Start Interview „Mir gefällt das simple und klare Produktversprechen“

„Mir gefällt das simple und klare Produktversprechen“

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MichaelGruener Interview

Das EXtra-Magazin spricht mit Michael Gruener, dem neuen Vertriebschef von iShares, über seine erste Monate im neuen Job und aktuelle Entwicklungen des ETF-Marktes.

Herr Grüner, seit etwas mehr als vier Monaten sind Sie jetzt neuer Vertriebschef von iShares. Wie haben Sie sich in die Welt der ETFs eingelebt?

Auf der Entscheiderebene kenne ich viele unserer Kunden bereits aus meiner früheren Tätigkeit. Aus dieser Sicht ging die Eingewöhnung recht schnell. Unterschiede ergeben sich eher aus der Produktperspektive: Der ETF bietet als Instrument zusätzlich zur strategischen Asset Allocation auch sehr viele Möglichkeiten im taktischen Bereich. Die Verknüpfung zum täglichen Geschehen an den Kapitalmärkten ist dadurch deutlich stärker, und meine Welt ist insofern etwas schneller geworden. Zudem ist die Aufgabe ganzheitlicher. Wir kümmern uns um das ganze „Ökosystem“ rund um das Produkt, also auch um Unterstützung beim Handel und Fragen zu Aspekten des Portfoliomanagements.

Was fasziniert Sie selbst an ETFs?

Mir gefällt das simple und klare Produktversprechen, das ETFs abliefern, gepaart mit den vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten bei der strategischen und taktischen Asset Allocation. Hinzu kommt das Wachstumspotenzial, das unverändert in der Branche steckt. Der ETF wird sich als transparentes und einfaches Instrument weiter durchsetzen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Industrie ist so gut wie nie zuvor in ein Jahr gestartet und verzeichnete im ersten Quartal weltweit Mittelzuflüsse von 67,3 Milliarden US-Dollar.

Lange Zeit waren Sie bei Goldman Sachs für den Vertrieb aktiver Fonds zuständig. Ist es derzeit einfacher, passive Indexinstrumente zu vertreiben als aktive Fonds?

Für aktive Fonds wird es immer einen Platz geben, solange sie wirklich aktiv sind und ihre Gebühren verdienen. Im derzeitigen Marktumfeld – getrieben von Volatilität und ständigen Wechseln zwischen „risk-on“ und „risk-off“ – ist es für aktive Fondsmanager mit traditionellen Stock- oder Bond-Picking-Ansätzen sicherlich schwieriger, Überrenditen zu generieren. ETFs scheinen mir derzeit das geeignetere Instrument zu sein, um Risikopositionen schnell auf- oder abzubauen.

Welche ETF-Trends sehen Sie derzeit?

Wir glauben, dass Renten-ETFs der nächste große Wachstumstreiber für die Branche sein werden. Die Produkte machen erst einen geringen Teil des Gesamtmarktes für Anleihen aus, wachsen aber überdurchschnittlich stark: 2011 sind den festverzinslichen ETFs global rund 50 Mrd. Dollar zugeflossen. In den ersten vier Monaten 2012 waren es erneut bereits 25,5 Mrd. Dollar. Ein zweiter Trend könnte in alternativen Indexgewichtungen liegen. Klassische marktkapitalisierungsgewichtete Benchmarks werden ohne Frage dominierend bleiben. Allerdings fragen Investoren zunehmend nach Varianten wie beispielsweise Minimum-Varianz-Ansätzen oder Indizes, die auf den Bruttoinlandsprodukten der abgebildeten Länder basieren. Drittens halten ETFs zusehends in der Retail-Welt Einzug. Immer mehr Vermögensverwalter und Direktkunden investieren in ETFs, aber auch Großbanken nutzen sie als Bausteine, um ihre Anlageempfehlungen umzusetzen.

Die Unsicherheit an den Märkten ist angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich und vor allem in Griechenland zurückgekehrt. Welche Chancen bieten aus Ihrer Sicht speziell ETFs für Privatanleger und wie kann man sich damit gegen eventuelle Risiken absichern?

Mit ETFs können Portfolios gerade in solchen Marktphasen schnell und flexibel angepasst werden. Wichtig ist dabei, dass die Anbieter den Anlegern die entsprechenden Bausteine zur Verfügung stellen. Im Rentensegment etwa liegt der Angebotsschwerpunkt noch immer auf breit streuenden ETFs auf europäische Staatsanleihen. Mit Produkten, die den Anleihenmarkt eines einzelnen Landes abdecken, können Anleger jedoch deutlich gezielter und präziser allokieren.

Welche Märkte oder Themen sind aus Ihrer Sicht noch ungenügend über ETFs abgedeckt?

Mit über 2000 ETFs in Europa gibt es zweifellos schon ein ausreichend breites und gut diversifiziertes Angebot. Echte Innovationsmöglichkeiten sehen wir im Anleihen-Segment, etwa bei High-Yield-Produkten, Anleihen aus Schwellenländern oder aus einzelnen Staaten. Nachfrage sehen wir außerdem im Bereich vermögensverwaltende ETFs.

Dürfen Sie vielleicht schon verraten, mit welchen ETF-Neuheiten Anleger in näherer Zukunft von iShares rechnen dürfen.

Zuviel wollen wir noch nicht verraten. Neue Produkte von iShares werden aber in den Bereichen Renten, Asset Allocation, alternative Indexkonzepte und neue Dividendenstrategien konzentriert sein.

Wie wir erfahren haben, sind Sie fußballbegeistert. Was denken Sie, wie weit wird Deutschland bei der Europameisterschaft kommen?

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass unser Team am Ende im Endspiel gegen Spanien stehen wird – und gewinnt. Das würde mich persönlich sehr freuen!

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