Start Interview „Ich habe insgesamt zwölf ETFs in meinem Depot“

„Ich habe insgesamt zwölf ETFs in meinem Depot“

92
Juergen Fritzen Crossflow

Jürgen Fritzen ist Gründungspartner der Crossflow Financial Advisors GmbH. Bis 2009 leitete er den ETF-Sales im Geschäftsfeld Corporates Markets bei der DekaBank. Zuvor verantwortete er als Director das Team ETF Advisory Trading bei der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG (UniCredit Group) sowie in Personalunion das Team Institutional Advisory bei der INDEXCHANGE Investment AG. Jürgen Fritzen studierte Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Kredit- und Finanzwirtschaft an der Fachhochschule Köln. Er ist Bankkaufmann und DVFA Investmentanalyst.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit ETFs?

Vor über 10 Jahren habe ich meine Diplomarbeit über den amerikanischen ETF-Markt geschrieben. Kurze Zeit später hat die HVB mit der INDEXCHANGE den ersten deutschen ETF-Anbieter gegründet. Seither arbeite ich in der ETF-Industrie.

Was fasziniert Sie an ETFs?

ETFs haben einige Assetklassen und Märkte für gewisse Anlegergruppen erst investierbar und untertägig handelbar gemacht. Und das zu Konditionen, die zuvor undenkbar waren.

Welche Trends sehen Sie in der ETF-Industrie?

Ursprünglich stand ETF für einfach, transparent und flexibel. Nachdem immer weniger neue Produkte diese Kerneigenschaften der ETFs erfüllen, zeigen aktuelle Meldungen der Emittenten, dass man sich in Zukunft wieder auf die wesentlichen Merkmale konzentrieren möchte (Stichwort: Veröffentlichung des Fondsbasket und der Swap-Fee).

Welche ETFs fehlen derzeit?

Aktuell können wir alle Kundenanfragen mit dem vorhandenen Produktspektrum bedienen.

Haben Sie selbst ETFs in Ihrem Portfolio? Wenn ja, welche?

Ich habe insgesamt 12 ETFs im Depot, mit Aktien-, Renten- und Commodity- Exposure, verteilt auf vier Regionen und fünf ETF-Anbieter.

Welchen ETF sollte man unbedingt im Depot haben?

Ein einzelner ETF hilft nicht weiter, weil ein ETF zwei entscheidende Faktoren in der Vermögensbildung nicht bieten kann: Asset Allocation und Market Timing. Wer diese schwierigen Aufgaben nicht selbst übernehmen möchte, kann sich diese Expertise beispielsweise über einen Dachfonds, der ETFs aktiv einsetzt, einkaufen.

Auf welchen ETF könnte man gut verzichten?

Wenn ein Anbieter den Creation/Redemption-Prozess nur über einen exklusiven Market Maker zulässt, dann ist ein solches Produkt wohl doch näher an einem Zertifikat als an einem echten ETF.

Über welchen Handelsplatz kauft man am besten ETFs?

Xetra bietet hier sicherlich eine vielseitige und relativ liquide Plattform. Je exotischer das Underlying und/oder je größer das Volumen, desto nötiger ist ein auf ETFs spezialisierter Broker wie Crossflow.

Welchen ETF kaufen Sie für Ihre Kinder?

Meine Kinder freuen sich augenblicklich besonders über Exposure in Prinzessin Lillifee und Käpt’n Sharky. Zur langfristigen Vermögensbildung reicht das natürlich nicht. Dafür haben die Kleinen einen Sparplan auf einen gemischten Dachfonds, der auch ETFs einsetzt.

Wie geht man am besten bei der Auswahl eines ETFs vor?

Entscheidend für die richtige Produktselektion ist die Zielsetzung des Investors. Ein langfristig orientierter Investor sollte sich an Kriterien wie der Performance nach Kosten orientieren, während ein auf kurzfristigen Handel spezialisierter Trader eher auf Aspekte wie Spread und Liquidität achten sollte.

Gibt es inzwischen nicht genug ETFs am Markt?

Das Problem ist weniger die Vielzahl der Produkte, sondern eher die fehlende Produktexpertise. Die Industrie hat dies erkannt und fördert mit Homepage-Inhalten und öffentlich zugänglichen Broschüren die Aufklärungsarbeit.

TEILEN
Vorheriger ArtikelSpekulationen zum Fortgang der Eurokrise
Nächster ArtikelAluminium – das Metall des 21. Jahrhundert
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.