Matthias Klaubert

Vor kurzer Zeit kehrte die UniCredit wieder zurück auf den ETF-Markt und emittierte einen ETF auf europäische Wandelanleihen. Das EXtra-Magazin sprach darüber mit Matthias Klaubert, Associate ETF Advisory & Trading bei der UniCredit-Bankx

 

Matthias Klaubert,

Associate ETFAdvisory & Trading, UniCredit-Bank

2007 verkaufte die damalige HVB ihre ETF-Plattform „Indexchange“ an Barclays. Nun wieder der Einstieg in die ETF-Branche. Was hat Sie dazu bewogen?

Ja, die ETF-Plattform wurde 2007 verkauft. Allerdings haben wir immer darauf geachtet, dass die Expertise bei der HVB weiter besteht und genutzt wird, um einer der größten unabhängigen ETF Market Maker in Europa zu bleiben. Zusätzlich ist die UniCredit einer der größten europäischen Convertible Bond Market Maker. Gerade in diesem Bereich sahen wir die starke Nachfrage nach einem liquiden Investment Tool um in den europäischen Covertible Bond Markt zu investieren. Mit dem UC Thomson Reuters Balanced European Convertible Bond UCITS ETF sind wir diesem Kundenwunsch entsprechend nachgekommen.

Als einer der größten europäischen Market Maker im ETF-Bereich verfügen Sie über eine ausgezeichnete Expertise im Hause. Sie wollen nun als Nischenanbieter ETFs nur Produkte anbieten, die dem Anleger „einen bestimmten Mehrwert“ bieten. In welchem Bereich sehen Sie aktuell für sich eine spezielle Nische, in der Sie besonders ihre Stärken ausspielen können?

Neben dem lancierten Produkt prüfen unsere Markt-, Produkt- und ETF-Experten ganz genau, welche Smart Beta Strategien dem Kunden einen Mehrwert bieten, ob eine unbefriedigte Nachfrage besteht und ob ein ETF das geeignete Vehikel für die jeweilige Strategie darstellt.

Kommen wir zum neu aufgelegten Wandelanleihen ETF. Was macht dieses Produkt so interessant für den Anleger?

Der neue ETF bietet eine diversifizierte Anlagemöglichkeit in große und liquide Wandelanleihen europäischer Emittenten. Zusätzlich zu den Diversifikationskriterien Region, Sektor und Mindestvolumen weist der Index ein „ausgewogenes“ („balanced“) Profil auf, d.h. dass nur Anleihen mit einer hohen Konvexität geeignete Indexkomponenten darstellen.

Welche Regionen sind dabei besonders stark im Index gewichtet und wie sieht es mit der Bonität der einzelnen darin befindlichen Wandelanleihen aus?

Regional am stärksten gewichtet sind aktuell Frankreich mit ca. 26 Prozent, Deutschland mit ca. 19 Prozent, sowie Italien mit ca. 14 Prozent. Bei der Bonität weisen ca. 40 Prozent aktuell ein Rating von BBB-/Baa3 oder besser auf. Etwa 50 Prozent der Bonds sind nicht geratet und ca. 10 Prozent aktuell unter Investment Grade.

Bei der Auswahl achten Sie auf eine hohe Konvexität der Anleihen. Könnten Sie den weniger mit der Finanzsprache vertrauten Anlegern erklären, was dies bedeutet und warum dieses Kriterium in der aktuellen Marktlage so wichtig ist?

Wandelanleihen bestehen hauptsächlich aus zwei Komponenten: Der Anleihe und der Option, also dem Recht, dass der Anleihenbesitzer zu einem bestimmten, bei der Emission festgelegten Aktienkurs das Nominal der Anleihe in Aktien tauschen darf. Die Konvexität bezieht sich dabei auf dieses Recht – liegt der Abstand des Aktienkurses zum Wandlungspreis sehr weit darunter, reagiert die Anleihe, insbesondere die Option, kaum auf Änderungen des Aktienkurses. Im Gegensatz, liegt der Aktienkurs weit über dem Wandlungspreis, reagiert die Option und auch die Anleihe nahezu simultan zum Aktienkurs. Anders ausgedrückt: Fällt die Aktie sehr stark, gibt es durch die Anleihenkomponente eine Absicherung gegen weitere Aktienverluste. Steigt die Aktie sehr stark über den Wandlungspreis, kann man davon profitieren als ob man die Aktie besitzen würde. Allerdings ist der Weg der Reagibilität der Option zwischen diesen beiden extremen kein linearer, sondern ein konvexer (gewölbter), der für den Investor einen entscheidenden Vorteil hat – fällt der Aktienkurs, wird mit einem weiter fallenden Aktienkurs, die Anleihe immer weniger darauf reagieren und vice versa, steigt der Aktienkurs, wird die Anleihe immer mehr darauf reagieren.

Im aktuellen Marktumfeld, in dem der DAX bereits mehr als 40 Prozent über den 2007er Höchstständen liegt, allerdings ein weiteres Ansteigen nicht auszuschließen ist, ist es gut in einem Produkt investiert zu sein, welches dem Investor die Chance auf steigenden Aktienkurs und zumindest eine partielle Absicherung bei fallendem Kurs bietet.

Wie beurteilt Ihr Research die aktuelle Lage auf dem europäischen Wandelanleihen-Markt?

Wir haben kein spezielles Research zum Markt für Wandelanleihen, wohl aber zum Anleihen- und Aktienmarkt. Zum europäischen Aktienmarkt lässt sich unsere Einschätzung folgendermaßen zusammenfassen: Die aktuelle Konsolidierung an den Aktienmärkten sollte sich u.E. bis in die Sommermonate hinein fortsetzen, gefolgt von einem anschließenden erneuten Kursanstieg. Der Verlauf (d.h. der Tiefpunkt in der Konsolidierung) wird dabei u.a. von der Entwicklung der Schuldenkrise Griechenlands abhängen. Letztendlich ist die laufende Korrektur in unseren Augen eine Gelegenheit für neue Käufe mit Blick auf die erwarteten höheren Kurse zum Jahresende.

Was sollten Anleger bei dem Produkt besonders beachten?

Der Wandelanleihenmarkt ist ein Nischenmarkt, deutlich kleiner als der Anleihen oder Aktienmarkt. Global macht der Wandelanleihenmarkt gerade einmal 2 Prozent des gesamten Anleihenmarktes aus. Dies schlägt sich insbesondere auf die Liquidität der Wandelanleihen aus, was neben anderen Faktoren ein Risiko darstellt. Daher sollten Investoren auch hier nur einen Teil des Portfolios als Diversifikation investieren.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit dem ETF besonders ansprechen und was ist der ideale Anlagehorizont.

Aktuell haben wir das Produkt noch nicht im aktiven Vertrieb für Privatkunden, sprich unsere Marketingbemühungen beschränken sich auf institutionelle Vermögensverwalter aller Art. Nichtsdestotrotz kann jeder, der für sich entscheidet, dass dies ein Produkt für das eigene Portfolio ist, den ETF auf XETRA handeln, wo dieser mit einem geringen Spread und großer Size quotiert wird. Der dem ETF zugrundeliegende Index eignet sich durchaus für kurz-, mittel- und langfristige Investments, selbst Sparpläne sind denkbar. Einfach gesagt bildet der ETF eine Kombination aus einem EuroSTOXX 50 und einem Anleihen ETF nach, nur dass sich die Gewichte der beiden Anteile verschieben, je nachdem wie sich die zugrundeliegenden Aktien entwickeln. Daher bleibt es dem Investor frei, in welchem Umfang er hier investiert.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

 

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.