Oliver Kilian, Director bei UniCredit und ETF-Spezialist.
Oliver Kilian, Director bei UniCredit und ETF-Spezialist.

Als Vorreiter für grüne Anleihen legt UniCredit jetzt noch einmal mit einem Green-Bond-ETF nach. Anleger können damit grüne Industrieprojekte unterstützen. Wir fragen nach bei Oliver Kilian, Director bei UniCredit und ETF-Spezialist.

Herr Kilian, was hat Sie bewogen, einen europäischen Green-Bond-ETF aufzulegen?

Für unsere ETFs gilt zunächst, dass wir nur Produkte in Segmenten lancieren wollen, in denen wir für unsere Investoren einen Mehrwert durch unsere Stärken als Bank generieren können. UniCredit hat eine lange Historie im Green-Bond-Bereich als Bookrunner, die bis zum ersten Green Bond von 2007 zurückreicht und heute eine wichtige Säule unseres Debt Capital Market-Geschäfts darstellt. Mit seinen Sales-, Trading-, Origination- und Research-Teams begleitet Unicredit die Emission von Green- und Sustainability-Bonds und macht sie einem institutionellem Anlegeruniversum zugänglich. Zudem verfügt Unicredit über eine sogar noch länger zurückreichende Erfahrung im ETF-Market Making und deren Auflage, hier waren wir einer der Pioniere in Europa und sind bereits seit 2001 aktiv.

Wir glauben zudem, dass nachhaltige und klimafreundliche Finanzprodukte immer weiter in den Investorenfokus rücken werden, da Anleger Klarheit darüber wünschen, wie ihre Gelder eingesetzt werden. Das wird durch die kommende Gesetzgebung in diesem Bereich ab Mitte 2019 noch deutlich verstärken.

Weshalb ist der ETF für Investoren interessant?

Der ETF zeichnet sich durch eine breite Diversifikation und hohe Kreditqualität aus und bietet zudem eine Rendite, die mit einem konventionellen Anleihe-ETF absolut vergleichbar ist. In Verbindung mit den klassischen Vorteilen eines ETF – hohe Liquidität und Transparenz durch das optimized sampling Verfahren – wird das Produkt für alle Investorengruppen zu einem attraktiven Investment.

Richtet sich der ETF rein an institutionelle Anleger oder auch an private? Und wieso?

Das Produktkonzept wurde zunächst für die Bedürfnisse institutioneller Anleger entwickelt, die Klima- und Umweltschutzthemen immer mehr in ihre Anlagepolitik einbringen müssen und wollen. Aber auch Retail-Investoren steht der ETF als Investment offen – wir wollten hier bewusst keine Anlegergruppen ausgrenzen, daher ist das Produkt auch bewusst einfach konstruiert – ausschließlich europäische und auf Euro lautende Anleihen finden Einzug in den ETF, sofern sie den Green Bond Principles der International Capital Markets Association genügen.

Wie garantieren Sie, dass Anleger mit ihrem Geld auch wirklich nur grüne Industrieprojekte unterstützen?

Tatsächlich könnten wir mit unserem Green-Bond-Team eine dauerhafte Kontrolle der einzelnen Bonds nur schwerlich sicherstellen, daher nutzen wir die Erfahrung unseres Indexpartners MSCI ESG, die kontinuierlich die Einhaltung der Green Bond Principles in unserem Anlageuniversum auf Einzeltitelebene überprüfen. Sobald eine der Anleihen nicht mehr den Kriterien eines Green Bonds entspricht, wird sie umgehend aus dem Index entfernt.

Treiber für grüne Produkte sind mit Sicherheit die von der Europäischen Union vorgegebenen Ziele. Für wie realistisch halten Sie die Ziele bzw. was ist dafür notwendig?

Grüne Produkte gibt es in der Tat schon länger, so wurde der erste Green Bond wie erwähnt bereits 2007 begeben und nicht erst auf Initiative der Europäischen Union. Hauptsächlich sehe ich persönlich hier zwei treibende Faktoren für den Markt „Grüner Finanzprodukte“, zum einen haben wir den politischen Willen der Mitgliedsstaaten der EU die Vereinbarungen aus dem Pariser Abkommen von 2015 umzusetzen, hierzu wurden bereits die ehrgeizigen Energie- und Klimaziele im Rahmen des “EU Aktionsplans” im März dieses Jahres verabschiedet und zum anderen sollte es inzwischen auch den institutionellen Anlegern bewusst sein, dass sich eine klimafreundliche Anlagepolitik nicht nur positiv für die Reputation auswirkt, sondern auch ein Auswahlkriterium für Investoren darstellen kann.

Der Zeitraum, der für die Entwicklung und Zertifizierung von grünen Finanzprodukten vorgesehen ist, ist schon sehr konkret. So sollen Begrifflichkeiten und ein entsprechendes Europäisches Eco-Label, bereits ab Mitte 2019 ihre Gültigkeit haben. Ob nun aber die vorgegebenen quantitativen Ziele des EU Aktionsplans im geplanten Zeitraum so umgesetzt werden können, kann aktuell nicht mit voller Sicherheit abgeschätzt werden, aber die Richtung, in welche die Wirtschaftsentwicklung dabei gelenkt wird, ist eindeutig.

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.