Start Interview „Nicht jedem Gerücht hinterherjagen“

„Nicht jedem Gerücht hinterherjagen“

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fredibobic

Am Rande der Verleihung des DDV Journalistenpreises traf sich die Redaktion mit Fredi Bobic, dem Ex-Fussballprofi und Sportchef des VfB Stuttgart. Ein Gespräch über Fußball, die EM 2012 und Finanzen.

Herr Bobic, in den vergangenen Wochen wurde von Politikern immer wieder ein Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine gefordert. Was halten Sie als Manager des VfB Stuttgart und ehemaliger Nationalspieler von solchen Überlegungen?

„Sport und Politik sollte man meiner Meinung nach trennen. Deswegen halte ich von einem Boykott nichts.“

Immer wieder wird geklagt, dass mit gerade einmal zehn Tagen gemeinsamen Trainings die Vorbereitung für die Nationalmannschaft zur Fußball-EM zu kurz sei. Sehen Sie dies ähnlich?

„Es ist natürlich immer ein Vorteil, wenn man ein Team über einen längeren Zeitraum vollständig zusammen hat. Das hat Jogi Löw bei den vergangenen beiden Turnieren gezeigt. Der Terminplan ist nun einmal so eng, nicht nur vor den großen Turnieren. Ich bin mir aber sicher, dass der Bundestrainer trotz der nicht ganz optimalen Vorbereitung eine richtig gute Mannschaft auf die Titeljagd schicken wird.“

Nach zuletzt zwei dritten Plätzen bei der Fußball-WM und dem Vize bei der letzten EM ist der Druck auf die deutsche Elf sehr hoch. Wie realistisch sehen Sie die Chancen für unser Team?

„Die DFB-Elf hat bei jedem großen Turnier enormen Druck. Es ist nun eben nicht so, dass man dort hinfährt und den Titel im Vorbeigehen mitnimmt. Die Konkurrenz ist riesig und am Ende wird auch die Tagesform eine Rolle spielen, wer den Titel holt. Deutschland hat sicherlich Chancen darauf.“

Was sind aus ihrer Sicht noch die Schwächen, die im Training noch abgestellt werden müssen?

„Da einige Spieler später zum Team stoßen, gilt es letztlich die Balance zu finden, um einen guten Auftakt zu erzielen. Das Turnier kann lange dauern, deshalb ist es auch wichtig, ausgeruhte Spieler zu haben. Anderseits sind die Spieler, die länger unterwegs sind noch im Wettkampfrhythmus.“

Was sind aus ihrer Sicht neben Deutschland noch weitere Favoriten für den EM-titel. Haben Sie einen Geheimtipp?

„Es gibt oftmals ein Team, dass man weniger auf der Rechnung hat. Vielleicht ist es dieses Mal eines der Gastgeberländer. Sicher wird Spanien ein gewichtiges Wörtchen mitreden, aber auch die Niederlande oder vielleicht Frankreich.“

Wir sind ein Finanzmagazin. Wie investieren Sie selbst, was ist ihnen bei der Geldanlage wichtig?

„Ich bin Schwabe, deshalb ist erst einmal eine solide, seriöse Anlage wichtig. Ab und an sollte man aber auch gezielt ins Risiko gehen (lacht).“

Bastian Schweinsteiger warb zuletzt für die Börse Stuttgart, auch andere Gesichter aus dem Fußball sind häufig auf Börsenereignissen zu sehen. Gibt es aus ihrer Sicht Gemeinsamkeiten von Erfolg im Sport und bei der Geldanlage?

„Kontinuierliche, ehrlich Arbeit wird im Sport meistens belohnt, vor allem wenn man die Ruhe behält und man von seiner Arbeit überzeugt ist. So ist es auch teilweise im Finanzgeschäft. Man muss bei der Geldanlage nicht jedem Gerücht hinterherjagen, sondern einfach auch die Geduld aufbringen, und von dem überzeugt sein, in das man investiert.“