Gold BUGS Index enthält ausschließlich etablierte Goldminenunternehmen und keine Marktneulinge, die sich noch in der Explorations- und Erkundungsphase befinden und noch keine Gewinne mit ihrem Geschäft erwirtschaften. Der Market Access NYSE Arca Gold BUGS Index UCITS ETF ist der erste Goldminen-ETF Europas und kann auf eine nahezu zehnjährige Erfolgsbilanz zurückblicken. Der Indexfonds verwaltet ein Vermögen von 85 Mio. EUR und ist mit einer Gesamtkostenquote von 0,65 % p.a. konkurrenzfähig aufgestellt.

Welche Rohstoffe könnten aus Sicht von China Post Global unter Einbeziehung der Rollkasten zu weiteren Gewinnern des Jahres 2017 zählen und was sind dafür die Gründe für den Preisauftrieb?

Nach unserer Einschätzung wird die Nachfrage nach Industriemetallen 2017 anziehen. Zu den Haupttreibern zählen potenzielle Infrastrukturausgaben in den USA, der verbreitete globale Wirtschaftsoptimismus, die Angebotsverknappung sowie die Konzentration auf Infrastrukturprojekte in China (Flughäfen, Autobahnen etc.). Chinas Metallverbrauch lag 2015 bei 50 Prozent des weltweiten Metallverbrauchs, und China setzt beim aktuellen Wandel von der Industrie- zur Verbrauchergesellschaft auf Infrastruktur. Dies könnte sich äußerst günstig auf die Preise für Industriemetall auswirken. Die Weltbank prognostiziert Zuwächse bei den Industriegütern 2017, insbesondere im Energiesektor und im Metallbereich, wo Angebotsverknappung und steigende Nachfrage herrschen. Bereits jetzt beobachten wir eine strategische Positionierung der Anleger, die von diesen Zuwächsen profitieren wollen.

Vor rund einem Jahr übernahm China Post Global des ETF-Geschäft der RBS. Wie sieht ihre Bilanz aus, welche Pläne haben Sie für 2017?

2017 werden wir spannende neue Produkte auf den Markt bringen. China steht für uns aufgrund unseres Ursprungs und unserer Expertise im Fokus. Derzeit arbeiten wir an der Markteinführung von zwei China A-Aktien ETFs, den ersten Smart-Beta-ETFs vom chinesischen Festland in Europa. Smart-Beta-ETFs sind für uns ebenfalls ein Wachstumsmarkt, und wir arbeiten an weiteren Produkteinführungen, die zusätzlichen Wert für europäische Anleger schaffen. Den Anfang macht ein Smart-Beta-ETF am japanischen Aktienmarkt.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.