Start Interview „Potential noch lange nicht voll ausgenutzt“

„Potential noch lange nicht voll ausgenutzt“

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EXtra-Magazin im Gespräch mit Simon Klein von db x-trackers. Indexfonds (ETFs) stehen in Deutschland laut seiner Meinung gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Wie viele ETFs gibt es derzeit am Markt?

In Europa waren Ende 2007 427 ETFs gelistet. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von 61 Prozent. Das verwaltete Vermögen stieg dabei von rund 70 auf 89 Milliarden Euro.

Was schätzen Sie: Wo wird die Zahl am Jahresende liegen?

Der Wachstumstrend sollte sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Ende 2008 könnte es daher mehr als 600 ETFs mit rund 115 Milliarden Euro unter Verwaltung geben. Wir selbst haben dieses Jahr bereits 32 neue ETFs gelistet. Unser Jahresziel liegt bei 50 weiteren.

Wie ist derzeit das Verhältnis von Privatanlegern zu institutionellen Investoren?

Generell wird der Anteil privater Investoren auf etwa 20 Prozent geschätzt. In Amerika kamen 2007 rund 50 Prozent der neuen Anlagegelder von Privatanlegern.

Wirkt sich die Einführung der Abgeltungssteuer positiv auf ETFs aus?

Anleger, die vor dem in Krafttreten der Abgeltungssteuer in ETFs investieren, profitieren durch den Bestandsschutz der Fonds zusätzlich.

Werden Privatinvestoren ETFs stärker für sich entdecken?

ETFs kaufen Anleger über die Börse ohne Ausgabeaufschlag, daher werden sie aktuell kaum von Banken, Maklern beziehungsweise Vermögensverwaltern vertrieben. Der Trend zum so genannten Fee-based- Advisory, also zu einer Vermögensverwaltung zu fixen Gebühren, ist derzeit in Europe noch sehr unterentwickelt und wird in Zukunft einen weiteren Nachfrageschub bei ETFs erzeugen.

Werden ETFs in Zukunft eine ähnliche Stellung einnehmen wie heute Zertifikate oder aktive gemanagte Fonds?

Die EU-Richtlinie, UCITS III, hat hierfür den Grundstein gelegt. Innovative Annlagekonzepte lassen sich jetzt als ETFs verpackt kosteneffizient und transparent umsetzen. Strukturierte Produkte können somit als ETFs angeboten werden. Das Potenzial von ETFs ist somit noch lange nicht voll genutzt.

Jüngst werden ETFs immer „exotischer“, wodurch auch die Gebühren steigen. Widerspricht das nicht dem ETFErfolgsprinzip: einfach und günstig?

Komplizierte Produkte benötigen eine andere Kostenstruktur. Diese beeinträchtigen jedoch nicht die Effizienz und Transparenz eines ETFs. So fallen für den db x-trackers auf den MSCI-World-Index 0,45 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr an. Anleger bekommen dafür aber quasi ein Portfolio aus mehr als 1900 Aktien. Diese Aktien sind für den einzelnen Anleger zum Teil schwer zugänglich. Wenn man bedenkt, dass es im MSCI-World-Index zu 5000 bis 6000 Dividendenterminen im Jahr kommt und wir kürzlich eine große Indexumstellung gesehen haben, erscheinen die Kosten nicht mehr zu hoch.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.
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