Robo-Advisors-Experten-Talk
Experten-Talk Robo-Advisors: v.l.n.r. Erik Podzuweit (Scalable Capital), Olaf Zeitnitz (Visualvest), Markus Jordan (EXtra-Magazin), Anselm Hüwe (quirion), Sebastian Hasenack (Investify), Oliver Dreiskämper (Deutsche Bank).

Ende Februar traf sich die Redaktion des EXtra-Magazin mit ausgewählten Robo-Advisors zu einem Round-Table in Frankfurt. Ein Gespräch über Risikomanagement, Marktwachstum und Kundennutzen der Angebote.

Ein Themengebiet ist  der jüngste Crash. Wie haben Ihre Kunden reagiert? Wir wollen aber auch über Kooperationen und ihre Geschäftsentwicklung sprechen. Aber beginnen wir am Anfang. Wie haben sich Ihre Kunden während  des Marktrückgangs verhalten?

Hüwe: Bei uns war es überraschend ruhig, ich hätte mit mehr Kundenreaktion gerechnet, aber es kamen wie sonst auch nur wenige vereinzelte Anrufe. Dafür, dass es ja ein größerer Einbruch war – nach Monaten und Jahren der Ruhe –, haben unsere Kunden die Kurskorrektur überraschend entspannt hingenommen. Es ging dann eher darum, die Medienberichte einzuordnen und darauf zu reagieren.

Es gab Berichte aus Amerika. Dort sollen Robo-Advisors nicht erreichbar gewesen sein. Gab es bei Ihnen irgendwelche Probleme?

Hasenack: Bei unseren Besucherzahlen haben wir einen „Peak“ beobachtet, für Kunden und Interessenten waren wir allerdings stets erreichbar. Eine Chance der digitalen Kommunikation ist es, sehr schnell reagieren zu können. Wir haben unseren Kunden taggleich individuelle E-Mails geschickt, um über die Situation aufzuklären, und eine konkrete Performanceentwicklung des eigenen Depots beigefügt. Von Kundenseite kamen daraufhin keine großen Fragen, die proaktive Mitteilung scheint geholfen zu haben.

Zeitnitz: Wir haben auch eine Mitteilung an die Kunden verschickt. Die Reaktion hielt sich auch bei uns in Grenzen, so schlimm war der Crash nicht, er war relativ schnell auch wieder erledigt. Eine Eigenheit bei uns ist auch: Wir haben viele Sparplankunden, diese sind meist weniger beeinflussbar durch kurzfristige Ereignisse.

Klassische Vermögensverwalter berichten, dass Kunden oft den Dax als Vergleich ansetzen.

Podzuweit: Ja, das beobachten wir auch. Der Vergleich gegenüber dem Dax, das war an diesem Tag fast vorteilhaft. Ich hatte mir auch ein bisschen mehr Sorgen gemacht als die Kunden, weil insbesondere die Presse sehr in Aufruhr war. Ich kann mich noch erinnern, dass eine große Zeitung online geschrieben hat, der neue schwarze Montag sei da. Und das haben sie darauf bezogen, dass der Dow Jones den höchsten Punkteverlust aller Zeiten hinnehmen musste. Prozentual waren das aber „nur“ 4,6 Prozent. Am schwarzen Montag im Oktober 1987 fiel der Dow an einem Tag um gut 22 Prozent. Wir haben daraufhin eine Benachrichtigung an unsere Kunden geschickt, in der wir darlegten, wie oft sowas statistisch vorkommt: Der Dow Jones erlebt alle 16 Monate einen Tagesverlust von mehr als 4,6 Prozent.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.