Nicola Yankov, geschäftsführender Gesellschafter und Präsident des Verwaltungsrats bei Expat Capital.
Nicola Yankov, geschäftsführender Gesellschafter und Präsident des Verwaltungsrats bei Expat Capital.

Für Anleger ist der osteuropäische Markt häufig ein rotes Tuch. Das möchte der bulgarische ETF-Anbieter Expat Capital ändern. Er bietet ETFs auf die Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Wir fragen nach bei Nicola Yankov, geschäftsführender Gesellschafter und Präsident des Verwaltungsrats bei Expat Capital.

Herr Yankov, welchen Vorteil haben Verbraucher, die gerne passiv in Osteuropa investieren, wenn sie auf Expat-ETFs zurückgreifen?

Die wesentlichen Vorteile unserer ETFs für potenzielle deutsche Privat- und institutionelle Anleger sind folgende:

– Zugang zu den Underlying-Märkten. Wir bieten eine kostengünstige Möglichkeit, um diese Märkte mit “einem Klick” aus Frankfurt zu erreichen. Jeder kann einen bestimmten Betrag direkt von Frankfurt kaufen oder verkaufen ohne mit einem internationalen oder lokalen Börsenmakler zu arbeiten. Man braucht kein lokales Maklerkonto, kein lokales Depotkonto und kein lokales Bankkonto, um auf einem dieser Märkte handeln zu können. Tatsächlich verbinden wir die Deutsche Börse sehr effizient mit den lokalen Börsen.

– Jeder Anleger kann mit unseren ETFs auf ein Land setzen, das ihm gefällt. Es ist nicht notwendig, die ganze Region zu kaufen (z.B. können Sie nur in Rumänien oder die Tschechische Republik investieren). Außerdem ist es sehr einfach und kosteneffizient, zwischen den Ländern zu wechseln, indem Sie einen ETF verkaufen und einen anderen mit nur zwei Trades kaufen.

– Geringere Maklergebühren. Unsere ETFs handeln mit vielen lokalen und internationalen Börsenmakler in jedem der Länder, in denen sie tätig sind, so dass sie kleinere Makler- und Transaktionsgebühren zahlen.

– Unsere ETFs bieten eine höhere Liquidität. Einige der Underlying- Aktien in diesen Märkten sind nicht sehr liquide, aber unsere Fonds sind gut diversifiziert und verfügen über eine viel höhere Liquidität.

– Unsere ETFs verfügen über einen Primärmarkt (für Zeichnungen und Rücknahmen) für berechtigte Anleger, der täglich geöffnet ist und auf Cash Basis (DVP) funktioniert. Jeder institutionelle Anleger kann zu jedem bestimmten Zeitpunkt eine beliebige Anzahl von Aktien am Primärmarkt (Mindestanlage von 100.000 Aktien) zu einem Nettoinventarwert pro Anteil an diesem Tag (unter Verwendung der Schlusskurse) zeichnen oder zurückgeben. Dies ist eine einzigartige Eigenschaft unserer ETFs, die sie von anderen ähnlichen Instrumenten in Europa und den USA unterscheidet. Primärmarktteilnehmer können Barzahlungen leisten und brauchen keinen Zugang zu den Underlying-Märkten, um einen Wertpapier-Basket gegen Fondsanteile zu bauen. Der Primärmarkt steht auch jedem institutionellen Anleger und nicht nur bestimmten Händlern und Market Makers offen, obwohl offizielle Distributoren und Market Makers im Vergleich zu anderen institutionellen Anlegern einen privilegierten Zugang haben (d.h. keine Ausgabeaufschläge oder Rücknahmeabschläge oder kleinere Anlagebeträge).

– Unsere ETFs bieten größere Diversifikation. Wenn ein potenzieller Investor im rumänischen Markt investieren will, muss er alle 13 Aktien, die den Index bilden, selbständig kaufen. Wenn man unsere ETFs kauft, erhält man einen Anteil in allen 13 Aktien mit einem Trade. Es spart Transaktionsgebühren, Ausführungszeit und vereinfacht der Workflow-Prozesse in Geschäftsräumen, Back-und Front-Offices.

