Horst Biallo, Gründer und Geschäftsführer des Vergleichsportals biallo.de, im Interview.
Horst Biallo, Gründer und Geschäftsführer des Vergleichsportals biallo.de, im Interview.

Seit Jahren macht sich der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi nicht gerade beliebt bei deutschen Sparern. Nicht zuletzt aufgrund der regiden Zinspolitik des Italieners müssen sich Sparer hierzulande mit niedrigen Zinsen begnügen. Wie geht es weiter? Wir fragen bei Horst Biallo, Geschäftsführer des Vergleichsportals biallo.de, nach.

Herr Biallo, die Frage brennt wohl allen Sparern unter den Nägeln: Wann kommt endlich die herbeigesehnte Zinswende? Gibt es vielleicht schon Anzeichen?

Von den niedrigen Zinsen profitieren Immobilien-Interessenten, sonstige Schuldner und die Staaten. Aber es gibt Verlierer. Das sind die Sparer und all die Leute, die in Altersvorsorge-Produkte investieren. Solange Draghi am Ruder ist, wird sich nichts ändern, erst mit dem Wechsel an der EZB-Spitze. Aber nur wenn Weidmann oder ein Niederländer ihm nachfolgt, die als Kritiker dieser Politik gelten. Dann könnte es sukzessiv zu steigenden Zinsen kommen. Dieses Szenario könnte allerdings durch die neuen Machthaber in Italien in Frage gestellt werden.

Müssen sich Sparer auf absehbare Zeit einfach mit niedrigen Zinsen zufriedengeben? Sind die Zeiten von vier und fünf Prozent für Festgeld einfach vorbei?

Diese Zinssätze sehe ich erst in vier oder fünf Jahren.

Der Biallo-Index – eine Zusammenschau etlicher Anbieter – zeigt, dass es beim Baugeld bereits Anfang des Jahres merklich nach oben ging mit den Zinsen. Wieso kommt das nicht bei den Sparern an?

Es gibt noch einen hohen Überhang an liquiden Mitteln. Die Sparer steigen leider nicht auf Aktienfonds oder Robo-Adivisors in ausreichendem Maße um. Das freie Geld von Sparbüchern schwappt in höher verzinsliche Anlagen wie derzeit das Angebot von Klarna. Festgeld mit 1,20 Prozent und hoher Sicherheit. Ist das ausgereizt, bleiben zu wenige attraktive Anlagen, so dass dort kaum Wettbewerb herrscht, der zu steigenden Zinsen führen könnte.

Ausländische Banken bieten oft etwas höhere Festgeld-Zinsen an. Worauf sollten Sparer hierbei aus Sicherheitsgründen achten und zu welchen Laufzeiten raten Sie derzeit?

Die Einlagensicherung allein reicht nicht aus. Man sollte auch auf die Sicherheit des Staates achten, der ja für die Einlagen im Notfall einstehen muss. Höher verzinste, mit Risiken behafteten Gelder bitte nur als Beimischung und Anlagen splitten: Ein Jahr, zwei Jahre und maximal drei Jahre.

Wie stehen Sie angesichts der aktuellen Sparzinsen zur Geldanlage in ETFs?

Ich sehe noch keine großen Risiken. Hier sollten konservative Anleger über ihren Schatten springen und einen Teil investieren.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.