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Privatanleger nutzen ETFs derzeit nur begrenzt

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Deborah Fuhr
Global Head of ETF Research and Implementation Strategy

Deborah Fuhr ist die führende Analystin und Vordenkerin der ETF Branche. Bevor sie im September 2008 zu BlackRock kam, hat sie sich elf Jahre lang bei Morgan Stanley mit dem ETF-Markt beschäftigt. Ihre monatlichen Marktstudien gelten in der Branche als Referenz.

Frau Fuhr, ist die Nachfrage nach ETFs derzeit in anderen Ländern auch so hoch wie bei uns?

Ja, in den Jahren während der Finanzkrise haben sich ETFs sehr gut entwickelt. Global überschritt das ETF-Volumen erstmals die magische Grenze von 1 Billion US -Dollar. Vor allem in 2009 konnte das Volumen verglichen mit dem Jahresende 2008 um mehr als 45 Prozent zulegen. Das Wachstum in Europa lag mit 59 Prozent deutlich über dem US -Markt (42 Prozent). In absoluten Zahlen ist der US – Markt aber immer noch gut dreimal größer.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern?

In den USA ist die ETF-Industrie weiter fortgeschritten. Dort gehen die Anfänge auf das Jahr 1993 zurück. Unterschiede gibt es nicht nur bei dem in ETFs angelegten Volumen, sondern auch bei der Art, wie ETFs innerhalb der Finanzindustrie eingesetzt werden. So wird ein Großteil der ETFs in den USA von Finanzberatern oder von informierten Privatanlegern eingesetzt. In Europa hingegen kaufen ETFs derzeit eher institutionelle Anleger. Zudem sorgt die Nachfrage aus dem Ausland bei in den USA gelisteten ETFs dafür, dass die Volumen nicht eindeutig dem US -Markt zugerechnet werden können. Interessant ist, dass von allen Aktienumsätzen an der US -Börse etwa 30 Prozent auf ETFs entfallen. In Europa hingegen müssen nicht alle Umsätze offengelegt werden. Wir gehen davon aus, dass nur ein Drittel der Umsätze in Europa über die Börse abgewickelt wird. Investoren denken daher, dass der europäische ETF-Markt nicht so liquide ist wie der US -Markt.

In Europa machen Privatanleger derzeit noch einen kleinen Teil des ETF-Volumens aus – wie sieht das in anderen Ländern aus?

Europäische Privatanleger nutzen ETFs derzeit nur begrenzt. Das hat vor allem mit den unterschiedlichen Beratungssystemen zu tun. In den USA nehmen wir an, dass Privatanleger etwa 40 Prozent des US -Marktes ausmachen. Wenn Privatanleger investieren, wird allerdings meist nur in die lokalen Märkte investiert. Das große Produktangebot wird leider nur eingeschränkt wahrgenommen.

Denken Sie, neue Marktteilnehmer können sich gegen die großen ETF-Anbieter iShares, Lyxor und db x-trackers behaupten?

Etablierte Anbieter profitieren stark von dem so genannten First-Mover-Advantage. Bringen neue Anbieter ETFs auf bereits investierbare Indizes heraus, ist es schwierig, dort ein größeres Volumen einzusammeln. Viele institutionelle Anleger können ihr Anlagevolumen gar nicht in den kleinen ETFs unterbringen. Es ist also sehr schwer, groß zu werden, wenn man klein ist. Man kann sagen, die Katze beißt sich selbst in den Schwanz. Das kann man auch auf globaler Ebene erkennen. Etwa 65 Prozent des in ETFs investierten Vermögens wird in gerade einmal 100 Indexfonds gehalten. Dennoch finden neue Anbieter immer wieder Nischen, zum Beispiel im Bereich Rohstoffe, in denen sie sich positionieren können.

Welche Punkte sollten Investoren bei der Auswahl von ETFs beachten?

Zunächst sollte man sein persönliches Anlageziel und die Risikobereitschaft definieren – dies kann jeder Anleger für sich allein oder in Zusammenarbeit mit seinem Finanzberater durchführen. Als Nächstes muss der zugrunde liegende Index beurteilt werden. Letztendlich ist dieser für die Performance der Anlage verantwortlich. Auf Fondsebene sollte aus den genannten Gründen auf die Größe des ETFs geachtet werden. Zudem sind natürlich steuerliche Aspekte zu beachten. Grundsätzlich bietet das große Angebot an ETFs hervorragend die Möglichkeit, ein breit diversifiziertes Portfolio zu erstellen. Gerade Privatanleger können hier zu attraktiven Konditionen erstklassige Anlageprodukte nutzen.

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