Start Interview „Platin hat gegenüber Gold Nachholpotenzial“

„Platin hat gegenüber Gold Nachholpotenzial“

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Jürgen Mehrbrei Unikat

In den vergangenen Monaten stiegen wieder die Silber- und Platinpreise erheblich. Das EXtra-Magazin sprach deshalb zu diesem Thema und das künftige Preispotenzial der beiden Edelmetalle mit Jürgen Mehrbrei, Geschäftsführer der UNIKAT Vermögensverwaltung.

EXtra-Magazin: Silber ist nicht nur Edelmetall, sondern auch Industriemetall. Warum sollten Anleger angesichts einer weltweit schrumpfenden Wirtschaft ausgerechnet jetzt in Silber investieren?

Mehrbrei: Weltweit schrumpft die Wirtschaft nicht, sondern wächst nur nicht mehr so dynamisch. Viele Branchen, in denen Silber verarbeitet wird, können weiterhin gesunde Aussichten vorweisen. Ob im Medizin-oder IT-Bereich, aber vor allem auch in der Unterhaltungselektronikbranche, Silber trifft auf Märkte mit guten Wachstumsaussichten. Durch diese Branchen kommt es zu einem kontinuierlichen „Verzehr“ der Vorkommen und so wird Silber auch in Zukunft ein begehrtes Edelmetall bleiben.

EXtra-Magazin: Vergangenes Jahr stieg der Silberpreis auf knapp 50 US-Dollar, um sich danach fast zu halbieren. Ist Silber aufgrund der hohen Volatilität nicht sehr spekulativ?

Mehrbrei: Durch die verstärkte industrielle Nutzung unterliegt Silber deutlich höheren Schwankungen als Gold und ist damit auch leichter anfällig für Spekulationen. Es wäre vermessen zu behaupten, Silber sei nicht spekulativ. Doch ergeben sich als Beimischung damit auch Chancen. Kurzfristig bedeutet dies, bei interessanten Kursen (z. B. nach Kursrückschlägen) durch aktive Trades zu profitieren. Für den langfristigen Anleger spielen hingegen die Schwankungen eine geringere Rolle. Geht man davon aus, dass in 5–10 Jahren der Silberpreis höher notieren wird als heute, ist ein Investment völlig gerechtfertigt.

EXtra-Magazin: Die Platinpreise sind zuletzt aufgrund von Unruhen in südafrikanischen Minen kräftig angestiegen. Auch Gold steigt auf neue Höchststände. Wie beurteilen Sie die beiden Edelmetalle?

Mehrbrei: Unruhen in Minen können kurzfristig die Preise treiben, sollten langfristig jedoch kaum ins Gewicht fallen. Aus fundamentaler Sicht sind solche Ereignisse damit fast zu vernachlässigen, zumal sie auch nicht absehbar sind. Durch die Liquiditätsschwemme werden von den Anlegern hingegen Märkte gesucht, bei denen in den nächsten Jahren attraktive Renditen möglich sind. Platin hat gegenüber Gold mit Sicherheit einiges an Aufholpotenzial. So steht der Platinpreis heute ungefähr auf gleichem Niveau wie vor fünf Jahren, während sich der Goldpreis verdoppelte. Diese auseinanderlaufende Bewegung sollte sich mittelfristig wieder etwas annähern. Nach einem Jahr „Verschnaufpause“ für Gold sind wir leicht optimistisch und trauen dem Edelmetall dieses Jahr noch ein Allzeithoch zu. Damit bietet sowohl Gold als auch Platin ein interessantes Umfeld, bei dem die Aufnahme oder der Ausbau von Investments in Erwägung gezogen werden sollte.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.