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Nachhaltigkeit: ESG-Kriterien können Smart Beta ergänzen

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Bruno Poulin, Gründer und Geschäftsführer des französischen ETF-Anbieters Ossiam

Bruno Poulin, Gründer und Geschäftsführer des französischen ETF-Anbieters Ossiam, über smarte Index-Strategien und die Implementierung von ESG-Kriterien in Smart-Beta-Strategien.

Ossiam gilt in Deutschland vor allem als Anbieter von Smart-Beta-ETFs. Wie gut wurden die ETFs in diesem Jahr von den Anlegern angenommen und welche Strategie/welcher ETF war der Anlegerliebling in diesem Jahr?

Smart-Beta-Strategien erfreuen sich weiter wachsender Beliebtheit unter Investoren. Zwar liegt ihr Marktanteil gemessen am verwalteten Vermögen weltweit noch unter demjenigen klassischer, nach Marktkapitalisierung gewichteter ETFs. Doch weisen sie deutlich höhere Wachstumsraten auf. So ist das verwaltete Vermögen von Smart-Beta-ETFs und -ETPs in den vergangenen fünf Jahren weltweit bis Ende September 2017 jährlich um durchschnittlich 31,3 Prozent auf einen neuen Rekord von 545 Milliarden US-Dollar gestiegen. Bei klassischen ETFs wuchs das verwaltete Vermögen im gleichen Zeitraum jährlich nur 18,9 Prozent. Das ergibt die Statistik des auf ETFs spezialisierten Analyse- und Beratungshauses ETFGI. Ossiam hat von diesem Trend profitiert und seine Assets under Management bis Ende November 2017 auf über 2,9 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 30 Prozent auf Jahressicht.

Da sich die Aktienmärkte seit Jahresbeginn weiterhin positiv entwickelt haben, bevorzugen Investoren nach wie vor Aktien vor Anleihen und Rohstoffen. Besonders starke Zuflüsse verzeichnete der Ossiam Shiller Barclays CAPE® US Sector Value ETF. Das passt zum globalen Trend im Smart-Beta-ETF-Segment, der die höchsten Zuflüsse in den Kategorien Value, Dividenden und Momentum auswies.

Ossiam hat untersucht, inwieweit sich ein Smart-Beta-Ansatz auf eine Auswahl von Unternehmen übertragen lässt, die Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen. Was waren die wesentlichen Ergebnisse der Studie?

Konkret haben wir untersucht, ob und mit welchem Ergebnis sich Smart-Beta-Techniken auf eine nach ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) zusammengestellte Titelauswahl anwenden lassen und ob diese Kombination möglicherweise eine wertvolle Ergänzung sein könnte. Als Basis unserer Analyse haben wir die größten börsennotierten US-Unternehmen zwischen 2009 (dem frühestmöglichen Zeitpunkt, von dem an ESG-Daten zur Verfügung standen) und 2016 gewählt. Im Auswahlprozess haben wir ein Ausschlussverfahren kontroverser Unternehmen mit einem „Best-in-Class-Ansatz“ kombiniert. Das heißt, wir haben ethisch kontroverse Unternehmen wie etwa bestimmte Waffenhersteller komplett aus dem Universum aussortiert und von den verbleibenden Unternehmen die jeweils 30 Prozent ausgeschlossen, die in ihrem Sektor den schlechtesten ESG-Score erreicht haben. Diese Methode kann als Konsens-Ansatz unter europäischen Investoren gelten. Wir haben dann unterschiedliche Smart-Beta-Strategien auf das Gesamtuniversum und das ESG-Subset angewendet.

Die Frage für uns war, ob ESG-Investments und Smart Beta auf natürliche Weise zueinander passen. Smart Beta berücksichtigt üblicherweise reine Finanz- und Risikodaten, während ESG-Investments eine größere Bandbreite von Kennzahlen mit Bezug auf die Aktivitäten eines Unternehmens berücksichtigen. Dabei kann ein ESG-Ansatz sowohl den Ruf eines Unternehmens als auch die Kursentwicklung seiner Aktien negativ beeinflussen. Es gibt sogar konkrete Synergien, die sich aus der Kombination beider Ansätze ergeben. Beispielsweise ergibt sich eine Synergie, wenn es um das Ziel der Risikoreduktion oder des Risikomanagements geht: Eine tiefgehende ESG-Analyse wird Informationen über die Aufstellung eines Unternehmen über die reinen Finanzkennzahlen hinaus liefern. Beispielsweise können das Warnzeichen über die Unternehmensführung sein, die in der traditionellen Analyse unberücksichtigt bleiben. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ein ESG-Ansatz sehr gut zu Smart-Beta passt.

Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Ossiam verstärkt das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Gibt es bereits schon Nachhaltigkeits-ETFs von Ossiam oder sind Neuemissionen in diesem Bereich geplant?

Im März 2016 hat Ossiam die von der UN unterstützten Prinzipien Verantwortungsvollen Investierens (Responsible Investment Principles, PRI) unterzeichnet, die ein globales Netzwerk von Asset Managern, Besitzern großer Vermögen und Dienstleistungsunternehmen repräsentieren, die zusammenarbeiten, um ethische Prinzipien in der Vermögensanlage zu verankern. Seit April 2016 bietet Ossiam Investoren einen Fonds an, der ESG-Kriterien genügt. Im Juni 2017 haben wir den ohnehin schon erfolgreichen Ossiam US Minimum Variance NR ETF auf einen ESG-Ansatz umgestellt und damit auf entsprechende Nachfrage von Investoren reagiert. Der Ossiam US Minimum Variance NR ETF verbindet eine auf US-Aktien angewendete Minimum-Varianz-Strategie mit einem ESG-Filter, der die gemäß ESG-Kriterien am besten bewerteten Aktien auswählt. Der Fonds ist an den wichtigsten Börsen in Europa gelistet und hat aktuell ein Volumen von 385 Millionen Euro (Stand: Ende November 2017).

In den kommenden Monaten werden wir unser ESG-Angebot erweitern und zwei neue ESG-Fonds auf den Markt bringen. Einer wird auf einer unserer bestehenden Strategien basieren und dabei um einen ESG-Filter erweitert, welcher einen „Best-in-Class-Ansatz“ mit einem Ausschlussverfahren für kontroverse Unternehmen verbindet, außerdem den CO2-Ausstoß berücksichtigt und dabei auf eine 40 Prozent verminderte Treibhausgasemissionen im Vergleich zur breiten Benchmark abzielt. Der andere Fonds wird einen selbst lernenden Algorithmus aus dem Bereich des Machine Learning mit einem Minimum-Varianz-Ansatz zur Portfolio-Konstruktion kombinieren. Wir erwarten ein europäisches Börsen-Listing der beiden Fonds innerhalb des ersten Quartals.

Stellen Sie eine erhöhte Nachfrage im Bereich Nachhaltigkeit bei Ihren Kunden fest?

Ja. Wir sehen seit Jahren ein wachsendes Interesse an systematischen Investmentstrategien und einen steigenden Zuspruch zu Smart-Beta-Ansätzen. Gleichzeitig gibt es mittlerweile ein gestiegenes Bewusstsein für ESG-Belange unter Investoren. Das veranlasst eine wachsende Investorenzahl zu verlangen, dass ESG-Kriterien in Mainstream-Benchmarks berücksichtigt werden. Die vierte jährliche Smart-Beta-Umfrage von FTSE Russell zeigt, dass 60 Prozent der europäischen Vermögensbesitzer davon ausgehen, in Zukunft ESG-Überlegungen bei ihren Smart-Beta-Strategien zu berücksichtigen.

Zurückzuführen ist dieser Trend auf ein Bedürfnis von Investoren nach erhöhter Transparenz und der Erkenntnis, dass ESG-Faktoren eine signifikante Rolle für die Bestimmung von Risiko- und Return-Level haben. Allerdings gibt es bislang nur eine begrenzte Zahl an ETF-Lösungen für Investoren, die ESG-Prinzipien wertschätzen und gleichzeitig in ein risikooptimiertes Aktienportfolio investieren möchten. Der Ossiam US Minimum Variance NR ETF ist genau darauf ausgerichtet. Als einen der wenigen Anbieter, die beide Ansätze auf konsistente Weise kombinieren, sehen wir Ossiam als sehr gut vorbereitet an, um diese Nachfrage zu bedienen, die in Zukunft weiterhin signifikant wachsen sollte.

