Start Interview „Privatanleger nutzen ETFs für taktische Tradingstrategien“

„Privatanleger nutzen ETFs für taktische Tradingstrategien“

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Die Börse Stuttgart positioniert sich auch im ETFHandel als Handelsplatz Nummer 1 für Privatanleger. Neben Infoveranstaltungen, Seminaren und umfassenden Webtools steht die Qualität der Orderausführung im Mittelpunkt der Aktivitäten. Das EXtra-Magazin im Interview mit Michael Görgens, Leiter Fonds- und ETF-Handel der Börse Stuttgart.

Herr Görgens, wie entwickelt sich Ihr Marktsegment ETF Bestx?

Unser Segment für ETFs hat sich seit dem Start im Oktober 2009 positiv entwickelt, aktuell werden 396 von 769 in Stuttgart gelisteten ETFs in ETF Bestx gehandelt. Die gute Resonanz zeigt, wie wichtig es ist, insbesondere auf die Bedürfnisse kleinerer Investoren einzugehen. Dem haben wir mit ETF Bestx Rechnung getragen. Privatanleger profitieren von einem auf sie zugeschnittenen Regelwerk, von attraktiven Preisen mit einer Gebührenbegrenzung pro Order und einem transparenten Entgeltmodell. Hinzu kommt: Jeder ETF in diesem Segment hat einen garantierten Maximalspread. So wird verhindert, dass der Anleger die Kosten für zu stark auseinanderdriftende Spreads tragen muss.

Was können Sie über das Anlageverhalten von Privatanlegern berichten? Welche Produkte kommen besonders gut an?

Ein klarer Trend besteht darin, dass immer mehr Privatanleger Indexfonds nun auch nutzen, um taktische Tradingstrategien umzusetzen. Darüber hinaus nehmen sie ETFs immer häufiger als Beimischung in ihre Depots. Gerade auf längere Sicht kommen dann die Vorteile der Assetklasse voll zum Tragen. Deshalb gehe ich insgesamt davon aus, dass gerade das Interesse privater Anleger an ETFs als transparenten und kostengünstigen Produkten weiter wachsen wird. Was die Nachfrage nach einzelnen ETFs betrifft, so machen DAX und Euro-STOXX-Papiere nach wie vor den Löwenanteil aus. Aber auch bei ETFs auf Emerging Markets und auf Rohstoff-Indizes sehen wir eine stetig steigende Nachfrage.

Sehen Sie eigentlich auch institutionelle Anleger, die bei Ihnen handeln?

Beim Ordereingang erkennen wir natürlich nicht, von wem die Order stammt. Wir können nur Rückschlüsse aus der Ordergröße ziehen. Wir führen sehr viele kleinere Orders aus, die wohl von privaten Anlegern stammen. Es gibt bei uns aber auch immer wieder Orders im Millionenbereich. Dahinter dürften häufig Vermögensverwalter stehen, die wiederum für viele Privatanleger handeln. Und auf diese Gruppe haben wir ja unsere Angebote konsequent ausgerichtet. Einige institutionelle Investoren handeln zwar auch bei uns, machen momentan aber eher einen geringeren Teil der Orders aus.

Was sollten Anleger beim Handel von ETFs beachten?

Zunächst sollte sich jeder Anleger vor dem Kauf gründlich über die Produkte informieren. Die Börse Stuttgart bietet dafür auf ihrer Website einen speziellen ETF-Finder an. Wenige Klicks genügen, und Profis wie Einsteiger finden das Produkt, das ihrem Anlageverhalten entspricht. Neben den wichtigsten Eckdaten wie Wertpapiername, Kennziffer und Zusammensetzung listet eine Wertpapierübersicht beispielsweise Emittenten, Höhe der Managementgebühren, den aktuellen Kurs oder die Wertentwicklung auf. Der Anleger sollte zudem unbedingt die impliziten Kosten berücksichtigen, das heißt die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. Hier lohnt es sich immer, vor Aufgabe einer Order die verschiedenen Börsenplätze miteinander zu vergleichen.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob der Index eines ETFs einfach ist oder komplex?

Grundsätzlich spielt das erst einmal keine Rolle. Wir arbeiten hier sehr eng mit unseren Market Makern zusammen, die für alle ETFs eine automatisierte Preisberechnung haben. Grundsätzlich gilt: Je komplexer der Index, desto höher die Kosten, und das spiegelt sich in der Handelsspanne wider.

Sie haben zuletzt viele neue Orderarten eingeführt – wie kommen die bei Ihren Kunden an?

Die Resonanz ist sehr gut, gerade bei Privatanlegern. Die drei Ordertypen Stop Limit Order (SLO), Trailing Stop Order (TSO) und One Cancels Other Order (OCO) ermöglichen eine verbesserte Risikosteuerung im Wertpapierhandel. Mit den neuen Ordertypen können Kauf- und Verkaufsaufträge noch genauer an bestimmte Marktbedingungen und -erwartungen geknüpft und automatisiert ausgeführt werden. So setzen auch private Investoren professionelle Handelsstrategien automatisiert um. Zusammen mit den Stop-Loss-Orders und Stop-Buy- Orders, die unsere Handelsexperten durch zeitnahe Liquiditätsspenden aktiv betreuen, machen die neuen Ordertypen aktuell schon jede vierte Order im ETF-Bereich aus.

Wie sehen Sie den Eintritt neuer ETF-Emittenten wie beispielsweise HSBC und StateStreet?

Der Eintritt neuer Emittenten zeigt uns, dass das Produkt ETF weiterhin viel Potenzial hat. Deshalb begrüßen wir als Handelsplatz das Engagement neuer Marktteilnehmer grundsätzlich. Für die Privatanleger spielt die Zahl der Emittenten aus meiner Sicht nur eine untergeordnete Rolle. Für sie kommt es vielmehr auf die Ausgestaltung der einzelnen ETFs an, die möglichst transparent, kostengünstig und liquide sein sollten. Wichtig ist außerdem das Universum an abgebildeten Indizes, das angeboten wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.