Start Interview „Man sollte A- und H-Aktien in einem Portfolio berücksichtigen“

„Man sollte A- und H-Aktien in einem Portfolio berücksichtigen“

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Marco Montanari Deutsche AWM klein

Die Einbeziehung chinesischer A-Aktien in die großen regionalen und globalen Indizes von MSCI erfolgt erst nach Beseitigung einiger Markthindernisse. Zuletzt mussten A-Aktien auch noch kräftig Federn lassen. Das EXtra–Magazin sprach dazu mit Marco Montanari, Head of Passive Asset Management, Asia Pacific, der Deutsche Asset & Wealth Management.

MSCI hat nun A-Aktien doch noch nicht in seine Indizes eingeschlossen. Noch seien einige wichtige Markthindernisse zu beseitigen. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Die Meldung ist an den Märkten neutral aufgenommen wurden. Ich denke, es wurde allgemein erwartet. Die Entscheidung spiegelt wieder, dass sich der chinesische Kapitalmarkt gerade in letzter Zeit sehr schnell geöffnet hat. Aber es fehlen noch ein paar Punkte, bevor er auch von den größten Indexanbietern in die Indizes aufgenommen werden kann.

Welche Bedeutung haben A-Aktien für die globalen Aktienmärkte nach dem jüngsten Kursrutsch?

Sie sind sehr wichtig. Zuletzt war der chinesische A-Aktienmarkt sogar der Markt mit dem höchsten Handelsvolumen weltweit, und bei der Marktkapitalisierung liegt er an Nummer zwei weltweit. Der A-Aktienmarkt ist größer als der japanische Aktienmarkt und liegt nur noch hinter dem US-Markt. Zwar haben die Aktienindizes in Shanghai und Shenzhen in den letzten Wochen verloren. Nach der starken Kursrally am Jahresanfang bedeutet das jedoch lediglich, dass die Niveaus von Anfang April erreicht wurden.

Was bedeutet diese mittelfristige Aufnahme von A-Aktien für den Anleger?

Nach einer kürzlich von Deutsche Bank Research veröffentlichte Studie wird geschätzt, dass eine Einbeziehung von 10 Prozent des A-Aktienmarktes in die MSCI-Indizes zu einem Zufluss von mehr als 55 Milliarden US-Dollar führen könnte. Eine vollständige Einbindung der A-Aktien könnten neue Anlagen von 450 Milliarden US-Dollar bedeuten. Eine vollständige Einbindung in FTSE-Indizes würden außerdem Zuflüsse von 120 Milliarden US-Dollar bedeuten.

Mit dem db x-trackers Harvest CSI 300 UCITS ETF verfügen Sie selbst über einen großen ETF auf chinesische A-Aktien. Sehen Sie infolge dieser Entwicklung eine verstärkte Nachfrage nach diesem Produkt?

Der db x-trackers Harvest CSI 300 UCITS ETF ist der größte in Europa gelistete A-Aktien-ETF. Er verwaltet mehr als 500 Millionen US-Dollar, Stand 15. Juni 2015. Allerdings muss man dabei sehen, dass das verwaltete Volumen aller ETFs, die den chinesischen Aktienmarkt abbilden – seien es A- oder H-Aktien – erst drei Prozent des gesamten ETF-Volumens in Europa ausmacht. Diese Relation macht deutlich, welches Wachstumspotential noch in China-ETFs steckt. Als führender Anbieter von ETFs auf A-Aktien, sehen wir uns gut positioniert, an diesem Trend zu partizipieren.

Die Wachstumsraten in China sind zuletzt gesunken, trotzdem gehört der chinesische Aktienmarkt trotz der jüngsten Schwankungen 2015 zu den renditeträchtigsten Märkten. Was treibt diesen Markt insgesamt?

Es ist eine Kombination verschiedener Faktoren. Zum einen haben viele chinesische Investoren vom Immobiliensegment in den Aktienbereich umgeschichtet. Außerdem haben geldpolitische Anreize der chinesischen Behörden den Aktienmarkt gestützt, es wurden einige strukturelle Reformen umgesetzt, und einiges mehr. Lassen Sie uns zudem eines nicht vergessen. Im Gegensatz zum US- und einigen europäischem Märkten hat der chinesische Aktienmarkt noch nicht wieder die Rekordstände von vor der Finanzkrise erreicht.

Mancher Analyst sieht das größere Aufwärtspotential aktuell eher bei chinesischen H-Aktien. Sehen Sie dies auch so?

Es ist richtig, dass zurzeit einige H-Aktien mit einem Bewertungs-Abschlag gehandelt werden im Vergleich zu A-Aktien. Jedoch geben viele Unternehmen, die A-Aktien an der Börse von Shanghai oder Shenzhen gelistet haben, keine H-Aktien an der Hongkonger Börse aus. Nimmt man den wichtigsten Index für A-Aktien, den CSI300, dann liegt nur etwa 40 Prozent der Marktkapitalisierung in Aktien, die gleichzeitig auch H-Aktien gelistet haben. Man muss auch sehen, dass historisch nur Unternehmen aus ganz bestimmten Sektoren ihre Aktien in Hongkong gelistet haben, so wie zum Beispiel Energie, Telekom und Finanzwerte. Wenn Anleger also Zugang haben möchten zu eher dynamischen Sektoren wie Gesundheitswesen oder Konsumgütern, haben sie im A-Aktiensegment eine viel größere Auswahl. Aus diesen Gründen könnte es für Anleger sinnvoll sein, beide Aktiensegmente – A-Aktien und H-Aktien – in einem Portfolio zu berücksichtigen.

Was sollten Anleger wissen, wenn Sie in chinesische A-Aktien investieren?

Anleger sollen sich die Dokumente wie den Verkaufsprospekt oder das Informationsblatt durchlesen, und ihnen sollte bewusst sein, dass China immer noch ein Schwellenland ist – auch wenn es sich um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt handelt. Es ist zwar richtig, dass der chinesische Aktienmarkt im vergangenen Jahr über 100 Prozent zugelegt hat. Dies zeigt aber auch, dass dieser Markt mit hohen Schwankungen verbunden ist, was auch mit bedeutende Risiken verbunden sein kann.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.
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