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Goldgrube für Privatanleger

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Gold-ETCs sind eine ideale Möglichkeit, in Gold zu investieren. Bei schon geringen Investitionssummen muss sich der Anleger weder mit Liefer- noch mit Lagerproblemen beschäftigen. Die Schuldverschreibungen sind durch physisch hinterlegtes Gold besichert. Die Frankfurter Deutsche Börse Commodities GmbH bietet nur Xetra-Gold an – vorwiegend für Privatanleger. Und das mit Erfolg. Geschäftsführer Steffen Orben zu den Hintergründen.

Herr Orben, wie hat sich Xetra-Gold seit dem Start entwickelt?

Die Entwicklung ist sehr gut. Wir sind erst seit rund zweieinhalb Jahren am Markt und haben jetzt einen Bestand von fast 48,5 Tonnen Gold bei rund 1,6 Milliarden Euro Gegenwert. Zum Vergleich: Bisher wurden weltweit grob 160 Tausend Tonnen Gold gefördert. Starke Mittelzuflüsse hatten wir gerade in den letzten drei Monaten. Besonders im Mai seit der Griechenlandkrise.

Ist denn die starke Nachfrage gedeckt?

Ja. Als der Goldpreis noch bei 200 Dollar lag, war der Abbau nicht rentabel. In den letzten zehn Jahren aber wurde die Minenproduktion wieder ausgeweitet. Pro Jahr werden rund zweieinhalb Tausend Tonnen zu Tage gefördert. Hinzu kommt das bereits existierende Gold, das in den Marktkreislauf zurückkommt, also alter Schmuck, Industriegold etc.

Auf welche Anleger zielen Sie ab?

Wir haben zu 95 Prozent Privatanleger. Der Rest sind Institutionelle, wobei man wissen muss, dass es vielen, wie Versicherungen und Pensionskassen, hierzulande gesetzlich nicht erlaubt ist, in Gold zu investieren. Deshalb wurde Xetra-Gold speziell für den deutschen Anleger konstruiert. Man kann also den deutschen Absatzmarkt wegen der verschiedenen Rahmenbedingungen nicht direkt mit anderen Ländern vergleichen. In Großbritannien etwa investieren viel mehr Institutionelle.

Privatanleger haben sicherlich ein besonderes Sicherheitsbedürfnis.

Gold steht ja gerade für Sicherheit. Unser Gold-ETC ist zu hundert Prozent mit physischem Gold gedeckt. Das Gesetz erfordert mindestens 95 Prozent, die vor Ort im Tresor der Deutschen Börse hinterlegt sein müssen. Wenn wir bei den restlichen fünf Prozent von Buchgold reden, so hat das organisatorische bzw. prozesstechnische Gründe. Wenn wir für neue Investments entsprechendes Gold nachbestellen, kaufen wir das bei einem Marktteilnehmer, der sein Konto bei der HSBC Bank in London hat, wo das Gold lagert. Da müssen aber erst mindestens 500 Kilo zusammenkommen, damit es an uns ausgeliefert wird. Solange es noch nicht in Frankfurt eingetroffen und eingelagert ist, handelt es sich eben um Buchgold.

Könnte ein sicherheitsbewusster Anleger sein Gold nicht gleich in London kaufen?

Zunächst mal: Bei uns kann ein Kunde, der sein Gold will, seinen Barren so geschmolzen und geformt haben, wie er es möchte. Wenn er aber beispielsweise bei einem anderen Anbieter in London investiert hat, so muss er erst mal dorthin fahren und vor Ort ein Konto bei der HSBC Bank eröffnen, in deren Tresoren das Gold lagert. Das wird dann aus dem Tresorabteil in den Bereich des Kunden übertragen. Im zweiten Schritt muss der die Bank bitten, den Goldbarren an ihn auszuliefern. Doch das geht nur mit einem Standardbarren, der mindestens 12,5 Kilo haben muss bei einem Gegenwert von aktuell 400.000 Euro. Der muss dann transportiert und zu Hause sicher aufbewahrt werden.

Wie sind die Stückelungen bei Ihnen?