– Unsere ETFs ermöglichen es den Anlegern, überhöhte Spreads zu vermeiden, die zu vielen Positionen in den meisten dieser Märkte üblich sind. Außerdem können Anleger daher vom Handel in Euro profitieren, indem sie übermäßige FX-Spreads und zusätzliche Banktransaktionen und Gebühren in lokalen Währungen vermeiden.

– Die ETFs folgen den Benchmark-Indizes, die von den größten und liquidesten Unternehmen in diesen Ländern zusammengestellt werden. Sie sind als Makrowetten auf den lokalen Markt bzw. die lokale Wirtschaft und nicht auf einzelne Positionen konzipiert und eignen sich daher sehr gut zur Diversifizierung der globalen Portfolios institutioneller Anleger.

– Unsere Index-ETFs verwenden die Methode der direkten physischen Replikation, das heißt sie halten die tatsächlichen Underlying-Wertpapiere in ihren Portfolios und nicht ein Derivat wie einen Total Return Swap. Dies reduziert die Risiken für Anleger in einem katastrophalen Szenario (wie die Krise von 2008), wenn der Kontrahent eines Total Return Swaps die Erfüllung der Vereinbarung versagt oder verweigert. Die meisten europäischen Index-ETFs basieren auf Total Return Swaps. Unsere Produkte bieten den Anlegern einen zusätzlichen Schutz in dieser Hinsicht.

Was macht die osteuropäischen Märkte so interessant?

Die osteuropäischen Länder haben sich in den vergangen Jahren wirtschaftlich sehr gut entwickelt. Das BIP-Wachstum steigt (es gibt einige „Edelsteine“ wie Rumänien, Polen, Slowenien und die Tschechische Republik, die um mehr als vier Prozent pro Jahr wachsen). Diese Volkswirtschaften sind widerstandsfähiger gegen externe Schocks geworden, da sie ihre Staatsschulden senken konnten, ihre Handelsbeziehungen zu anderen Ländern verbessert haben (durch Verbesserung der Leistungsbilanzen) und sehr effizient werden. Die Konsumenten werden wohlhabender, was der Wirtschaft gut tut. In dieser Region sehen wir mehr Start-ups und neue Unternehmen, die Wachstum und Profitabilität fördern. Unterdessen sind die Lohnkosten niedriger als in Westeuropa und wir glauben, dass mehr und mehr westliche Unternehmen einsteigen und einen Teil ihrer Aktivitäten in die Region auslagern werden.

Aber die Kosten sind signifikant höher als bei Standard-ETFs auf westeuropäische und nordamerikanische Märkte. Warum ist das so und dürfen Anleger hoffen, dass die Gebühren in den kommenden Jahren sinken?

Die Kosten mögen höher sein als von ETFs, die den Dax-Index abdecken, aber im Vergleich zu ähnlichen Produkten, etwa die Märkte in den aufstrebenden Ländern Asiens, Lateinamerikas sowie des Nahen Ostens, sind sie niedrig. Es ist normal, dass Produkte, die den größeren, liquideren und entwickelten Märkten folgen, billiger zu bauen und zu verwalten sind. Zum Beispiel betragen die Ausgaben für einen ETF, der Taiwan (Value Taiwan ETF) abdeckt, etwa 2,5 Prozent; ETFs, die Saudi-Arabien abdecken, haben Kosten von etwa einem Prozent usw. Selbst der ETF von Xtrackers, der den MSCI Mexiko verfolgt, hat höhere Kosten mit einer Kostenquote von 0,7 Prozent. Es gibt auch ETFs von großen Anbietern wie VelocityShares, die gehebelt sind (nur aus Derivaten bestehen) und eine Kostenquote von mehr als 1,5 Prozent pro Jahr haben. Im Gegensatz zu den meisten europäischen ETFs, die die wichtigsten Indizes in Westeuropa verfolgen, verwenden unsere ETFs keine Total-Return-Swap-Derivate. Sie verwenden direkte physische Replikation der Underlying-Indizes in den CEE-Ländern, was wesentlich komplexer und teurer ist und den Anlegern einen zusätzlichen Schutz bietet. Daher sind wir nicht der Meinung, dass unsere Produkte teuer sind. Es ist nicht einfach, ein physisches Portfolio osteuropäischer Aktien aufzubauen, und unser Mehrwert besteht darin, dass wir einen effizienten Weg zur Eröffnung von Positionen in diesen Märkten geschaffen haben. In der Zukunft, wenn die Underlying-Liquidität und unsere Fonds größer werden, halten wir es für möglich, dass unsere Kosten sinken und unsere Produkte für die Endanleger noch attraktiver werden.