In welchen Themengebieten sieht Ossiam darüber hinaus noch weitere Nischenbereiche, in denen Ossiam sich künftig verstärkt betätigen möchte?

Wir sind überzeugt, dass es weiterhin Segmente gibt, die erst noch zu erschließen sind, um der immer weiter wachsenden Nachfrage nach neuen und innovativen systematischen Investment-Strategien im alternativen Smart-Beta-Segment Rechnung zu tragen. Wir werden unser Produktangebot daher um andere Risikoprofile und zusätzliche Assetklassen ausweiten. Zum Beispiel wird sich Ossiam bald den Smart-Beta-Fixed-Income-Markt erschließen und einen ETF für europäische Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating anbieten. Dafür wollen wir mit Unterstützung eines renommierten externen Anbieters risikoarme und möglicherweise unterbewertete Anleihen auswählen. Wie immer, wenn wir unser Angebot ausweiten, ist uns dabei wichtig, Investoren einen echten Mehrwert in Form innovativer, Research-getriebener Methoden zu bieten. Nachahmer-Produkte wird es von uns nicht geben, und wir werden sehr wählerisch bleiben, was Neuauflagen angeht.

Vor rund einem Jahr legte Ossiam mit dem Global Multi-Asset Risk Control einen vermögensverwaltenden Smart-Beta-ETF auf. Könnten Sie uns kurz diese Strategie vorstellen, was ist das interessante daran und wie wird dieser ETF von den Anlegern aufgenommen?

Wie der Name schon sagt, kombiniert eine globale Multi-Asset-Strategie weltweit gestreut verschiedene Anlageklassen wie etwa Aktien, Anleihen und Rohstoffe, um ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Wir sind davon überzeugt, dass Multi-Asset-Investing heutzutage zu den besten wegen für Investoren zählt, um ihre angestrebten Ziele zu erreichen. Der Nutzen einer globalen Multi-Asset-Strategie besteht darin, attraktive und stabile Erträge zu erwirtschaften und das Risiko über Diversifikation zu reduzieren.

Lange war es so, dass ein gemischtes Portfolio mit je 50 Prozent Aktien und Anleihen Erträge bei begrenztem Risiko einbrachte. Allerdings hat die Zunahme der Korrelation zwischen den Assetklassen den Nutzen solch statischer Strategien verringert. Als wir während der Produktentwicklungsphase mit unseren Kunden gesprochen haben, haben viele von ihnen das Thema Ertragsschwankungen und Verlustrisiko aufgebracht, vor allem in Folge der Verluste im Jahr 2008. Daher war unser Ansatz, Risikokontrolle ins Zentrum der Investmentstrategie zu rücken und uns dafür auf die Volatilität und den erwarteten maximalen Verlust zu konzentrieren.

Unser innovativer Fonds bildet den Global Multi-Asset Risk-Control Index ab, eine regelbasierte Benchmark, die eine Long-Position in einer Kombination von Risiko-Assets und Cash darstellt. Das Risikoportfolio besteht aus ETFs, die Aktien und Anleihen aus den Industrie- und Schwellenländern, Unternehmensanleihen, Rohstoffe und Immobilien abbilden. Dabei werden die ETFs nach einem Mean-Variance-Ansatz gewichtet, um die erwarteten Erträge zu maximieren und gleichzeitig die erwartete Volatilität des Portfolios zu minimieren. Das Cash-Portfolio besteht aus Geldmarkt-ETFs, die den europäischen Interbankensatz EONIA abbilden.

Der in die Index-Methodologie integrierte Mechanismus zur Kontrolle des maximalen Verlusts bestimmt dynamisch über die Gewichtung von Risikoportfolio sowie Cash und hat dabei zum Ziel, die Verluste des Global Multi-Asset Risk-Control Index unter acht Prozent zu halten. Dabei sieht der Index eine Gewichtung zwischen 43 und 100 Prozent von ETFs des Risikoportfolios vor, der Rest ist ins Cash-Portfolio investiert.

