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Intelligent in Anleihen investieren

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Robotik und Automatisierung ist ein äußerst dynamischer Wirtschaftszweig
Bernhard Wenger Vertriebsleiter Europa, ETF Securities

Vor einigen Tagen legte ETF Securities drei Smart-Beta-Anleihen-ETFs auf. Das EXtra-Magazin sprach mit Bernhard Wenger, Head of European Distribution bei ETF Securities, zu den Hintergründen der Emission.

Auf dem deutschen und europäischen ETF-Markt gibt es bereits zahlreiche Produkte auf Aktien-Strategie- bzw. Smart Beta-Indizes. Mit den drei neu aufgelegten Produkten werden nun auch Anleihestrategie-ETFs angeboten. Was spricht aus Ihrer Sicht für Smart Beta im Rentenbereich?

Wir haben auch beobachtet, dass es im Aktienbereich bereits zahlreiche ETFs auf intelligente Indexkonzepte gibt, die vom klassischen Marktkapitalisierungsansatz abweichen. Im Rentenbereich sieht dies jedoch anders aus. Dabei macht es auch hier Sinn, die traditionelle Gewichtungsmethodik zu hinterfragen. Denn Schuldtitel von Emittenten mit dem höchsten Anleihevolumen müssen nicht unbedingt die vom Anleger präferierten Wertpapiere sein. So empfiehlt der gesunde Menschenverstand, eher auf diejenigen Titel zu setzen, bei denen die Rückzahlung am wahrscheinlichsten ist. Daher sollten aus unserer Sicht andere Kennzahlen berücksichtigt werden.

Könnten Sie uns bitte das Auswahl- und Gewichtungsverfahren der drei neu aufgelegten ETFs etwas genauer erklären?

Die verschiedenen Indizes der Indexfamilie orientieren sich zunächst einmal an einem bestimmten Anlageuniversum, also zum Beispiel den OECD-Staaten. Die Auswahl der Titel unterscheidet sich dabei zunächst nicht von den äquivalenten traditionellen Anleihenindizes. Die Indexmethodik von Lombard Odier Investment Managers sieht allerdings ein spezielles Gewichtungsverfahren vor. Dieses basiert auf einem dreistufigen Ansatz. Der erste und wesentlichste Schritt ist die Berücksichtigung von fundamentalen Faktoren der Emittenten. So werden etwa bei den Indizes auf Staatsanleihen die Wirtschaftsleistung, das Verhältnis der Staatsverschuldung zum BIP und die politische Stabilität des Landes bewertet. Im zweiten und dritten Schritt wird die Gewichtung noch weiter optimiert, indem die Titel mit einer vergleichsweise höheren Liquidität und einem besserem Risiko-Rendite-Verhältnis stärker gewichtet werden.

Warum haben Sie sich dazu gerade Lombard Odier als Kooperationspartner ausgesucht?

Wir sind stets auf der Suche nach geeigneten Partnern, mit denen wir versuchen, innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Lombard Odier IM hat einen exzellenten Ruf, überzeugende und effiziente Investmentstrategien zu entwickeln, die einen wirklichen Mehrwert für Investoren bieten. Da das Unternehmen bereits als Grundlage für seine aktiven Investmentfonds Smart Beta Indizes entwickelt hat, lag es nahe, auch ETFs auf diese Indizes aufzulegen, um einer breiteren Investorenbasis Zugang zu diesen Strategien zu bieten. Dazu haben wir unsere Expertise und Erfahrung auf dem Gebiet der ETPs in die Partnerschaft eingebracht.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit den neuen ETFs besonders ansprechen?

Mit den neuen Smart Beta Anleihen-ETFs möchten wir sowohl private als auch institutionelle Anleger ansprechen. Da sich die Produkte durch ihre vergleichsweise geringen Kosten und hohe Transparenz als Kerninvestment eignen, unterstützen sie Privatanleger und Vermögensverwalter genauso wie Pensionsfonds oder Versicherungen dabei, ihr Portfolio noch ausgewogener zu gestalten.

Sie haben bereits einen Emerging Markets-Strategieindex-ETF angekündigt. Könnten Sie dazu schon etwas Näheres verraten?

Der geplante Emerging Markets Smart Beta ETF bildet Staatsanleihen von Schwellenländern in deren Landeswährung ab. Auch hier wird die gleiche Indexmethodik angewandt wie bei unserem ETF auf weltweite Staatsanleihen.

Inwieweit werden aus Ihrer Sicht Strategie-Indizes im Rentenbereich gerade in einem immer schwierigeren Marktumfeld klassische Rentenindizes ablösen?

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld bestimmt Investments im Rentenbereich schon seit einiger Zeit. Deshalb ist es gerade für festverzinsliche Anlagen erforderlich, neue, innovative Lösungen zu entwickeln. Denn diese können Anlegern Möglichkeiten bieten, auf die komplexe Marktsituation zu reagieren. Daher gehen wir davon aus, dass sich die Smart Beta Anleihenindizes schon bald als echte Alternative zu den klassischen Indizes etablieren. Denn über die neuen ETFs können Investoren ihre Kerninvestments in festverzinsliche Wertpapiere sinnvoll und kostengünstig zusammenstellen. Insbesondere macht die fundamentale Gewichtung mehr Sinn als klassische Produkte auf festverzinsliche Wertpapiere.

ETF Securities ist hierzulande vor allem mit seinen Rohstoff- und Währungs-ETCs bekannt. Soll Smart Beta im Rentenbereich künftig ein weiterer Schwerpunkt in Ihrer Produktpalette werden und wie sehen die weiteren Pläne dazu aus?

Ja, es ist richtig, dass wir uns bisher vor allem auf Rohstoff- und Währungs-ETCs konzentriert haben. Aber wir erweitern unser Angebot seit einigen Jahren kontinuierlich um weitere Themen und Anlageklassen, wie etwa Short- und gehebelte Produkte oder thematische ETFs. Dies zeigt die grundsätzliche Ausrichtung unserer Produktstrategie: Bisher schwer zugängliche Märkte über börsengehandelte und besicherte Produkte für alle Anlegertypen zu erschließen und intelligente Alternativen zur Diversifizierung des Portfolios anzubieten. Smart Beta ETFs passen daher sehr gut zu unserer Strategie. Wir planen, gemeinsam mit Lombard Odier IM noch in diesem Jahr weitere Smart Beta ETFs aufzulegen.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.