Welchen Währungsrisiken setzen sich deutsche Anleger mit ihren ETFs aus?

Das Währungsrisiko wird nicht abgesichert. Die Fonds sind in Euro notiert und gehandelt, aber Anleger tragen das zugrunde liegende Wechselkursrisiko in sieben der elf Länder:

– Die Slowakei, Slowenien und Griechenland sind Mitglieder der Eurozone, während Bulgarien einen festen Wechselkurs zum Euro durch ein Currency Board hat.

– Polen, die Tschechische Republik, Ungarn, Kroatien, Serbien, Mazedonien und Rumänien haben ihre eigenen Währungen, die gegenüber dem Euro schwanken.

Wir haben uns entschieden, die Währungen der sieben Länder nicht abzusichern, weil diese Märkte durch Kapitalzuflüsse angetrieben werden. In Momenten zunehmender Kapitalzuflüsse steigen die Währungen der Underlying-Märkte und der Aktien zusammen. Wenn Anleger einzelne Aktien kaufen, haben sie auch ein Engagement in den lokalen Währungen. Die Absicherung dieser Währungspositionen kann eine separate Anlageentscheidung sein.

Sie bilden verschiedene osteuropäische Länder ab. Haben Sie auch ein Produkt, welches all diese Märkte zusammenfasst?

Zurzeit haben wir kein Instrument, das alle Länder abdeckt. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, länderspezifische ETFs zu erstellen, weil wir den Anlegern die Möglichkeit anbieten wollen, ihr Engagement nach ihrer Meinung zu steuern. Wenn beispielsweise ein potenzieller Investor für den slowenischen oder slowakischen Markt optimistisch ist, kann er diesen spezifischen ETF kaufen, anstatt über einen regionalen Super-ETF in der gesamten Region zu investieren. Die CEE-Länder unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht sehr, einschließlich ihrer besonderen wirtschaftlichen Umstände und ihrer Entwicklungsperspektiven. Die meisten Anleger erkennen dies und schätzen die Möglichkeit eines zielgerichteten Ansatzes ein. Außerdem haben viele dieser Länder eine relativ geringe Marktkapitalisierung und würden somit im Gesamtportfolio der aggregierten ETF sehr geringe Gewichte haben. Daher wird ein Anleger, der einen CEE-Index-ETF mit zusammengesetzter Marktkapitalisierung kauft, im Wesentlichen das Risiko der drei größten Länder in der Region halten.

Was müssen hiesige Anleger hinsichtlich der Besteuerung wissen?

Alle unsere ETFs sind OGAW-konform und werden wie der OGAW-ETF auf dem Dax versteuert (z.B. von Xtrackers). In Bulgarien beträgt die Kapitalertragsteuer für OGAW-ETFs null Prozent. Für ausländische Anleger in OGAW gibt es keine Quellensteuer. Die Körperschaftsteuer auf Fondsebene beträgt ebenfalls null Prozent (gegenüber 15 Prozent bei deutschen OGAW-Fonds), so dass alle Gewinne der Fonds an die Anleger weitergegeben werden. Unsere ETFs verteilen keine Dividenden; Anleger realisieren ihre Erträge nur aus Kapitalgewinnen. Deutsche Anleger zahlen alle deutschen Einkommenssteuern, die auf Kapitalgewinne aus OGAW-Instrumenten erhoben werden.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.