Start Interview „Rohstoffe gehören ins Portfolio“

„Rohstoffe gehören ins Portfolio“

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Matt Johnson

Rede und Antwort steht im Interview Michael Görgens, Leiter des Fonds- und Anleihenhandels an der Börse Stuttgart. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht der ETF-Handel in Stuttgart und seine Eigenheiten.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Exchange Traded Funds?

Ich beschäftige mich schon seit den späten 1990er Jahren mit ETPs. Die Bank, für die ich damals gearbeitet habe, war ein Pionier bei den ersten Produkten dieser Art in Europa. Darüber hinaus habe ich in meiner Position, die ich vor ETF Securities innehatte, unter anderem ein Team geleitet, das sich um den Vertrieb dieser Produkte gekümmert hat.

Was fasziniert Sie an ETFs?

Erstens fasziniert mich, wie groß das Produktangebot geworden ist. Alleine mit ETPs kann man mittlerweile ein Portfolio sehr breit diversifizieren. Zweitens schätze ich persönlich ETPs, da sie eine effektive Diversifikation zu anderen Anlageklassen ermöglichen. Und drittens hat es mich immer gereizt, mich in neue Sachverhalte und Themen einzuarbeiten und über diese stetig mehr zu lernen.

Welche Trends sehen Sie in der ETF-Industrie?

Ich sehe hauptsächlich zwei große Trends: Zum einen ist ein beschleunigtes Wachstum bei der Nutzung von ETPs durch Privatanleger zu erkennen. Regulierungsbehörden kritisieren immer häufiger den provisionsbasierten Vertrieb in Europa. Darüber hinaus erwarte ich, dass das in Rohstoffe investierte Vermögen im Vergleich zu anderen Anlageklassen weiter steigen wird. Denn Rohstoffe sind eine der wenigen Anlageklassen, die voraussichtlich sowohl vom Wachstum der Schwellenländer als auch von der lockeren Geldpolitik profitieren werden.

Welche ETFs fehlen derzeit?

Es wurde schon viel darüber gesprochen, dass als nächster Schritt aktiv gehandelte Produkte auf den Markt gebracht werden. Es ist aber sehr interessant zu sehen, dass mehrere Asset Manager eine enge Zusammenarbeit mit Euroclear angekündigt haben, wodurch die Liquidität über das Maß von ETPs hinaus gesteigert werden kann. Wir haben bei ETF Securities ein Team für die Produktstrategie, das beständig neue Produktideen bewertet und weiterhin innovative Produkte auf den Markt bringen wird.

Haben Sie selbst ETFs in Ihrem Portfolio? Wenn ja, welche?

Ja, ich habe derzeit drei ETCs und habe erst vor kurzem einen vierten verkauft – alles Produkte von ETF Securities. Beispielsweise habe ich den Short Euro, Long US-Dollar ETC gekauft, weil ich das Gefühl hatte, dass der Euro zu stark wird.

Welchen ETF sollte man unbedingt im Depot haben?

Das ist eine Frage, die sich nur schwer allgemein beantworten lässt. Generell bin ich jedoch davon überzeugt, dass ETPs auf Rohstoffe in ein Portfolio gehören, um die Diversifikation zu verbessern, sofern dies die Anlagerichtlinien vorsehen.

Auf welchen ETF könnte man Ihrer Meinung nach gut verzichten?

Aus meiner Sicht sind keine Produktgruppen oder einzelne Produkte überflüssig. Insgesamt ist die Industrie besser darin geworden, das Produktangebot an die Nachfrage anzupassen.

Welchen ETF würden Sie für Ihre Kinder oder Patenkinder kaufen?

Ich verstehe meine aktuellen Investments in mehrerlei Hinsicht als Investitionen für meine Kinder. Man kann die Kosten für eine Ausbildung nicht „hedgen“. Investments in Sachwerte profitieren jedoch erheblich von den dynamischen Verschiebungen bei Angebot und Nachfrage, die andererseits den zukünftigen Lebensstandard unserer Kinder beeinträchtigen können.

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