Standardmäßig findet vierteljährlich ein Rebalancing des Index statt. Zusätzlich erlauben optionale weitere Rebalancings eine dynamische Anpassung der von der Strategie vorgesehenen Gewichtungen, wenn sich die Marktbedingungen verschlechtern, etwa bei einem sprunghaften Anstieg der Volatilität.

Der Ossiam Shiller Barclays Cape® US Sector Value TR ETF überschreitet gerade eine Milliarde US-Dollar. Woraus erklären Sie sich diesen Erfolg, was macht den ETF aus Anlegersicht so interessant?

Unser ETF bildet den Shiller Barclays CAPE® US Sector Value Index ab, der gemeinsam von Barclays und Professor Robert Shiller entwickelt wurde. Der Index nutzt das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings, kurz CAPE®, Ratio) als Werttreiber einer Sektor-Rotations-Strategie auf Basis des S&P 500.

Robert Shiller hat die ursprüngliche CAPE®-Ratio 1988 gemeinsam mit seinem Doktoranden John Campbell entwickelt. Die CAPE®-Ratio ist ein weit verbreiteter Bewertungsmaßstab, der Aufschluss darüber gibt, ob Aktien über- oder unterbewertet sind. Die Kennzahl setzt den aktuellen Wert eines Portfolios ins Verhältnis zu den inflationsbereinigten Gewinnen der enthaltenen Unternehmen über zehn Jahr, um so den Einfluss von Geschäftszyklen auszublenden. Professor Shiller hat die Anwendung der CAPE®-Ratio auf Sektoren ausgedehnt und gemeinsam mit Barclays eine darauf basierende Sektor-Rotations-Strategie entwickelt. Die Strategie nutzt den Relativen CAPE®-Indikator, eine normalisierte Version der CAPE®-Ratio, ergänzt um einen Momentum-Filter. Ziel der Strategie ist es, überbewertete Sektoren zu meiden und gleichzeitig mögliche Value-Traps zu umgehen, indem sie ein Sektor-Portfolio mit Value-Ausrichtung konstruiert, das dabei hilft, die richtigen Industrien zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen.

Seit der Auflage vor zwei Jahren verzeichnet die Strategie Zuflüsse von einer breiten Klientel, darunter Versicherungen, Pensionsfonds und Vermögensverwalter aus allen Teilen der Welt. Der ETF ist derzeit unser beliebtestes Produkt mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro (Stand Ende November 2017). Wir schreiben diesen Erfolg der Einzigartigkeit der Strategie – langfristig orientierte, Value-basierte Sektor-Rotation im meist gefolgten Index der Welt – und seinem Risikoprofil – geringere Verluste und schnellere Erholung im Vergleich zur Benchmark – zu, das den ETF zu einem passenden Ersatz für rein passive Investments auf den S&P 500 macht, sowie konsistent positiver Entwicklung unter unterschiedlichen Marktbedingungen seit Auflage. Wir sind stolz darauf, dass unsere Partnerschaft mit Professor Shiller zu einem anhaltenden Erfolg geworden ist.

In der ETF-Branche ist derzeit viel Bewegung, neue ausländische Emittenten sind auf dem deutschen Markt, kleinere Emittenten fusionieren bzw. werden übernommen. Wie sieht sich Ossiam in diesem Marktumfeld für die Zukunft aufgestellt?

Die ETF-Industrie wächst seit vielen Jahren rasant, weil sie Investoren diversifizierte Portfolios mit einem hohen Maß an Transparenz und Liquidität bietet. Es besteht keinerlei Zweifel, dass der Einsatz von ETFs in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, gerade auch unter der MiFID-II-Regulierung. Da der ETF-Sektor weiter wächst, ist es daher auch kein Wunder, dass immer mehr Fondsgesellschaften, Investmentbanken und neue Anbieter den Markt betreten, um ihre Einkommensströme zu diversifizieren. Es mag eine gewisse Konsolidierung geben, gleichzeitig werden wir aber neue Marktteilnehmer sehen.