Die kleinste Stückelung ist bei uns ein Gramm Gold. Das ist ein 1-Gramm-Täfelchen. Das kann man für etwa 32 Euro erhalten. Als wir an den Markt gingen, waren es noch 17 Euro. Natürlich ist dafür in der Relation der Transport zu teuer. Aber es geht, wenn Sie wollen. Wir haben bis jetzt 350-mal Gold an Kunden in Deutschland ausgeliefert. Und die durchschnittliche Größe ist ein Kilo. Viele wollen auch 500-Gramm-Barren. Also wir sind ein absolutes Retailprodukt.

Was waren die Gründe für die Auslieferung?

Einige wollen eben ausprobieren, ob wir das auch tatsächlich tun. Immerhin ist in Internetforen einige Skepsis verbreitet, nach dem Motto: „Das ist ja doch nur ein Zertifikat – die liefern bestimmt nicht aus.“ Andere wollen nach den Problemen mit Lehman und Griechenland ihr Gold einfach haptisch besitzen. Eigentlich ist es nicht unser Geschäftszweck, in den physischen Goldhandel einzusteigen. Doch unser Produkt ist nur gut, wenn wir das Merkmal der Auslieferung haben, denn ansonsten wären wir nur ein Zertifikat. Wir haben das bewusst in unser Produkt eingebaut, weil wir sicherstellen wollen, dass der Kunde sieht, dass wir unser Versprechen halten. Deshalb müssen wir ihm jederzeit das Gold selbst in kleinsten Stückelungen, und sei es nur von einem Gramm, liefern können.

Wird die Besicherung durch Gold im Insolvenzfall nicht durch einige Prospektklauseln aufgeweicht?

Wir haben einen alternativen Zahlungsanspruch in unserem Prospekt stehen. Grund: Sollten institutionelle Anleger unser Produkt kaufen, denen von Gesetzes wegen der Empfang von physischem Gold verboten ist, bieten wir damit die Alternative, Geld als Gegenwert zu bekommen. Selbst Aktienfonds dürfen ja kein Produkt kaufen, das eine physische Lieferung in irgendeiner Form erzwingt. Die können das nicht lagern. Das bezieht sich nur auf diese Gruppe. Nicht aber auf Einzelanleger. Wir haben kein Wahlrecht. Wenn die Anleihe gekündigt wird, liefern wir Gold – entweder physisch oder wir geben es an die Deutsche Bank, die im Auftrag des Anlegers, der kein Gold in Empfang nehmen darf, das Gold veräußert.

Wie steht es mit den Kosten?

Unser Produkt ist das günstigste am Markt, weil wir nur Depotgebühren verlangen, aber keine zusätzlichen Managementgebühren. Unser Gold-ETC ist so gebaut, dass es nicht manipluiert werden kann. Ein Gramm bleibt ein Gramm. Bei anderen Gold-ETCs wird das gerne so gehandhabt, dass der Anteil des vom Kunden gekauften Goldes über die Jahre kleiner wird. Da wird dann jedes Jahr ein Teil des Goldes verkauft, und auf diesem Weg behält die Firma eine Managementgebühr ein – zusätzlich zur Depotgebühr. Bei uns wird aber nichts aus der Substanz entnommen. Wertbeständigkeit ist ja gerade das, was Gold ausmacht.

Wie können Sie so günstig arbeiten?cover_gold

Das liegt an der Besonderheit unsere Firma. Wir sind ein Joint Venture der Deutschen Börse, einiger Banken und anderer Partner. Wir sind einerseits ein völlig eigenständiges Unternehmen, also keine Tochter eines Partners, mieten aber keine Geschäftsräume und haben keine Angestellten. Wir haben zwei Geschäftsführer und sonst keine großen Kosten. Somit sind wir eine Zweckgesellschaft. Jeder Partner bringt seine Stärken ein. Die Banken im Vertrieb, die Börse ihre Lagerkapazität, die Umicor die Raffinerie und das Liefern. Nur durch diese Synergieeffekte konnten wir unser Produkt so günstig bauen. Wir haben auch nur dieses eine Produkt.

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