Start Interview Lyxor-ETF: „Wir werden uns nicht ausruhen!“

Lyxor-ETF: „Wir werden uns nicht ausruhen!“

119
simon_klein

Mit einer ETF-Charta verpflichtet sich der ETF-Anbieter zur Einhaltung bestimmter Qualitätsregeln. Im Gespräch mit dem EXtra-Magazin erläutert Simon Klein, Head of Lyxor ETF Europa, die Kernpunkte dieser Selbstverpflichtung.

Wie haben Sie in den letzten Wochen die Kritik an den ETFs wahrgenommen?

Wir nehmen die ETF-Kritik, insbesondere von den Regulatoren, sehr ernst. Die zentralen Punkte, wie beispielsweise eine fehlende Transparenz und mangelnde Offenlegung der Kontrahenten bei Swap- Geschäften, haben wir durch die Einführung von Qualitätsstandards für unsere Produkte ausgeräumt. Allerdings nehmen wir auch wahr, dass die Kritik an ETFs sehr einseitig, vielfach überzogen und in einigen Fällen politisch motiviert ist. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Risiken von ETFs, die wie unsere Produkte physische Assets in Kombination mit einem Swap im Fondsvermögen halten, genauso groß sind wie die von voll replizierenden ETFs, die Wertpapierleihe betreiben. Hinzu kommt, dass das durch die Leihe entstehende Kontrahentenrisiko für Anleger intransparent und das Collateral zudem häufig kaum diversifiziert und von geringerer Qualität ist. Es gibt daher aus Risikogesichtspunkten keinen Grund, voll replizierende Produkte, die in der Regel auch teurer sind, zu bevorzugen. Selbstverständlich stehen wir, so wie bisher, im direkten Austausch mit den relevanten Gremien und diskutieren in konstruktiver Weise unsere Standpunkte. Wir haben dabei nicht das Gefühl, Wogen glätten zu müssen. Das gilt insbesondere für die Investorenseite. Unsere Kunden honorieren unsere gelebte Transparenz, sie können dadurch die Produkte noch besser verstehen und nachvollziehen, was wir täglich machen. Auch wenn ein gewisser Vertrauensverlust in der Branche durchaus spürbar ist.

Die ETF-Anbieter halten sich alle an die gesetzlichen Regeln, dennoch kommt Kritik von den Regulierungsbehörden – ist das ein Widerspruch?

Es ist selbstverständlich, dass sich ETFAnbieter an die UCITS-Regelungen halten. Die Kritik von Regulierungsbehörden ist insofern widersprüchlich, als dass sie sich ausschließlich auf den stark wachsenden Markt der ETFs bezieht. Andere Investmentvehikel, wie beispielsweise Garantiefonds, können ebenso derivative Instrumente einsetzen. Nur auf die ETFBranche zu zeigen und sie als einzige an die Regulierungs-Kandare nehmen zu wollen, verkürzt die Diskussion. Lyxor hat seine Hausaufgaben gemacht: Wir liefern schon heute die Transparenz, die andere Investmentfondsanbieter künftig noch schaffen müssen.

Sie haben Ende Oktober eine ETF-Charta veröffentlicht. Erläutern Sie uns bitte die wesentlichen Bestandteile.

Die Lyxor ETF Charta hält fest, wie und mit welchen Qualitätsstandards wir arbeiten. Viele Aspekte sind für uns nicht neu, weil wir sie verinnerlicht und schon immer nach diesen Maßstäben gehandelt haben. Neu ist, dass wir unseren Kunden diese Qualitätsstandards – physisch gesprochen – als einen Nachweis für unsere Verlässlichkeit schwarz auf weiß an die Hand geben. Als Qualitätsanbieter erfüllt Lyxor mit der ETFCharta drei wesentliche, übergreifende Kundenanforderungen: Transparenz, Effizienz und Liquidität. So veröffentlichen wir täglich alle wichtigen Informationen – wie die Anlagewerte der Fonds, die Höhe des Kontrahentenrisikos und Details zum jeweiligen Kontrahenten bei den betreffenden Swap-Geschäften. Des Weiteren haben wir uns zum Ziel gesetzt, das Kontrahentenrisiko für jeden Lyxor ETF auf täglicher Basis auf null zu reduzieren – also deutlich unter die von den UCITS-Vorschriften erlaubte Höchstgrenze von 10 Prozent. Beim Index-Tracking streben wir einen Tracking Error an, der unter einem Prozent liegen soll und den wir für jeden ETF veröffentlichen. Wir haben für die Qualität des Asset Managements klare Maßgaben gesetzt: Das Fondsvermögen, das von Lyxor ETFs gehalten wird, liegt in Form von Wertpapieren vor, die nicht an Dritte verliehen werden. Die Wertpapiere werden dabei in Form eines Sondervermögens ausschließlich zum Nutzen des jeweiligen Fonds verwaltet. Schließlich setzen wir auf einen klar definierten Creation-und-Redemption-Prozess mit autorisierten Marktteilnehmern. So stellen wir die Effizienz und Liquidität des Primär- und Sekundärmarktes sicher. Wir verpflichten uns dazu, mehrere autorisierte Marktteilnehmer (Authorised Participants – APs) sowie mehrere Market Maker zu nutzen. Derzeit arbeiten Lyxor und die Société Générale mit mehr als 45 APs zusammen – ein liquider Handel über die Börse wird durch 15 Market Maker sicher gestellt. Die Handelsqualität auf den Sekundärmärkten wird durch die Listings an mehreren Börsen sowie eine kontinuierliche Preisstellung gewährleistet. Die Kunden können also auswählen, wo und mit wem sie handeln möchten.

