Start Interview „Mit ETFs können Anleger zu sehr günstigen Konditionen ein Aktienportfolio erwerben“

„Mit ETFs können Anleger zu sehr günstigen Konditionen ein Aktienportfolio erwerben“

43
nauhauser-foto-2008_03

Niels Nauhauser, Referent Altersvorsorge, Banken, Kredite
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V.

Nur wenige Finanzprodukte werden von Verbraucherzentralen empfohlen. Exchange Traded Funds gehören dazu. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. erläutert warum, ETFs für Anleger so gut geeignet sind und welche Punkte sie bei der Auswahl beachten sollten.

Herr Nauhauser, wie stehen Sie zum Thema Exchange Traded Funds? Ist das ein geeignetes Anlageinstrument für Privatanleger?

Exchange Traded Funds brauchen kein teures Fondsmanagement, weil sie einen Aktienindex nachbilden. Das spart Kosten und erhöht die erwartete Rendite. Die von Anbietern oft ins Feld geführten angeblichen Chancen eines (teuren) aktiven Fondsmanagements sind genau das: lediglich Chancen. Über die Wahrscheinlichkeit und die Höhe dieser Chancen schweigt man gerne. Wissenschaftler aber berichten seit vielen Jahren schon, dass die meisten Fonds ihren Index langfristig nicht geschlagen haben. Ihre Rendite liegt im Schnitt etwa zwei Prozentpunkte pro Jahr unter der des jeweiligen Vergleichsindex. Diese Differenz entspricht der Höhe nach in etwa den Kosten des aktiven Fondsmanagements.

Was sind Ihrer Meinung nach die entscheidenden Vorteile von Exchange Traded Funds?

Sie erlauben es den Anlegern, zu sehr günstigen Konditionen ein breit diversifiziertes Aktienportfolio zu erwerben. Und die Wertentwicklung ist nachvollziehbar, wenn ETFs auf bekannte Aktienindizes verwendet werden.

Gibt es von Ihnen auch Kritikpunkte? Welche Gefahren sehen Sie für die ETF-Branche?

Es gab in den vergangenen Jahren eine Flut an Neuemissionen. Inzwischen kann man Anlegern nur noch einen Bruchteil der Angebotspalette an ETFs wirklich empfehlen. Für ein breit diversifiziertes und günstiges Aktienportfolio brauchen Sie vielleicht vier ETFs. Von gehebelte ETFs oder solche auf Branchen- oder Strategieindizes sowie von Short-ETFs halte ich nichts. Die Entwicklung erinnert an den Zertifikatemarkt. Die Anbieter denken sich munter Geschichten aus und schneidern dazu passende Produkte. Kein Privatanleger und kein sorgfältig arbeitender Finanzberater braucht diese „Neuheiten“ für die Umsetzung einer vernünftigen Anlagestrategie.

Auf welche Punkte sollten Anleger bei der Auswahl von ETFs besonders achten?

Die langfristigen Renditen von Aktienfonds, von denen viele schwärmen, immerhin rund sieben Prozent pro Jahr, können Anleger nur dann erwarten, wenn sie ihre Anlagestrategie mit Disziplin umsetzen, auch wenn es mal unruhig wird an den Kapitalmärkten. Bei der Auswahl sollte eine ausreichende Diversifikation sichergestellt sein: Zumindest Europa, USA , Asien und die Schwellenländer sollten mit ETFs auf bekannte marktbreite Indizes abgedeckt werden. Ob der ETF den Index direkt nachbildet oder dazu Swaps, also Tauschgeschäfte mit einem Kontrahenten, einsetzt, ist aus meiner Sicht nicht so entscheidend.

Wie informieren sich Anleger am besten über ETFs – können Sie uns etwas empfehlen?

Als Standardwerk gilt die Buy-and-Hold-Bibel von Gerd Kommer. Dort wird ausführlich erläutert, wie man langfristig durch eine breite Streuung des Vermögens und durch Kostenbewusstsein bei der Anlage attraktive Renditen erzielen kann. Gute Informationen gibt es natürlich auch im Internet, z.B. unter www.portfoliotheorie.com oder www.turborendite. org. Wer eine gründliche und neutrale Beratung zur Geldanlage und Altersvorsorge mit ETFs sucht, kann sich auch über die Beratungsdienstleistungen hier bei uns in der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg informieren.

TEILEN
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.