Peter Smolny, Leiter des ETF-Handels der Börse Stuttgart, im Interview.
Peter Smolny, Leiter des ETF-Handels der Börse Stuttgart.

An der Börse geht es mitunter zu wie in einem Taubenschlag. Peter Smolny, der unter anderem den ETF-Handel an der Börse Stuttgart leitet, steht Rede und Antwort.

Herr Smolny, Sie haben vor kurzem die Verantwortung für den Handel mit Aktien, Fonds und Exchange Traded Products an der Börse Stuttgart übernommen. Davor waren Sie dort mehr als 18 Jahre als Börsenhändler tätig. Was ist das Besondere an Ihrem Job?

Die Arbeit als Händler ist so abwechslungsreich wie das Geschehen an den Finanzmärkten. Und oft auch genauso unberechenbar. Bei überraschenden Entwicklungen oder Nachrichten kann aus ruhigem Marktgeschehen schnell ein turbulenter Handelstag mit vielen Orders werden. Dann geht es für mein Team darum, Informationen schnell zu verarbeiten und einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Sie befassen sich seit vielen Jahren mit ETFs. Was ist das Besondere an dieser Anlageklasse?

In der Tat konnte ich die Erfolgsgeschichte von ETFs in Deutschland aus nächster Nähe verfolgen. Mit der Zeit haben immer mehr Privatanleger die Vorteile dieser Produkte kennen und schätzen gelernt. Für ETFs sprechen ihre hohe Transparenz, die vergleichsweise geringen Kosten und ihr Schutz als Sondervermögen. In Summe geben ETFs Anlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio auf effiziente Weise breit zu diversifizieren. Außerdem spielt die gute Handelbarkeit von ETFs an der Börse eine Rolle: Immer mehr Anleger nutzen ETFs auch für aktives Trading und für kurzfristige Reaktionen auf aktuelle Marktbewegungen und Trends.

An der Börse Stuttgart sind Händler in den elektronischen ETF-Handel eingebunden. Was haben Anleger davon?

Die Händler prüfen Orders auf Plausibilität und sorgen für ein Höchstmaß an Preisqualität und Ausführungssicherheit. Dafür spenden sie in besonderen Marktphasen und Orderbuchsituationen zusätzliche Liquidität und gleichen Angebot und Nachfrage auch innerhalb der Market-Maker-Preisspanne aus. Unser Fokus auf beste Preise zahlt sich für Anleger aus: Der konkrete Ausführungspreis des ETFs bestimmt die impliziten Kosten der Transaktion und hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtperformance des Investments. Wenn ein Anleger beispielsweise 1.000 Stück eines ETFs kauft und wieder verkauft, macht ein jeweils um einen Cent besserer Preis schon 20 Euro Ersparnis aus.

Was bietet die Börse Stuttgart sonst noch im ETF-Handel?

Eine Stärke der Börse Stuttgart liegt darin, dass risikobegrenzende Orders wie etwa Stop-Loss losgelöst von Preisfeststellungen aktiv ausgelöst werden. Denn die überwiegende Mehrzahl aller ETFs wird nicht täglich gehandelt. Nur durch die aktive Betreuung von Orders ist eine Ausführung zu einem Preis sichergestellt, der möglichst nah am vom Anleger gewählten Limit liegt und dem aktuellen Marktniveau entspricht. Ein anderes Angebot ist der börsliche Soforthandel: Wer bei dieser Ordervariante eine Anfrage stellt, bekommt umgehend eine Preisindikation, zu der seine Order mindestens ausgeführt wird – oder sogar besser. Das kann insbesondere in volatilen Märkten ein großer Vorteil sein. Der Anleger nutzt also eine individuelle Anfragemöglichkeit, bei der er dank unseres hybriden Marktmodells von hoher Preisqualität und Ausführungswahrscheinlichkeit profitiert. Wir bauen den börslichen Soforthandel sukzessive mit Onlinebanken aus.

Der ETF-Handel an der Börse Stuttgart läuft täglich von 8 bis 22 Uhr. Zu welchen Zeiten kann man besonders gut handeln und wann sollte man etwas vorsichtiger sein?

Aktive ETF-Anleger wollen jederzeit in der Lage sein, auf das Marktgeschehen einzugehen. Deshalb läuft der ETF-Handel bei uns bis zum Börsenschluss in den USA. In den Nebenhandelszeiten sollte man allerdings auf die Spreads achten, die sich dann aufgrund der geringeren Gesamtmarktliquidität ausweiten können. In Stuttgart mildern unsere Händler mit ihren Liquiditätsspenden diesen Effekt ab. Zudem sollten Anleger beachten, wann der Heimatmarkt eines Wertpapiers geöffnet ist. In dieser Zeit ist die Liquidität im Referenzindex am höchsten, und damit auch die Preisqualität beim ETF.

Was würden Sie Privatanlegern bei der Anlage und beim Handel von ETFs sonst noch raten?

In jedem Fall liegen Anleger richtig, wenn sie das breit gefächerte ETF-Produktspektrum zur Diversifizierung über Regionen und Assetklassen hinweg nutzen. Dabei sollten Anleger im Kern verstehen, was der jeweilige Referenzindex umfasst. Nur dann können sie auch den ETF für sich bewerten. Bei kurzfristigeren Anlagen ist es wichtig, Risiken aktiv zu managen und Verluste zu begrenzen. Hierfür bieten intelligente Ordertypen ausgezeichnete Möglichkeiten. Und schließlich sollten Anleger den Handelsplatz aktiv auswählen und immer wieder die Preise und angebotenen Mehrwerte im ETF-Handel vergleichen.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das EXtra Magazin.