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Negativer Ausblick: Warnschuss für Deutschland

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interview rosenbauer

Das EXtra-Magazin hat sich mit Gerhard Rosenbauer, Anleihenexperte der Capital-Forum AG, über die aktuelle negative Ausblickänderung für Deutschlands Kreditwürdigkeit unterhalten. Dabei beleuchtet er die Konsequenzen für die Investoren und zeigt Anlagealternativen für Deutsche Staatspapiere auf.

Herr Rosenbauer, wie ist Ihre aktuelle Einschätzung als Rentenexperte zur Ausblickänderung von Moodys für Deutschland?

Die Änderung des Ratingausblicks für Deutschland ist nicht mit einem Downgrading verbunden. Der negative Ausblick zeigt allerdings auf, dass die Ratingagentur darauf aufmerksam macht, dass sich die Kreditwürdigkeit von Deutschland zum einen aufgrund der zunehmenden Belastungen aus den europäischen Peripheriestaaten verschlechtert hat. Zum anderen wird der sich abschwächenden wirtschaftlichen Prosperität und damit zu erwartenden geringeren Steuereinnahmen Rechnung getragen. Am Beispiel der Vereinigten Staaten, bei denen ein Downgrading erfolgte, hat man gesehen, dass mit einem Downgrading die Welt nicht untergeht. Die Zinsen in den USA sind nach dem Downgrading weiter gefallen. Den negativen Ausblick für Deutschland sehe ich als eine Art Warnschuss dahingehend, dass die finanziellen Möglichkeiten von Deutschland, die europäische Peripherie finanziell zu retten, begrenzt sind und Deutschland Gefahr läuft sich zu übernehmen. Es ist eben problematisch in der Eurozone „everbody´s darling“ zu sein.

Wie sollten sich Anleihe-Investoren nun verhalten?

Bundesanleihen gelten immer noch als der sichere Anlagehafen und sind mit einem AAA-Rating, jetzt mit negativem Ausblick, versehen. Die wesentliche Frage an dieser Stelle die ein Investor zu stellen hat, ist: Leihe ich dem Bund auf dem gegenwärtigen Renditeniveau von ca. 0,30 % bei 5 Jahren Laufzeit noch Geld. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate bleibt eine negative Realverzinsung – quasi eine Geldvernichtung. Dies nennt man in der Fachsprache „financial repression“. Der Staat entschuldet sich zu Lasten seiner Bürger und deren finanziellen Rücklagen. Selbst Lebensversicherungen und die Altersvorsorge sind davon nicht ausgenommen. Ich habe festgestellt, dass „Angst“ manchmal seltsame Blüten treibt und zu irrationalen Anlageentscheidungen führt. Sicherlich sind Überlegungen angebracht, ob anderen Assetklassen, wie bspw. Corporate Bonds, in den Fokus rücken können.

Als Alternative werden derzeit gerne Unternehmensanleihen gekauft – sind die Renditen dort noch attraktiv?

Unternehmensanleihen bringen immer noch einen nicht unerheblichen Renditevorteil gegenüber Bundesanleihen. Allerdings hängt dies sehr stark von der Bonität und dem Rating des Schuldners ab. Bei der CAPITAL-FORUM AG sehen wir uns mit unserem V.U.R.M. System© (Volatilitäts- und Risiko-Management-System) die Unternehmen sehr genau an und erreichen damit eine ganzheitliche Betrachtung von Portefeuilles bzw. Depots. Risiken werden transparent und kalkulierbar. Übrigens: Für den risikobewussten Anleger sind bei Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von ca. 1 bis 2 Jahren durchaus Renditen zwischen 2,5 % und 5 % erzielbar. Damit wird schon mal ein Ausgleich für die aktuelle Inflation erzielt. Aber Achtung: Wo es viel Licht gibt, ist auch der Schatten nicht weit weg. In dem gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld tummeln sich viele Emittenten mit interessanten Renditen, denen ich mein Geld nicht anvertrauen würde. Sei es, dass sie schon völlig überschuldet sind, das Geschäftsmodell nicht tragfähig ist oder der Netto-Cash-Flow nicht ausreicht die Zinsen zu zahlen. Man sollte bei Engagements in Unternehmensanleihen immer einen Fachmann hinzuziehen.

Inflation droht – wie können sich Anleihen-Investoren vor einer möglichen Inflation schützen?

Das Thema Inflation sollte auf Sicht der kommenden 12 bis 15 Monate nicht zu hoch angesetzt werden. Vor dem Hintergrund einer sich verflachenden Wirtschaft (in vielen europäischen Nachbarstaaten herrscht bereits Rezession) sehe ich diese Gefahr vorerst nicht auf uns zukommen, auch wenn die Öffentliche Hand ein latentes Interesse an höheren Inflationsraten hat (siehe financial repression). Das Risiko von weiter heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten, sollte Griechenland die Eurozone verlassen und die Probleme in Spanien sich weiter zuspitzen, schätze ich deutlich höher ein. Dieser „Schock“ könnte sicherlich dazu führen, dass sich das gegenwärtige Zinsniveau verändert. Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten würde ich Anlagen bei verzinslichen Wertpapieren mit einer Laufzeit bis maximal 2,5 Jahren den Vorzug einräumen. Sollte Inflation wider erwartend doch schneller kommen, so sind variabel verzinsliche Anleihen, sog. Floating Rate Notes, von gut fundierten Emittenten sowie inflationsgeschützte Anleihen sicherlich in den Vordergrund der Anlageüberlegungen zu stellen.

 

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