Start Interview Lyxor: „Die Verbesserung der Liquidität nutzt letztendlich allen“

Lyxor: „Die Verbesserung der Liquidität nutzt letztendlich allen“

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Lyxor Heike Fürpass-Peter
Heike Fürpass-Peter, Leiterin öffentlicher Vertrieb ETF Deutschland und Österreich

Der ETF-Emittent Lyxor optimiert die ETF-Produktpalette. Das EXtra-Magazin sprach mit Heike Fürpass-Peter, die bei Lyxor den öffentlichen Vertrieb ETFs Deutschland und Österreich leitet.

Lyxor hat begonnen, seine ETF-Produktpalette zu optimieren. Was ist darunter zu verstehen, und was bedeutet dies konkret für die Anleger?

Wir nehmen regelmäßig unser gesamtes Angebot unter die Lupe, um herauszufinden, ob es den Bedürfnissen der Anleger noch vollständig  entspricht. Die aktuelle Überprüfung hat Optimierungsbedarf in vier Bereichen ergeben. Erstens, werden wir die Quote unserer physisch replizierenden Fonds  weiter ausbauen. Zweitens, die regulatorische Ausgestaltung unserer ETFs. Hier folgen wir dem Wunsch vieler europäischer Anleger, und wenden uns verstärkt SICAV-Konstruktionen zu, die aus steuerlicher und bilanzieller Sicht unkomplizierter sind. Drittens, wollen wir die Liquidität unserer ETFs weiter verbessern. Hierzu legen wir Anteilsklassen zusammen, um die Liquidität zu bündeln und Geld-Brief-Spannen zu senken. Und viertens, schließen wir insgesamt zehn ETFs, für die auch nach zwei Jahren kein ausreichendes Anlegerinteresse zu erkennen ist.

Mit diesen Maßnahmen wollen Sie die Stellung am Markt festigen und neue Kundensegmente erschließen. Um welche handelt es sich dabei?

Die Verbesserung der Liquidität nutzt letztendlich allen, sowohl  großen institutionellen Anleger als auch Endanlegern. Die Liquidität ist ein ausschlaggebender Faktor für die Gesamteffizienz eines ETFs, und spielt eine wichtige Rolle bei unseren Bemühungen, die Handelskosten auf ein Minimum zu begrenzen. Die Effizienz unserer ETFs steht auch im Mittelpunkt der Frage nach der Replikationsmethode. Wir werden in den kommenden Monaten weitere ETFs auf die physische Replikationsmethode umstellen, weil wir glauben, dass sich dadurch deren Performance verbessern lässt. Das heißt nicht, dass wir uns von der synthetischen Replikation verabschieden. Für komplexe und weniger liquide Strategien ist diese Methode nach wie vor die bessere Wahl und daher häufig unverzichtbar.

Was bedeutet dies für die Auflage neuer ETFs und die künftige Unternehmenspolitik?

Mit Blick auf die Zukunft ist es uns wichtig, dass wir mit den sich stetig ändernden Bedürfnissen unser Kunden Schritt halten können.  Jeder Kunde soll bei uns die Produkte finden, in die er einfach, effizient und kostengünstig investieren kann. Dazu gehört, dass wir bestehende Produkte wie jetzt geschehen verbessern, neue ins Angebot aufnehmen, und uns von bestehenden ETFs verabschieden, wenn sie den Kundenwünschen nicht mehr entsprechen.

Sie legten zuletzt einen ETF auf japanische Dividendentitel fundamental starker Unternehmen auf. Welche Kriterien spielen bei der Beurteilung der Dividenden-Nachhaltigkeit eine Rolle?

Die Aufnahme Japans in die Lyxor Quality Income Produktreihe erfolgte vor dem Hintergrund der verbesserten Dividendenrenditen in Japan. Unterstützt werden die Dividendenperspektiven durch gute Bilanzen und eine hohe Liquidität bei vielen japanischen Unternehmen. Bei der Zusammenstellung des Index wird vor allem auf Profitabilität, Liquidität sowie auf die operative Effizienz der Unternehmen geachtet. Beim Blick auf die Profitabilität kommt es unter anderem auf den  ROA, den Cashflow aus dem operativen Geschäft und auf die Gewinnqualität an. Bei der Liquidität geht es neben der Schuldenentwicklung des Unternehmens auch um die Frage der Neuausgabe von Aktien. Und bei der operativen Effizienz schauen wir neben dem Bruttobetriebsgewinn auch auf die Umsatzentwicklung.

Was unterscheidet dieses Produkt von konkurrierenden Produkten auf japanische Dividendenaktien?

Quality Income. Wie der Name unserer Produktpalette schon sagt, strebt unser ETF nicht danach, höchst mögliche Dividenden, sondern über einen langen Zeitraum nachhaltig hohe Ausschüttungserträge zu vereinnahmen. Ein zweiter wichtiger Fokus liegt auf der Risikobegrenzung. Wir versuchen durch die Kombination von Qualitätskriterien und Kriterien des „Distance to Default-Ansatzes“, der die Bilanzstärke von Unternehmen misst, das Risiko möglichst zu begrenzen.

Die Aufnahme Japans in die Lyxor Quality Income-Produktreihe erfolgte infolge verbesserter Dividendenrenditen in Japan. Könnten Sie das etwas konkretisieren. Mit welchen Dividendenrenditen können Anleger dabei rechnen?

In Japan kam es in den letzten Jahren zu einem spürbaren Dividendenwachstum. Tatsächlich liegen die durchschnittlichen Dividendenrenditen dort mit 2,27 Prozent sogar etwas höher als in den USA. Hinzu kommt die geringe Auszahlungsquote in Japan. Dortige Unternehmen betreiben also eine Ausschüttungspolitik mit Augenmaß, die auch die Reinvestition von Gewinnen im Blick behält. Das spricht für nachhaltig attraktive Dividenden.

Wie wird die Quality Income-Produktreihe insgesamt von den Anlegern angenommen?

Dividenden sind der neue Zins. Diese Einschätzung der Investoren spiegelt sich auch in den Mittelzuflüssen unserer Quality Income ETFs wider. Insgesamt verwalten wir dort aktuell über 1,3 Mrd. Euro. Ich denke, dass unser aktuelles Japanangebot dieses Ergebnis weiter verbessern wird.

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende. Wie ist ihre vorläufige Jahresbilanz?

Wir sind sehr zufrieden. Wenn alles weiter so gut läuft können wir bis Ende des Jahres auf über zehn Milliarden Euro Nettomittelzuflüsse in unsere ETFs verbuchen. Das hilft uns, weitere Marktanteile zu gewinnen und es hat uns bereits ermöglicht, zur Nummer 2 im Markt aufzuschließen.