Start Interview iShares: „Es wird schwieriger, die Dynamik aufrechtzuerhalten“

iShares: „Es wird schwieriger, die Dynamik aufrechtzuerhalten“

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Dr Dirk Klee

Das EXtra-Magazin im Interview mit Dr. Dirk Klee, Deutschland-Chef von BlackRock, über aktuelle Entwickungen bei iShares und Trends in der ETF-Industrie.

Herr Dr. Klee, iShares konnte europaweit im ersten Quartal bereits 4,2 Mrd. US -Dollar neue Gelder einsammeln. Woran lag das und welche Produkte waren besonders gefragt?

Das unterstreicht, dass der Nachfragetrend zu ETFs ungebrochen ist. Das ETF-Vermögen in Europa liegt nun erstmals über der 300-Mrd.-Dollar-Marke. Insgesamt haben europäische Anleger im ersten Quartal 10 Mrd. Dollar neu in börsengehandelte Indexfonds investiert. Wir freuen uns natürlich, dass uns die Kunden den Löwenanteil dieser Neugelder anvertraut haben. ETFs sind generell ein guter, schneller Gradmesser für das Anlegerverhalten. Im vergangenen Jahr sind Anleger in höher rentierliche, aber auch risikoreichere Anlageklassen zurückgekehrt. Da standen ETFs auf Schwellenländeraktien ganz oben auf unserer Absatzliste. Mittlerweile sind entwickelte Märkte wieder mehr gefragt, etwa Produkte auf den S&P 500, den DAX oder den Stoxx Europe 600. Auf der Rentenseite ist es unser neues Produkt auf den High Yield Corporate Bond Index.

Welche Entwicklungen im ETFMarkt sehen Sie für das Jahr 2011? Was wird es aus Ihrem Haus alles Neues geben?

Wir rechnen weiterhin mit großem Erfolg für ETFs, es ist aber auch klar, dass es desto schwieriger wird, die Dynamik aufrechtzuhalten, je größer der Markt wird. Wichtige Volumen-Märkte sind besetzt. Neue Produkte werden deshalb nur noch dann hohe Volumina erreichen, wenn sie echte Neuerungen sind, also eine neue Assetklasse oder einen neuen Markt erschließen. Es reicht nicht mehr aus, den x-ten Euro Stoxx 50 ETF in den Markt zu stellen und davon auszugehen, dass das ein Selbstläufer wird. Mehr Wettbewerb bedeutet, dass die Anbieter sich und ihre Produkte differenzieren und mehr Ressourcen in den Produktsupport und die Kundenbetreuung stecken müssen. Wer erfolgreich in die vielzitierte „Investor Education“ investiert, hat auch nach über zehn Jahren ETF-Historie nach wie vor einen Wettbewerbsvorteil. Wir werden unser bereits sehr breites Angebot selektiv ausbauen, in den Bereichen Anleihen, Rohstoffe und Schwellenländer.

Kürzlich haben Sie währungsgesicherte ETFs emittiert, wie kommen die Produkte bisher bei den Anlegern an?

Unsere Kunden sehen die Produkte als stimmige Ergänzung unserer Produktpalette. Bei den Zuflüssen liegt die währungsgesicherte Variante des iShares MSCI Japan vorne, es folgen S&P 500 und MSCI World.

Ihr Monopol auf den S&P 500 Index ist vor ein paar Monaten gefallen, es scheint Ihnen aber keinen Nachteil gebracht zu haben, oder?

Nein, im Gegenteil. Der iShares S&P 500 verzeichnete dieses Jahr bereits einen Nettomittelzufluss von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Das verwaltete Vermögen des Fonds liegt bei 9,3 Milliarden. Damit ist er inzwischen der größte ETF in Europa. Er setzt auch Maßstäbe in puncto Liquidität und Kosteneffizienz: Im Durchschnitt hatte der Fonds im Jahr 2010 ein Handelsvolumen von 69 Millionen US-Dollar pro Tag und kann mit einem durchschnittlichen Spread von konstant unter 10 Basispunkten gehandelt werden.

Sie konzentrieren sich auf die Auflage von ETFs, den Handel Ihrer Produkte übernehmen Market Maker. Entgeht Ihnen hier nicht ein großer Teil der Erträge?

Unser Kerngeschäft ist das Asset Management. Wir sind die Treuhänder unserer Anleger. Darauf wollen wir uns auch künftig konzentrieren, denn wir sind von den Vorteilen unseres Modells überzeugt. Wenn mehrere Market Maker Kurse für einen ETF stellen, führt dieser Wettbewerb tendenziell zu engeren Geld-Brief-Spannen und höherer Liquidität. Anleger haben dadurch die Gewissheit, dass sie nicht nur zu guten Preisen kaufen, sondern auch zu ebenso fairen Kursen verkaufen können.

Es gibt Gerüchte, dass Sie Exchange Traded Commodities und aktiv gemanagte ETFs herausbringen möchten, ist da was dran?

iShares hat Mitte April vier ETCs an die Londoner Börse gebracht. Sie bilden jeweils die Spot-Preise von Gold, Silber, Platin und Palladium am Londoner Markt ab. Die Produkte sind eine konsequente Ergänzung unserer Produktpalette, um Anlegern Zugang zu einzelnen Rohstoffen zu verschaffen, und zwar in einer transparenten und liquiden Form. Die iShares ETCs sind physisch mit den Metallen hinterlegt. Wir rechnen damit, dass sie im vierten Quartal in Deutschland gelistet werden.

Sind für iShares auch Privatanleger interessant? Die meisten ETFAnbieter adressieren ja ganz klar institutionelle Investoren.

Ja. Wir sind überzeugt, dass ETFs bei Privatanlegern noch viel Potenzial haben. Wir adressieren das Segment beispielsweise über Kooperationen mit Direktbanken, über Seminare oder als Aussteller auf Finanzmessen. Zudem legen wir viel Wert auf Transparenz und laufende Informationen für Anleger.

Die Katastrophe in Japan hat Investments auf alternative Energien wieder in den Fokus gerückt. Sie haben einen ETF auf diesen Sektor im Angebot – wie hat sich das Produkt zuletzt verhalten?

Dem iShares S&P Global Clean Energy sind zwischen dem 11. März und dem 12. April über 30 Millionen Euro zugeflossen; die Performance betrug in dem Zeitraum 11,1 Prozent. Der Fonds verwaltet nun mehr als 200 Mio. Euro.

Wie sollen Anleger Ihrer Meinung nach am besten vorgehen um ein Portfolio mit ETFs zu konstruieren?

Mit ETFs können Anleger eine kostengünstige und transparente Asset Allocation erzielen, also die Aufteilung ihres Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Inzwischen ist es möglich, ein gesamtes Portfolio ausschließlich mit ETFs zu bestücken, denn Anleger finden mittlerweile für fast jeden Markt ein passendes Produkt. Wie bei jeder Anlageentscheidung müssen sich Anleger zunächst über ihre Risikotragfähigkeit, ihren Anlagehorizont und ihr Anlageziel klar werden. Tools wie etwa der Korrelationsrechner, den wir auf unserer Website anbieten, helfen dann bei der eigentlichen Portfoliokonstruktion. Dort stellen wir auch beispielhaft Musterportfolios vor – für eine eher defensive, ausgewogene oder auch offensive Allokation, die Anleger einfach nachbauen können.

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