Mit Blick auf Smart-Beta-Strategien ist festzustellen, dass sie immer stärker Richtung Mainstream rücken. Auch wenn die Produkte noch vergleichsweise jung sind, gibt es sie doch schon lange genug, dass sie ihre Vorteile unter Beweis stellen konnten. Daher wird auch im Smart-Beta-Segment die Zahl der Anbieter in den kommenden Jahren stark wachsen. Bereits jetzt gibt es allein in Europa mehr als 20 Anbieter.

In diesem zunehmend wettbewerbsintensiven Smart-Beta-Umfeld, in welchem Standard-Produkte von großen Anbietern bereitgestellt werden, kommt es für Marktteilnehmer allgemein und für die Marktführerschaft im speziellen auf einige Schlüsselfaktoren an: ETF- und Smart-Beta-Erfahrung, eine klare Spezialisierung, eine leistungsfähige Infrastruktur, die Fähigkeit zu fortlaufender Innovation und einen Kundenservice, der Mehrwert bietet.

Ossiam ist sehr gut aufgestellt, um diesen Herausforderungen zu begegnen, da es sich von seinen Wettbewerbern genau durch eine Spezialisierung auf Smart-Beta, eine lösungsorientierte Denkweise und innovative Produktentwicklungen auszeichnet. Investoren in Ossiams Strategien sind sich über die Leistungsfähigkeit unseres Researchs in diesem Bereich bewusst. Unsere Kunden profitieren von einem robusten Produktdesign und einem fortlaufenden Dialog, in dem wir die speziellen Fragen beantworten, die sie zu einem Smart-Beta-Ansatz haben, sei es zu Absicherungszwecken, der Portfolio-Konstruktion oder Smart-Beta-Lösungen. Darüber hinaus profitiert Ossiam von einem Team gut ausgebildeter und erfahrener Mitarbeiter sowie hoch entwickelten und umfassenden Support-Fähigkeiten von der IT-Infrastruktur bis zu Rechts-Know-How.

Was sind aus Ihrer Sicht im Jahr 2018 die nächsten Wachstumstreiber?

Die Nachfrage nach intelligenten, indexbasierten und damit transparenten und kostengünstigen Investmentlösungen wird weiter zunehmen. Sowohl institutionelle als auch private Anleger suchen immer häufiger nach verlässlichen Vehikeln mit definiertem Risikoprofil. Historisch gesehen wurde die Entwicklung des ETF-Markts durch signifikantes Wachstum des US-Markts bestimmt. MiFID II wird zu einem bestimmten Zeitpunkt für einen Richtungswechsel sorgen. Das gilt umso mehr, als der Einsatz von ETFs durch Privatanleger in Europa noch deutlich hinter dem in den USA zurückbleibt. Dieser Umstand wird länger andauern als wie von manchen Marktteilnehmern vermutet.

Das Jahr geht zu Ende. Wie sieht Ihre Jahresbilanz aus, und was sind die Herausforderungen und Ziele von Ossiam für das kommende Jahr?

Wir haben das von uns verwaltete Volumen in 2017 klar gesteigert und unsere Produktpalette um innovative Lösungen erweitert. Gerade unsere Flaggschiff-Produkte erfreuen sich weiter wachsender Beliebtheit. Dabei müssen wir zugeben, dass wir, wie alle anderen Anbieter, von einem guten Marktumfeld profitiert haben. Das wird sich 2018 möglicherweise nicht so fortsetzen. Ossiams Ziel ist es, die bereits genannten drei neuen Fonds erfolgreich auf den Markt zu bringen. Dafür werden wir eine Menge Anstrengung zur Aufklärung der Investoren aufbringen müssen. Darüber hinaus wollen wir geografisch weiter expandieren und außerhalb Europas weiter wachsen. Ein Kernmarkt wird aber weiterhin Deutschland bleiben. Als größte Volkswirtschaft Europas hat Deutschland einen Marktanteil von 25 Prozent des europäischen ETF-Markts. Hier möchte Ossiam gemeinsam mit Natixis Investment Managers seine Präsenz bei institutionellen und privaten Anlegern weiter stärken.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.