Start Interview Langfristig strukturiert investieren statt zu zocken

Langfristig strukturiert investieren statt zu zocken

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MartingWeber

Es sind derzeit sehr turbulente Zeiten an den Finanzmärkten und viele Anleger fragen sich, wie Sie sich jetzt richtig positionieren können. Das EXtra-Magazin sprach mit Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Weber, Manager und Entwickler des ARERO-Konzepts, über die aktuelle Situation sowie Währungs- und Zinseinflüsse auf Geldanlagen.

Es sind turbulente Zeiten an den Finanzmärkten. Ist es jetzt an der Zeit das Portfolio aktiv zu steuern?

Die Psychologie signalisiert uns das Bedürfnis die Marktsituation aktiv zu steuern, aber das ist nicht sinnvoll. Denn gerade jetzt sind die Chancen eine Fehlentscheidung zu treffen sehr hoch. Wichtig ist, dass man sich eine Investmentregel definiert, also eine Portfoliozusammenstellung überlegt. Diese sollte man dann strikt einhalten. Natürlich kann das Portfolio von Zeit zu Zeit angepasst werden (Rebalancing), aber immer die Ruhe zu bewahren ist bei der Geldanlage die erste Bürgerpflicht. Innerhalb der Anlagen sollte man zudem breit streuen, das lässt sich mit ETFs sehr gut umsetzen.

Viele Anleger vergessen die Währungskomponente bei ihrer Geldanlage – was ist damit gemeint und welche Auswirkung kann diese haben?

In den Medien werden uns Marktdaten von S&P 500 oder Nikkei 225 immer in der lokalen Währung angegeben. Dabei vergisst man als europäischer Anleger sehr gerne die Währungskomponenten. Betrachtet man ein Weltportfolio, das in viele internationale Aktienmärkte investiert, macht der US-Dollar und auch der japanische Yen einen großen Anteil aus. Gerade im Verlauf der Eurokrise haben diese Märkte Euro-Anlegern schöne Währungsgewinne gebracht. So stieg der S&P 500 Index in US-Dollar in diesem Jahr um 8,9 Prozent. Ein Euro-Anleger hat aber gut 13 Prozent gewonnen. Ein ordentlicher Mehrertrag, den man sicherlich so nicht erwartet hatte. Das trifft auch auf viele andere Währungen gegenüber dem Euro zu.

Blickt man auf europäische Staatsanleihen denkt man zuerst an die Verluste bei Spanien und Italien Bonds – dennoch konnten Renten-ETFs auf europäische Staatsanleihen profitieren – woran liegt das?

Viele Anleger bedenken die Funktionsweise von Anleihen nicht. Denn wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse von bestehenden Anleihen an. Dies konnte in den letzten Monaten vor allem bei deutschen oder französischen Staatsanleihen beobachtet werden. Steigen die Zinsen bei Ländern wie Spanien oder Italien an, fallen zwar die Anleihekurse, bieten aber dafür im Gegenzug eine attraktivere Verzinsung. Zudem gibt es im Bereich der Rentenindizes eine natürliche Bereinigung, denn die schlechten Länder werden von Fall zu Fall aus den Indizes herausgenommen.

Ihr ARERO Indexfonds investiert zu 60 Prozent in Aktien – ist das nicht ein wenig zu offensiv in der aktuellen Situation?

Eine aktuelle Situation gibt es eigentlich bei uns nicht. Wir sehen nicht, was heute konzeptionell anders sein soll als in den letzten 200 Jahren. Es gab immer wieder Phasen mit gravierenden Krisen. Trotzdem hat der US-Aktienmarkt in den letzten 200 Jahren rund 7 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Daran orientieren wir uns. Aktien sind Sachanlagen und man kann langfristig immer einen Ertrag erwarten. Aus meiner Sicht wird die Aktienanlage falsch „verkauft“. Schnelle Gewinne stehen zu sehr im Vordergrund. Aktien sind vielmehr ein Mittel, um sich an Unternehmen und deren Wertschöpfung zu beteiligen. Mit ETFs und Indexfonds kann sich heute jeder Anleger ganz einfach und für wenig Geld an unzähligen Unternehmen beteiligen. Das ist die wahre Revolution der Geldanlage. Also nicht zocken, sondern langfristig strukturiert investieren.

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