Investoren möchten eine punktgenaue Indexabbildung, dabei allerdings keine Risiken durch Derivate eingehen. Wie begegnen Sie dieser Stimmung?

Kein ETF bietet eine punktgenaue Abbildung. Investoren wissen das und akzeptieren durchaus den Einsatz von Derivaten – genau dann, wenn sie wissen, wie und welche derivativen Instrumenten eingesetzt werden. Diese Transparenz liefert Lyxor den Kunden, wenn wir unseren Qualitätsanspruch erfüllen, einen Index mit einem Tracking Error von maximal einem Prozent abzubilden. Denn kein Investor will ein Risiko eingehen, das er nicht versteht. Hinzu kommt, dass viele Indizes – wie zum Beispiel Rohstoff- oder Emerging-Markets- Indizes – effizient nur über die synthetische Replikationsmethode abbildbar sind. Zudem darf man nicht vergessen, dass der ETF-Markt noch relativ jung ist. Wir stehen am Beginn einer Transparenz- und Informationswelle für Anleger. Insofern sind die derzeitigen ETF-Diskussionen für die Branche und die Kunden durchaus bereichernd. Denn jetzt zeigt sich, wer als Anbieter gut aufgestellt ist und gesetzliche Qualitätsstandards übererfüllen kann.

Eine große Rolle spielt auch der Handel von ETFs. Sie haben einige Produkte auf marktenge Indizes wie z. B. Griechenland oder auch Derivate-Strategien. Ist die Liquidiät dort stets gewährleistet?

Lyxor bietet ein Höchstmaß an Liquidität. Das schaffen wir, indem wir unser ETF-Geschäft intelligent in die gesamte Wertschöpfungskette unserer Gesellschaft und in das Investmentbanking der Société Générale integriert haben. Damit profitiert Lyxor vom Know-how und den Marktzugängen des Investmentbankings. Nur ein solches Set-up ermöglicht es ETF-Anbietern, durchdachte Indexfonds-Konzepte auch auf marktenge Indizes zu entwickeln, umzusetzen und eine ausreichende Liquidität zu gewährleisten. Für ETF-Anbieter, die ausschließlich Vermögensverwalter oder Asset Manager sind und keinen Investmentbanking-Hintergrund haben, gestaltet sich eine solche Produktentwicklung aufgrund der fehlenden Expertise und Marktzugänge vergleichsweise schwer.

Thema Kosten: Wie möchten Sie künftig damit umgehen? Sind bei Ihnen alle Kosten transparent dargestellt?

ETFs unterliegen den UCITS-Regelungen. Daher ist es selbstverständlich, dass alle Gebühren, die der Asset Manager erhält, im Key Investors Information Document (KII D) aufgeführt sind. Darüber hinaus haben wir uns entschlossen, keine Indizes abzubilden, bei denen auf Indexebene Gebühren anfallen, was entsprechend in unserer Charta fixiert ist. Wir gehen sogar darüber hinaus: Insgesamt bietet Lyxor volle Transparenz im Hinblick auf die Kosten für den Creationund -Redemption-Prozess. Auch Information über die Kosten sind für autorisierte Marktteilnehmer zu jeder Zeit einsehbar.

Sie bieten hauptsächlich Swap-ETFs. Auf welche Handelspartner greifen Sie bei den Swaps in den ETFs zurück?

Wie unter UCITS-IV festgelegt, verfolgen wir das Best-Excecution-Prinzip. Wir prüfen also sehr genau, mit wem wir zusammenarbeiten. Dabei sind selbstverständlich andere Anbieter als Société Générale möglich. Unabhängig davon tritt letztlich als Kontrahent immer Société Générale auf, so dass auch in dieser Frage völlige Transparenz besteht.

Welche Ziele haben Sie sich für 2012 gesetzt? Wird es neue Produkte geben?

Lyxor wird auch weiterhin am schnell wachsenden ETF-Markt partizipieren, wobei wir unsere Rolle als führender Liquiditätsprovider natürlich nicht nur behalten, sondern auch ausbauen wollen. Dazu setzen wir auf Produkte wie zum Beispiel den Lyxor ETF MSCI ACWI, die alle Assetklassen abdecken und auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind. Außerdem werden wir in Kürze neue Rohstoff-ETFs und ETFs auf Staatsanleihen bester Qualität listen. Daneben gilt es, den Service immer wieder zu verbessern. Das gilt insbesondere für unsere zugesagten Qualitätsstandards.